Symbole des Neandertalers. Die Einhornhöhle im Harz.

Von Dirk Leder und Thomas Terberger

Seit 2014 erforscht das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege zusammen mit der Gesellschaft Unicornu fossile e.V. archäologische Spuren aus der Zeit des Neandertalers in der Einhornhöhle im Harz. An einem ehemaligen Höhleneingang wurde 2019 ein Riesenhirschknochen ausgegraben, der die Frage nach der Fähigkeit des Neandertalers zu symbolischem Verhalten in einem neuen Licht erscheinen lässt. Der Zehenknochen ist mit einem Muster aus drei ineinandergreifenden Winkeln verziert. An seinem Proximalende befinden sich zudem vier, leicht radial angeordnete Kerben. Experimente zeigen, dass es sich nicht um zufällig entstandene Schnittspuren, sondern um ein bewusst hergestelltes, komplexes Muster handeln muss. Die Kerben wurden durch Einschneiden des Knochens, gefolgt vom Abschaben der Knochenoberfläche eingetieft.

Eine direkte Datierung des verzierten Knochens mithilfe der Radiokarbonmethode an der Christian Albrecht Universität zu Kiel, ergab ein mittleres Alter von ca. 51.000 Jahren, das durch weitere Radiokarbondaten aus dem Eingangsbereich bestätigt wird. Typische mittelpaläolithische Steinartefakte aus dem Höhleninneren bestätigen zudem die Autorenschaft des Neandertalers.

Die neuen Ergebnisse aus der Einhornhöhle zeigen, dass der Neandertaler bereits zu symbolischem Verhalten fähig war, bevor Homo sapiens in Europa eintraf. Damit repräsentiert der verzierte Riesenhirschknochen von der Einhornhöhle ein herausragendes Zeugnis aus der Zeit des Neandertalers in Niedersachsen.



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