St. Johann-Kirche
- Landkreis
- Stadt Osnabrück (kreisfrei)
- Samtgemeinde
- Osnabrück, Stadt
- Gemeinde
- Osnabrück
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Innenstadt
- Adresse
- Johannisfreiheit 12
- Objekttyp
- Kirche
- Baujahr
- um 1290 - 20.Jh.
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung, Künstlerische Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 6ac574cd-ac8a-4a29-8a13-3bbcc09df17d
- System-ID
- #61705345
- ADABweb-ID
- 43790308
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Die katholische Johanniskirche ist eine dreischiffige Hallenkirche über kreuzförmigem Grundriss mit Querhaus, quadratischem Chor und - wohl unter Einfluss niedersächsischer Vorbilder - einem Westriegel, dessen Doppeltürmigkeit auf die Errichtung des Bauwerks als Stiftskirche weist. Das Innere ist dank eines einheitlichen Plans von großer Geschlossenheit. Den gesamten Kirchenraum durchdringt eine sparsam-konsequente Gliederung in den Formen der auf der Schwelle des Übergangs stehenden Frühgotik. Schlanke quadratische Pfeiler, denen dünne Dienste in den Ecken eingestellt sind, und entsprechend ausgebildete Wandvorlagen nehmen die Kreuzrippengewölbe der Halle auf, die über einem kaum betonten Kämpfer aufsteigen und deren Felder durch breite, ungegliederte Gurt- und Schildbögen voneinander geschieden sind. In der Proportionierung der Schiffe zueinander folgt das Langhaus noch dem klassischen Breitenverhältnis von 1:2:1: Den drei dem Quadrat angenäherten Jochen des Mittelschiffs entsprechen halb so breite längsrechteckige Joche in den schmalen Seitenschiffen. Die Wände des gerade geschlossenen Chors werden durch ansteigende Gruppen von jeweils drei schmalen spitzbogigen Fenstern durchbrochen. Nord- und Südwand des Querhauses weisen mit dem Fortschreiten der Arbeiten bereits die breiten reichen Maßwerkfenster auf, die in ähnlicher Form auch der Halle ihr Licht geben. Sie wurden nach den Schäden des Krieges vereinfacht erneuert. Der Außenbau der Kirche - verquadert am Westbau, sonst aber in Bruchstein ausgeführt - ist schmucklos. Ostbau und Langhaus werden durch Strebepfeiler gegliedert, die Steilgiebel der Seitenschiffdächer, die Hinzufügung aus dem Anfang des 14. Jh. sind, blieben ungestaltet. Auch der wuchtige Westriegel ist in seiner unteren Zone bis auf die große zwölfteilige Maßwerkrose der Westfront und Eckvorlagen ungegliedert. Die unteren Partien der Westseite sind im Übrigen stark überarbeitet, das Portal ist nicht ursprünglich. Die drei oberen Turmgeschosse, deren Mauerwerk von Maßwerkfenstern durchbrochen und von flachen Lisenen gegliedert ist, wurden erst zu Beginn des 14. Jh. vollendet. Die ursprünglich von stumpfen Pyramidendächern bekrönten Türme besitzen heute unterschiedliche Überdachung, den Südwestturm überdeckt eine schlichte Haube von 1740. Zu Anfang des 14. Jh. wurde vermutlich die quadratische Sakristei südlich am Chor angefügt, während an der Nordseite der Stiftskirche der Kreuzgang entstand, der sich mit dreiteiligen Arkaden zu einem langrechteckigen Hof hin öffnet. An seiner Nordwestecke springt der Baukörper der Kreuzkapelle zur Johannisstraße vor. An Chor und Querhaus nördlich anschließend, befinden sich schließlich die zwei Flügel des ehemaligen Kapitelhauses, schlichte Bruchsteinbauten des 13./15. Jh.
- Denkmalbegründung
- Im Jahre 1011 wurde im Herzen der späteren Neustadt das Kollegiatstift St. Johann durch Bischof Detmar (1003-1023) gegründet und eine erste Johanniskirche errichtet, von welcher sich Reste durch Grabung ermitteln ließen. Die Grundsteinlegung des heutigen Kirchenbaus erfolgte 1256, seine Weihe 1292. Aus der Stiftskirche, die 1447 auch Pfarrechte erhielt, wurde nach der Säkularisation 1803 und der anschließenden Auflösung des Kapitels die Pfarrkirche St. Johann. Die Bauarbeiten begannen, wohl mit Rücksicht auf die noch bestehende ältere Kirche des 11. Jh., im Osten und Westen. 1803 wurde die Kirche säkularisiert, 1885 erfolgten umfangreiche Restaurierungen durch A. Behnes. Dabei wurde das hallenüberspannende Satteldach durch ein Mittelschiffdach mit Seitendächern über Giebeln ersetzt. Wiederaufbau nach 1945 mit durch H. Feldwisch-Drentrup neu gestalteter Vierung. Die das Zentrum der Neustadt mit ihrer Doppelturmanlage maßgeblich prägende Johanniskirche gehört zu den bedeutendsten frühgotischen Hallenkirchen, die mit ihrer Architektur Einflüsse aus Westfalen und Niedersachsen qualitätvoll und eigenständig umsetzt. An ihrer Erhaltung besteht aufgrund des bau- und kunstgeschichtlichen Zeugnis- und Schauwertes sowie der städtebaulichen Bedeutung ein öffentliches Interesse.
- Übergeordnete Objekte (ID | Typ)
- 61705269 | Kirchenanlage (Baukomplex)
- Literatur
-
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS

