Der Bohlenweg Pr VI: eine über 2000 Jahre alte Straße durch das Moor

Von Marion Heumüller

Der vor über 2000 Jahren gebaute Bohlenweg Pr 6 wird seit Juni 2019 wieder archäologisch untersucht. Ursprünglich führte der Weg auf mehr als 4 Kilometer Länge über das ausgedehnte Moor zwischen Diepholz und Lohne, der größte Teil davon wurde jedoch in der Vergangenheit durch Torfabbau und landwirtschaftliche Nutzung zerstört. Auch das 520 m lange Teilstück, das in den kommenden drei Jahren ausgegraben wird, lässt sich als Folge von Torfabbau nicht an Ort und Stelle bewahren.
Die neuen Untersuchungen sind Teil des Projektes „Naturerlebnis am prähistorischen Bohlenweg im Aschener/Heeder Moor“, das vom Verein „Naturpark Dümmer“ getragen wird und mit Hilfe des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und mehreren Förderern finanziert und von verschiedenen lokalen Kulturinstitutionen unterstützt wird. Ziel ist es, die Ergebnisse der Ausgrabung entlang einer 1 km langen „Moorloipe“, erlebbar zu machen und dort breitgefächerte Informationen über die kulturhistorische Bedeutung des Weges, den Lebensraum Moor sowie die Bedeutung des Moores für den Klimaschutz zu vermitteln.

Die Ausgrabungen erfolgen durch die Grabungsfirma denkmal3D in Zusammenarbeit mit dem Referat Moorarchäologie des NLD. In Zuge der Untersuchungen werden die neuesten Methoden zur Dokumentation eingesetzt, um den Weg anschließend mit qualitätvollen 3D-Ansichten zumindest virtuell wiederauferstehen zu lassen. Denn der aus Holz gebaute Weg setzt sich aus Tausenden von Fundstücken zusammen. Unzählige Bäume wurden mit der Metallaxt gefällt und in einem arbeitsintensiven Prozess auf die benötigte Länge gekürzt und teils in Halblinge, teils in Bohlen gespalten und über weite Strecken an den Bestimmungsort transportiert. Vielfach wurden die Hölzer mit Kerben oder vierkantig ausgestemmten Löchern versehen und durch speziell zugearbeitete Pflöcke auf dem Untergrund fixiert. Zusätzlich kam bei späteren Ausbesserungen auch Flechtwerk zum Einsatz.

Der Weg an sich ist daher ein einzigartiges Objekt. Hinzu kommen besondere Artefakte im Umfeld. Eine bislang unbekannte Fundkategorie sind z.B. exakt vierkantig zugerichtete, gespaltene Bretter, die mit mehreren, exakt vierkantig ausgestemmten Lochungen versehen sind. Unzweifelhaft handelt es sich um spezielle Konstruktionselemente, die im Laufe ihrer Nutzung auseinanderbrachen. Da keine vergleichbaren Objekte bekannt sind, ist ihre genaue Funktion unklar. Wahrscheinlich handelt es sich aber um Bestandteile eisenzeitlicher Wagen, möglicherweise um Auflagebretter für den Wagenkasten.


Zum Weiterlesen: 

  • H. Hayen: Der Bohlenweg VI (Pr) im Grossen Moor am Dümmer (Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens, 15), Hildesheim 1977.
  • M. Heumüller: 24 Aschen FStNr. 30, Gde. Stadt Diepholz, Ldkr. Diepholz, in: Fundchronik Niedersachsen 2017, Beiheft 22, 26–28.
  • M. Heumüller, H. Jüdes: Neue Untersuchungen am Bohlenweg Pr VI, Ldkr. Diepholz, in: Fan-Post 2018, 27–29.
  • M. Fansa, R. Schneider: Die Moorwege im Großen Moor und im Aschener-Brägeler Moor, in: Archäologische Mitteilungen aus Nordwestdeutschland, 1996, 5–65.
  • A. Metzler, A. Bauerochse: Ein „klassischer“ Bohlenweg im Aschener Moor bei Diepholz, in: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen 22 (2002), 69–71.

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