Ein Silberdenar aus dem Marschlager von Wilkenburg

Von Friedrich-Wilhelm Wulf

Im Winter 2019/2020 fanden Harry und Elvira Nagel von der Bezirksarchäologie Hannover des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege bei turnusmäßigen Geländeprospektionen des römischen Marschlagers von Wilkenburg, Region Hannover, zwei antike Münzen. Nahe beieinander liegend konnten ein keltisches Kleinerz und ein römischer Silberdenar aus der Zeit des Kaisers Augustus geborgen werden und im Rahmen der laufenden Fundbearbeitung numismatisch bestimmt werden. Die keltische Kleinmünze ist kleiner als ein heutiges 1-Centstück und wiegt nur 1,5 g. Sie zeigt auf der Vorderseite eine Pferdedarstellung und auf der Rückseite ein Kreuz aus vier angewinkelten menschlichen Beinen. Solche Münzen werden als Aduatuki bezeichnet. Sie wurden im römischen Heer als Kleingeldersatz mitgeführt und entsprachen in etwa dem Wert eines Quadrans, eines Viertel-Asses.

Der Denar (RIC 288) ist sehr gut erhalten und zeigt nur geringe Umlaufspuren. Auf der Rückseite ist eine Frauenbüste mit Diadem auf dem Kopf dargestellt. Darunter ist in der Umschrift der Name FERON(IA) genannt. Es handelt sich um die italische Naturgottheit Feronia, die nicht nur die Göttin der Dämmerung war, sondern zugleich auch die Göttin der Marktplätze und der Märkte. In der Umschrift nennt sich auch der verantwortliche römische Münzmeister (III.VIR) mit Namen TVRPILIANVS. Publius Petronius Turpilianus hatte zusammen mit zwei weiteren Münzbeamten, den sogenannten tresviri monetales, im Jahre 18 v. Chr. dieses Amt inne.

Auf der Münzvorderseite ist ein kniender bärtiger Mann ohne Kopfbedeckung dargestellt, der mit seiner ausgestreckten rechten Hand ein Feldzeichen des römischen Heeres übergibt. Die Umschrift lautet SIGN RECE CAESAR AVGVSTVS und weist auf den propagandistischen Anlass der Sondermünzprägung hin: die triumphale Rückgabe der im Partherkrieg unter Crassus im Jahre 53 v. Chr. verlorengegangenen Feldzeichen. Die Schlacht bei Carrhae endete mit einer der größten Niederlagen des römischen Heeres vor der Varusschlacht; der Verlust der Feldzeichen stellte seitdem für die Römer eine große Schmach dar, die unbedingt getilgt werden musste. Nach mehreren Fehlversuchen gelang es im Jahre 21 v. Chr. mit einem großen Heeresaufgebot, das von Augustus und seinem Stiefsohn Tiberius persönlich angeführt wurde, ohne Blutvergießen nicht nur die Feldzeichen, sondern außerdem auch noch zahlreiche überlebende Kriegsgefangene nach Rom zurückzuholen.

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