Eine vorgeschichtliche Unfallstelle - Fundstücke mit großem Seltenheitswert

Von Marion Heumüller, Stefan Hesse und Hanns Hubertus Leuschner


Seit drei Jahren wird die für ihre Wege und Radfunde bekannte Moorenge zwischen Gnarrenburg und Karlshöfen in einem Kooperationsprojekt der Kreisarchäologie Rotenburg (Wümme) und der Moorarchäologe des NLD neu untersucht. Vor allem im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert hatten die Heimatforscher Hans Müller-Brauel und August Bachmann hier bedeutende Funde gemacht.

Anfangs war die Hoffnung, in dem zu großen Teilen abgetorften Areal noch Reste der bekannten Wege anzutreffen, gedämpft. Mittlerweile übertrifft die Fundstelle jedoch alle Erwartungen.

Mindestens drei Wegebauten aus der Zeit zwischen 2500 v. Chr. und 100 n. Chr. wurden neu entdeckt: ein mit über 4 m ungewöhnlich breiter Pfahlweg der Jungsteinzeit, der um 2500 v. Chr. über das Moor führte, eine eisenzeitliche, brückenartige Konstruktion und ein noch nicht näher datierter Sanddamm mit einer mehrschichtigen hölzernen Unterkonstruktion. Besonders spektakulär ist die eisenzeitliche, auf drei massiven Pfeilerreihen gegründete, brückenartige Wegkonstruktion, die in dieser Form bislang einzigartig ist und nach den von H. H. Leuschner ermittelten Dendrodaten aus der Vorrömische Eisenzeit um 400 v. Chr. stammt. Äußerst ungewöhnlich ist auch die relativ große Zahl an Beifunden. Neben zwei hölzernen Schlegeln wurden u.a. das Fragment eines Rinderjoches, ein Wanderstab und fünf Radbruchstücke geborgen. Es handelt sich größtenteils um Scheibenräder mit halbmondförmiger Aussparung, wie sie für die späte Bronzezeit und die Vorrömische Eisenzeit typisch sind, und ein verhältnismäßig filigranes Speichenrad. Da alle Fundstücke in ein Holzwirrwarr aus kreuz und quer liegenden Bauhölzern, Stämmen und Ästen aus der Zeit um 400 v. Chr. und 100 n. Chr. eingebettet sind, ist momentan die genaue Datierung einzelner Artefakte noch unsicher. Der jüngste, erst vor zwei Wochen gemachte Fund eines hervorragend erhaltenen Holzscheibenrades dürfte jedoch in den Horizont der Vorrömischen Eisenzeit gehören.

Die Holzbefunde liegen unmittelbar unter der Grasnarbe und sind in Teilen bereits zerstört. Ihre Erhaltung stellt die Denkmalpflege vor ein kaum lösbares Problem.

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