Wenn ein Bergmann mal muss…Eine unerwartete Entdeckung im Erzbergwerk Rammelsberg

Im Rahmen des Vorhabens „Altbergbau 3D. Ein interdisziplinäres Projekt zur Erforschung des montanhistorischen Erbes im Harz“ werden ausgesuchte Grubenräume des Erzbergwerkes Rammelsberg montanarchäologisch untersucht. Ein besonders interessanter Bereich liegt im nordwestlichen Ende. Dort verläuft der bereits 1271 in Schriftquellen erwähnte Rathstiefste Stollen, einer der ältesten bekannten Wasserlösungsstollen.  Von ihm zweigt eine weniger bekannte Strecke, ein sogenannter Querschlag, ab, der schmal, niedrig und gewunden in den Alten Abbau führt. Dieser Hohlraum, der bei der Gewinnung von Mineralien in einem um 45 ° einfallenden Gang entstanden ist, wurde in mehreren Phasen vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit genutzt (Malek et al. 2020).

Dieser Raum streckt sich tonnlägig über mindestens 25 m über mehrere Ebenen. Über den Querschlag gelangt man zunächst in die untere Ebene, die von den höheren Bereichen durch einen alten, massiven Stempelausbau abgetrennt ist. Oberhalb dieses Sicherungsausbaus erstreckt sich ein geweiteter Hohlraum in dem viele archäologische Befunde vorliegen. Er ist durch zahlreiche massive Felsblöcke untergliedert und auch teilweise verfüllt. Dies macht eine Befahrung wie auch die Dokumentation zu einer äußerst anspruchsvollen Arbeit.

Nachdem die alten Spuren der bergmännischen Arbeiten umfassend dokumentiert waren, sorgte in einer abgelegenen Ecke noch ein unerwarteter Fund für eine Überraschung. Zunächst fielen eine Holzscheibe sowie darum verteilt zahlreiche Holzplättchen auf, die sich bei näherer Betrachtung als Dauben herausstellten. Dauben wurden über Jahrhunderte hinweg für die Fertigung von Holzgefäßen wie Schüsseln, Trögen aber auch Eimern verwendet. Ein solches Gefäß besitzt eine runde Bodenplatte, um die herum die einzelnen Daubenbretter angebracht sind. Sie werden durch umlaufende Ringbänder zusammengehalten. Hier waren sie aus Metall gefertigt und bereits stark korrodiert, wie auch der erhaltene Henkel. Holzgefäße dieser Art waren auch im Mittelalter alltägliche Gebrauchsgegenstände und daher unter Tage ebenfalls nicht ungewöhnlich. Ein weiterer Fund lieferte jedoch einen Hinweis auf die sehr spezielle Nutzung dieses Gefäßes, besonders wenn die Abgeschiedenheit der Ecke hinter einem Felsblock berücksichtigt wird. Denn griffbereit daneben lag ein kleiner Stofflappen parat. Dieser hatte sich aufgrund der jahrhundertelangen Durchtränkung mit schwermetallhaltigen Wässern gut erhalten. 

Sicherlich benötigten die Bergleute einen Ort für die Verrichtung ihrer Notdurft, denn häufiges Ausfahren war in den tiefen und entlegenen Bereichen keine Option. Während über Tage Mose und Blätter die Funktion von Toilettenpapier übernehmen konnten – wie beim mittelalterlichen Verhüttungsplatz Riefenbach bei Bad Harzburg archäologisch nachgewiesen (Malek/Klappauf 2017, 30-31) – musste unter Tage bei dringenden Bedürfnissen ein Stofffetzen herhalten.

Zum Weiterlesen:

  • K. Malek, H.-G. Dettmer, W. Hannemann, A. Schmidt-Händel, G. Drechsler, J. Meyer, Neue Forschungen zum Rammelsberg im Rahmen des Vorhabens „Altbergbau3D. Ein interdisziplinäres Projekt zur Erforschung des montanhistorischen Erbes im Harz“. Der Anschnitt 72 H. 1-2, 2020, S. 2-18.
  • K. Malek, L. Klappauf, Frühgeschichte des Bergbaus im Harz. Bergwerk Rammelsberg, Altstadt Goslar, Oberharzer Wasserwirtschaft (Goslar 2017) S. 20 – 35.
     
Mehr zum Erzbergwerk Rammelsberg im Denkmalatlas Niedersachsen:



 

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