Carl Friedrich Gauß – Spuren seines Lebens

Von Torsten Gohlisch und André Sieland

Carl Friedrich Gauß hat den Großteil seines Lebens auf dem Gebiet des heutigen Niedersachsens verbracht. Er wurde 1777 in Braunschweig geboren, studierte in Braunschweig und Göttingen, promovierte in Helmstedt und arbeitete als Professor für Astronomie und als Direktor der Sternwarte bis zu seinem Tod (1855) in Göttingen. Reisen nach Berlin und Süddeutschland gehören zu den seltenen Ereignissen, bei denen er längere Strecken von zu Hause entfernt war. Angebote auf wissenschaftliche Posten in Russland und Preußen lehnte er ab.

Gauß hat in Niedersachsen vielfältige Spuren seines Lebens als Astronom, Mathematiker, Physiker und Geodät hinterlassen. Eine Gattung eher unauffälliger Steinmale ist vielfach mit seinem Namen verbunden. Gaußsteine finden sich in weiten Teilen Niedersachsens und berichten von einem – im wahrsten Sinne des Wortes – weitblickenden Projekt: der Vermessung des Königreichs Hannover. 1820 erhielt er den Auftrag von König Georg IV., 1821 begann er mit den Geländearbeiten, bis 1825 hatte er mit Gradmessungen die Grundlagen für weitere Vermessungsarbeiten gelegt. Die folgende Landesvermessung setzten dann andere – unter anderem sein Sohn Joseph – bis 1844 fort.

Für die Vermessung benötigt man Basispunkte, von denen man messen, die man aber auch von anderen Stationen aus anpeilen kann. Diese Punkte sollten befestigt sein, damit man sie auch nach Jahren erneut für Messungen nutzen kann. Heute werden als Gaußsteine steinerne lang-schmale Pfeiler mit – falls erhalten – quadratischer, überrandständiger Deckplatte bezeichnet. Die Deckplatte diente zur Auflage von Messgeräten. Die Quader markieren in der Regel einen unterirdischen Basispunkt.
Die Idee zu diesen steinernen Markierungspunkten mag auf die Gaußschen Vermessungsarbeiten zurückgehen, regelhaft gesetzt wurden sie jedoch erst in späteren Zeiten. Trotz der soliden Bauweise haben viele Gaußsteine die letzten Jahrhunderte nicht überstanden. Häufig wurden die Basispunkte bereits kurz nach Beendigung der Messungen mutwillig zerstört. Landbesitzer und Bauern vermuteten hinter den Vermessungsarbeiten Maßnahmen zur Veränderung des Steuerwesens und ebneten viele Punkte wieder ein.

Neben den künstlich gesetzten Vermessungspunkten dienten gebaute Landmarken wie Kirch- oder Leuchttürme ebenfalls als Messgrundlage.

Gauß war nicht der erste, der mittels Triangulation große Dreiecke über Niedersachsen legte, um damit Winkel und Entfernungen zu berechnen. Aber er war der erste, der aufgrund seiner überragenden mathematischen Fähigkeiten Methoden zur Fehlerminimierung erarbeitete und dem es gelang, die vermessungstechnisch äußerst schwierige Lüneburger Heide in das Dreiecksnetz einzubeziehen. Und er entwickelte aus der praktischen Arbeit heraus neue Messgeräte, wie zum Beispiel den Heliotrop, die die Arbeit vereinfachten und die Messgenauigkeit deutlich verbesserten.

Vorgängerin war die französische Militärtriangulation unter Oberst Epailly, der während der Besatzung 1804/1805 weiträumige Vermessungen durchführte. Den Gaußschen Messungen waren in den Nachbarländern auch die holländische (1802-1811) und die dänische Triangulation vorangegangen. Letztere war Ausgangspunkt der Vermessungen im Königreich Hannover. Heinrich Christian Schumacher (1780-1850), ein ehemaliger Student von Carl Friedrich Gauß, hatte die dänischen Vermessungen geleitet und angeregt, den Anschluss nach Süden als Projekt durch Gauß ausführen zu lassen.

Neben den Vermessungspunkten werden einige weitere Stationen des Lebens von Carl Friedrich Gauß im Themenlayer vorgestellt. Sein Geburtshaus ist kriegsbedingt nicht mehr erhalten, aber die Sternwarte in Göttingen als seine langjährige Wirkungsstätte, sein Grab auf dem Albani-Friedhof, die Wohnung seines Promotionsbetreuers in Helmstedt, wo er seine Dissertation redigierte, und einige andere lassen sich aufzeigen. Viele Objekte stehen heute unter dem Schutz des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes.

Zum Weiterlesen:
  • W. Torge: Geschichte der Geodäsie in Deutschland, 2. Aufl., Berlin 2009.
  • Th. Gerardy: Die Triangulation des Königreichs Hannover durch C. F. Gauß (1821-1844), in: Niedersächsische Vermessungs- und Katasterverwaltung (Hrsg.): C. F. Gauss und die Landesvermessung in Niedersachsen, Hannover 1955, S. 83-114.
  • G. Biegel/K. Reich: Carl Friedrich Gauß. Genie aus Braunschweig – Professor in Göttingen, 2. Aufl., Braunschweig 2009.

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