Auf diese setzte er eine goldene Henne zum Zeichen, dass sie die übrigen Kirchen ausbrüten möge
Von Heiner Bitter
Originaltext von Georg Hemme (leicht überarbeitet)
VNI DEO s. CAROLVS EX FANO SACRAVIT - „Dem einzigen Gott hat der heilige Carl (diese Kirche) aus einem (heidnischen) Heiligtum geweiht“
Diese lateinische Inschrift ließ Pastor Friedrich Goßmann 1767 nach einer umfangreichen Renovierung in den Türsturz der neugeschaffenen Seitentür der St. Alexanderkirche meißeln. Er bezieht sich dabei auf die alte Gründungssage: „Nach blutigem Kampf in der Vördener Heide (Wittenfelde) mußte Wiek (Wittekind) das Feld räumen, worauf Karl den Heidentempel zerstörte und daraus die erste Kirche baute. Auf diese setzte er eine goldene Henne zum Zeichen, dass sie die übrigen Kirchen ausbrüten sollte.“ Diese auch als Schlacht an der Hase bekannte Auseinandersetzung fand im Jahr 783 statt.
Goßmann hingegen verbarg in zuvor erwähnter Inschrift die Jahreszahl 777: wenn die größer gemeißelten Buchstaben als römische Ziffern interpretiert werden, so ergibt eine Addition aller Zahlenwerte eben diese Zahl.
Tatsächlich ist die Alte Wallenhorster Kirche eine der ältesten Kirchen des Bistums Osnabrück und ihre Anfänge reichen zurück bis in die Karolingische Zeit. Was die Henne betrifft, so ist sie mit Sicherheit über 300 Jahre alt. Im Jahre 1711 erlaubte der Osnabrücker Weihbischof Johann Wilhelm Otto von Bronckhorst der Wallenhorster Pfarrgemeinde eine Kollekte im ganzen Bistum, um damit „ein neues Kreuz auf dasigem Kirchturm aufzurichten und die darauf als der ersten catholischen Kirchen in diesem Stift von Carolo Magno zu ewigem Gedächtniß aufgesetzte Henne zu vergülden...“ Auch hier finden wir wieder den Bezug zur Gründungssage und damit zu Karl dem Großen.
Eine schriftliche Erwähnung findet die Wallenhorster Kirche erst im Jahre 1312 in den Urkunden des Bistums Münster.
Translatio sancti Alexandri
Die erste urkundliche Erwähnung Wallenhorsts ist jedoch deutlich früher im Bericht der Fuldaer Mönche Rudolf und Meginhart über die „Translatio sancti Alexandri“ enthalten, in der „Übertragung der Gebeine des hl. Alexander“ von Rom nach Wildeshausen durch den Wittekindenkel Graf Waltbert. Er wollte diese Reliquie in Wildeshausen in den Mittelpunkt gläubiger Verehrung stellen, um die christliche Lehre zu festigen und den Glauben neu zu beleben.
Dieser Zug traf gemäß einer Eintragung in den Xantener Annalen 851 in Wallenhorst ein. Die letzte Übernachtung hatte am Dom in Osnabrück stattgefunden. Der erneute Aufenthalt nach nur 9 km hängt wohl mit dem Meyerhof zusammen, von dem man annimmt, dass er zu den Wittekindschen Gütern gehörte. In dem Bericht wird lediglich die Heilung eines Blinden erwähnt. Ob bereits eine Kirche vorhanden war, ist nicht bewiesen, allenfalls wahrscheinlich. Die Erinnerung an die Übertragung der Gebeine des hl. Alexander ist auf jeden Fall wachgehalten worden, vor allem auch dadurch, dass man der Kirche seinen Namen gab.
Ausgrabungen und abgeleitete Baugeschichte
Im Verlauf der umfangreichen Ausgrabungen im Jahre 1968 wurde unter der Kirche ein Findlingsfundament in den Abmessungen 23,5 m x 12,5 m entdeckt, das an zwei Stellen über den Grundriss der heutigen Kirche hinausreicht und durchaus dem in der Sage erwähnten heidnischen Heiligtum zugeordnet werden kann.
Die Ausgrabungen und intensive Bauuntersuchungen haben innerhalb des erwähnten Findlingsrahmens eine kleine, aus Stein gebaute, Saalkirche in der Größe 16,35 m x 7,10 m nachgewiesen, die in die Zeit um 800 fällt. Unter Ausnutzung des vorhandenen Findlingsfundaments wurde diese um das Jahr 1000 durch Anfügung von zwei Seitenschiffen zu einer Pfeilerbasilika erweitert. In einer dritten Baustufe erfolgte um 1100 die Einwölbung der Seitenschiffe und die Anfügung eines Westbaues. Durch Aufstocken der Seitenschiffe entstand daraus um die Mitte des 12. Jahrhunderts in einer vierten Baustufe eine Emporenkirche, die in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts durch Aufsetzen eines Oberlichtgadens zu einer Emporenbasilika erweitert wurde.
In dieser fünften Baustufe wurden außerdem im Osten ein Chor angebaut, das Mittelschiff und der Westbau überwölbt und an der Nordseite ein Stützpfeiler angefügt. In einer sechsten Baustufe erfolgte dann im 14. Jahrhundert durch Herausnahme der unteren Seitenschiffgewölbe und den Einbau schlanker Holzstützen der Umbau zu einer gotischen Hallenkirche. Aus dieser Zeit stammt vermutlich auch das Einheitsdach der Kirche. Um 1500 wurde der Turm angebaut und 1692 stiftete die Familie von Böselager zu Honeburg die Sakristei, wobei sie dort zugleich ein Erbbegräbnis begründete. Die letzte bauliche Veränderung erfolgte dann 1766/67 verbunden mit dem Einbau der großen Fenster in die Südwand. Gleichzeitig bekam die Kirche die anfangs erwähnte Seitentür.
Als dann am 9.6.1881 die neue Pfarrkirche benediziert wurde, ging auch das Patrozinium des hl. Alexander auf diese über. Die Alte Kirche wurde nicht mehr gebraucht und verfiel mit der Zeit, obwohl in den späteren Jahrzehnten immer wieder versucht wurde, durch notwendige Reparaturen die Kirche vor dem Verfall zu bewahren. Ein grundlegender Wandel trat 1968 ein, als unter der Obhut des Landeskonservators im Zusammenhang mit intensiven Grabungen und Bauuntersuchungen Teile des Mauerwerks und der Dachstuhl erneuert sowie Turm und Kirchendach neu eingedeckt wurden. Diese Maßnahmen und auch die spätere Renovierung des Innenraumes sind untrennbar verbunden mit dem Hauptlehrer i.R. Kurt Jünemann und dem Direktor der Technikerschule für Bauwesen in Osnabrück, Oberstudiendirektor i.R. Kaspar Müller, aber auch mit zahlreichen freiwilligen Helfern, die in unermüdlichem Einsatz die Kirche nach und nach wieder so hergerichtet haben, dass dort heute wieder Gottesdienste zu besonderen Anlässen und Konzerte stattfinden können.Inneneinrichtung
Dazu war es wünschenswert und nötig, auch für eine angemessene Ausstattung der Kirche zu sorgen. Das frühere barocke Hochaltarretabel ist zwar im Krieg zerstört worden, aber der Altarstein ist erhalten und darin befinden sich Reliquien vom hl. Alexander, von der hl. Katharina von Alexandrien und vom hl. Johannes Nepomuk.
Unter dem Gurtbogen vor dem Chorraum hängt das frühere Friedhofskreuz, das aus einer rheinischen Werkstatt stammt und um 1500 entstanden ist. Seine ganze Ausdruckskraft ist erst nach der Restaurierung, bei der auch die ursprüngliche Farbgebung wieder hergestellt worden ist, sichtbar geworden.
An der rechten Ostwand des Altarraumes befindet sich ein achteckiges Epithaph, das die Erinnerung an den Wallenhorster Priester Harbertus wachhält, der am 11.12.1343 verstorben ist. Die lateinische Inschrift in gotischen Buchstaben lautet: ANNO DOMINI MCCCXLIII IPSO DIE BEATI DAMASI PAPE OBIIT HARBERTUS HUIUS ECCLESIE PLEBANUS CUIUS ANIMA REQUIESCAT IN PACE „Im Jahre des Herrn 1343, am Tage des seligen Papstes Damasus, starb Harbertus, Priester dieser Kirche, dessen Seele in Frieden ruhen möge“ Es ist die einzige erhaltene gotische Inschrift in dieser Gemeinde und zugleich das älteste schriftliche Zeugnis eines Wallenhorster Priesters. Vermutlich hat dieser Priester den Umbau zur gotischen Hallenkirche im 14. Jahrhundert veranlasst.
Die barocke Kanzel stammt aus dem Dominikanerkloster in Osnabrück und kam nach dessen Säkularisation in die Alte Kirche. Dort hat sie auch die lange Zeit des langsamen Verfalls der Kirche überstanden. Geschmückt ist sie mit kunstvoll geschnitzten Blattranken und den Figuren der vier Evangelisten in faltenreichen Gewändern mit ihren ikonographischen Attributen: Mensch, Löwe, Stier und Adler. Sie wurde im Jahre 2003 mit großer Sorgfalt restauriert.
Die Figur des hl. Thomas von Aquin, des großen Gelehrten und Predigers des Dominikanerordens, stammt ebenfalls aus der Dominikanerkirche. Sie zeigt einen Dominikanermönch mit einer Strahlensonne auf der Brust, was ihn als großen Theologen ausweist. Sein Anliegen war es, den christlichen Glauben mit dem rationalen Wissen seiner Zeit in Einklang zu bringen.
Die Pietà oder Schmerzhafte Mutter befand sich im Diözesanmuseum, bevor sie 1984 in die Alte Kirche zurückgekehrt ist. Sie wurde 1991/92 einer gründlichen Restaurierung unterzogen und hat danach ihre ursprüngliche Fassung wiederbekommen. Die Figur ist aus Lindenholz und entstand etwa um 1700. Sie weicht ab von der Darstellungsweise, wie man sie von der Ruller oder Telgter Pietà kennt, bei denen der tote Jesus aufrecht auf dem Schoß seiner Mutter sitzt, während hier die Mutter Gottes den eher liegenden toten Leichnam zu sich heraufzuziehen scheint. Der Blick Mariens ist flehentlich nach oben gerichtet. So zeigt die Komposition ein ausgesprochen barockes Pathos.
Aus dem Diözesanmuseum stammt als Leihgabe eine weitere, sehr ausdrucksstarke Figur, die Christus nach der Geißelung darstellt. Sie kann eindeutig der Künstlerfamilie Jöllemann zugeschrieben werden und entstand am Anfang des 18. Jahrhunderts.
An der Südwand des Chorraumes befindet sich ein ursprünglich dreiteiliges Lederantependium. Es zeigt links ein geprägtes goldfarbenes Rankenwerk (17. Jh.) mit Blättern, Blüten und Früchten sowie mit Vögeln und anderen Tieren und in der Mitte eine gemalte Darstellung eines Bischofs (18. Jh.). Der Hirsch mit dem Kruzifix im Geweih weist ihn als hl. Hubertus aus. Das Antependium wurde im Jahre 2003 mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt restauriert.
Der Verein
Die verschiedenen Erweiterungen und Veränderungen von den Anfängen bis in die heutige Zeit lassen erkennen, dass die Mitglieder dieser Pfarrgemeinde Jahrhunderte hindurch alles darangesetzt haben, ihre Kirche zur Ehre Gottes und sicher auch zum Ruhme ihrer Gemeinde zu erhalten und immer wieder neu zu gestalten. Der Wille dazu ist durch die Jahrhunderte bis zum heutigen Tag lebendig geblieben. Das haben Kirchengemeinde und politische Gemeinde und zahlreiche "Freunde und Förderer der Alten Kirche" durch das gewaltige Werk der Restaurierung bewiesen.
Nach Abschluss der Renovierungsarbeiten hat sich aus diesen Freunden und Förderern der Alten Kirche zu Wallenhorst der gleichnamige Verein gegründet. Knapp 200 Frauen und Männer sorgen dafür, dass die Alte Kirche auch weiterhin in gutem Zustand erhalten bleibt und regelmäßig für Gottesdienste und Konzerte genutzt werden kann. So wird versucht, dieses einzigartige Bauwerk im Bewusstsein der Bevölkerung zu halten. Gelegenheiten für Besuche der Kirche bieten sich immer sonn- und feiertags, wo Vereinsmitglieder ehrenamtlich die Kirche öffnen. Gruppenführungen sind jederzeit nach Absprache möglich. Genaue Öffnungszeiten, Kontaktmöglichkeiten und weitere Informationen sind auf der Homepage des Vereins zu finden: https://altekirche-wallenhorst.de .

