Mutter und Kind? Eine Jungsteinzeitliche Bestattung in Adlum, Gmd. Harsum, Ldkr. Hildesheim

Von Henning Haßmann

Da wo vor Jahrtausenden die ersten bäuerlichen Familien bereits ein Dorf gegründet haben steht heute das Dorf Adlum. Auf diesem historischen Boden wird gerade ein neues Haus gebaut für die Menschen in der Jetztzeit. Dass die ersten Siedler nicht unentdeckt weggebaggert wurden ist das Ergebnis eines eingespielten Verfahrens im Miteinander von Bauplanung, Denkmalpflege, Grabungsfirma und der Bauherrschaft, die sich hier an den Kosten der Rettungsgrabung beteiligt hat. Die Ausgrabung wurde von der Grabungsfirma ArchaeoFirm im Auftrag des NLD im Juli 2020 durchgeführt. Alles lief perfekt im Zeitplan und die Adlumer sind um eine wichtige Facette ihrer Geschichte bereichert worden.

Diese Fundstelle ist zwar sehr klein, aber dennoch wichtig, weil sie ein weiteres Teilchen in unserem großen Geschichtspuzzle darstellt. Diese Zeitzeugen aus der fernen Vergangenheit sind ungewöhnlich gut erhalten, so dass man fast vermuten könnte, sie seien erst vor kurzem in die Erde gekommen. Neben Siedlungsgruben hat Grabungsleiter Sebastian Düvel mit seinem Team im zwei Bestattungen freigelegt. Es handelt sich um die Körper eines erwachsenen Menschen und eines kleinen Kindes. Möglicherweise sind hier vor fast 7.000 Jahren Mutter und Kind beerdigt worden. Genaueres werden die Radiokarbondatierung und die anthropologischen Untersuchungen ergeben.

 

In archäologisch besonders verdächtigen Gebieten nutzt die Bodendenkmalpflege selbst bei kleinen Eingriffen wie hier beim Bau eines Eigenheimes die Chance, in den Boden hineinzuschauen. Archäologische Fundstellen pausen sich ja nur selten an die Oberfläche durch.

Die Hildesheimer Börde im Allgemeinen mit der Gegend um Harsum hat mit die fruchtbarsten Böden in Mitteleuropa und gehört daher zu den archäologisch besonders wichtigen Kulturlandschaften. Die Siedler/innen der Jungsteinzeit sind gezielt in diese Landschaften gezogen. Sie haben die Urwälder gerodet, Äcker und Weiden angelegt und die ersten Dörfer errichtet. Während diese ersten Bauern in Europa hier bereits vor 7.000 Jahren siedelten, setzte sich die sesshafte Lebensweise im restlichen Norddeutschland außerhalb der Lößbörden erst 1000 bis 2000 Jahre später durch.

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