Orgellandschaft Arp Schnitger

Von Niels Juister

Mit den Werken des Orgelbauers Arp Schnitger und seiner Werkstatt besitzt die ohnehin schon reichhaltige und vielfältige niedersächsische Orgellandschaft Instrumente von überregionaler Bedeutung und Strahlkraft. Etwas weniger als die Hälfte der 45 Orgeln, die noch heute größere oder kleinere Bestandteile der Werkstatt von Arp Schnitger aufweisen, finden sich auf dem Gebiet des heutigen Landes Niedersachsen. Weitere Instrumente sind im übrigen (Nord-)Deutschland und in den Niederlanden verteilt, aber auch in Portugal und Brasilien. Die Bestandteile der Orgeln, die sich auf Arp Schnitger und seine Werkstatt zurückführen lassen sind unterschiedlicher Art. Mal hat ist nur das Gehäuse und der Prospekt erhalten, wie in Clausthal-Zellerfeld, mal wurde auf der Substanz einer Orgel von Schnitger aufgebaut, wie in Ganderkesee 1760 durch Johann Heinrich Klappmeyer, mal sind noch Teile der Vorgängerorgel erhalten, die von Schnitger verarbeitet wurden, wie in Lüdingworth/Cuxhaven aus dem Jahr 1599 von Antonius Wilde. Dem gegenüber stehen Instrumente, die eine beeindruckende Authentizität und Originalität bewahrt haben, wie die Orgel in der Ludgerikirche in der ostfriesischen Stadt Norden.
Arp Schnitger wurde 1648, im Jahr des Endes des 30-jährigen Krieges in dem kleinen Dorf Schmalenfleth westliche der Weser als Sohn eines ortsansässigen Tischlers geboren, bei dem er auch seine Ausbildung als Tischler begann. Es folgte eine Lehre als Orgelbauer in der Werkstatt von Berendt Hus in Glückstadt und die Entwicklung einer Eigenständigkeit bei den Orgelbaumaßnahmen in Stade bei den Orgeln von St. Cosmae und Damiani sowie von St. Wilhadi. Ab 1677 trat Arp Schnitger dann als selbständiger Orgelbaumeister auf. Es folgten Neubauten von Instrumenten im Umfeld der Städte Bremen und Hamburg. 1682 ließ sich Schnitger dann mit seiner Werkstatt in Hamburg nieder. Er heiratete 1684 Gertud Otte. Es folgten Orgelneu- und Umbauten nun auch in einem größeren Bereich von den Niederlanden, Ostfriesland über Bremen und Hamburg bis nach Eutin. 1705 zog Schnitger auf den Hof Vierzigstücken nach Neuenfelde. 1707 starb dort seine Frau Gertrud. 1712 heiratete er ein zweites Mal: Anna Elisabeth Koch aus Abbehausen in der Wesermarsch. Dort baute er im folgen Jahr auch eine Orgel. Im Juli 1719 starb Arp Schnitger und wurde in Neuenfelde beigesetzt. Im Zeitraum zwischen 1682 bis 1719 war Arp Schnitger mit seiner Werkstatt 37 Jahre lang an über 170 Orgelstandorten tätig, freilich nicht immer mit umfangreichen Orgelneubauten, sondern auch vielfach für Reparaturen, Instandsetzungen, Anpassungen und Wartungen. Er erreichte jedoch mit seiner Werkstatt eine Produktivität, die für seine Zeit einmalig war.
Der Denkmalatlas möchte Ihnen die Standorte der Orgeln, die Arp Schnitger und seiner Werkstatt zugeordnet werden, präsentieren. Die Kirchen befinden sich, mit Ausnahme der Kirche in Clausthal-Zellerfeld, im nordwestlichen Küstenbereich von Niedersachsen. In den Küstenmarschen an der Nordsee und an den Flußmarschen von Weser und Elbe entstanden in der zweiten Hälfte des 17. Jh. und zu Beginn des 18. Jh. prächtige Kirchenausstattungen, die häufig ältere, im Kern mittelalterliche, Kirchen der zeitgenössischen Mode und Ausstattung anpassten. Die prächtigen Ausstattungen waren Zeichen eines wirtschaftlichen Aufschwunges dieser Region. Das Erstarken der landwirtschaftlichen Produktion, auch zur Versorgung der (wieder) wachsenden Städte, führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung und einem besonderen Engagement in der Ausstattung der Kirchengebäude. Der Denkmalatlas ermöglicht es, die Kirchengebäude, die mit dem Bau einer Schnitger-Orgel verbunden sind, näher kennen zu lernen. Nähere Informationen zu den Orgeln erhalten Sie über eine Verlinkung zur Arp-Schnitger-Datenbank, die ausführliche Informationen zu den Instrumenten für sie bereithält.

Ein tolles Angebot zur Funktionsweise der Orgel – insbesondere für Kinder und Jugendliche – ist das interaktive Projekt der Orgelakademie Stade „Herr Lesser zeichnet eine Orgel“

Zum Weiterlesen:
  • Konrad Küster: Arp Schnitger: Orgelbauer-Kalngarchitekt-Vordenker 1648-1719, Kiel 2019.
  • Cornelius Edskes und Harald Vogel: Arp Schnitger und sein Werk, Bremen 2013.
  • Harald Vogel, Günter Lade und Nicola Borger-Keweloh: Orgeln in Niedersachsen; Bremen 1997

 

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.