Ein Ärmel vom Alten Lager am Rammelsberg

Von Katharina Malek und Dorte Schaarschmidt

Seit 2010 finden mit Unterstützung des Caritas-Verbandes für Stadt und Landkreis Goslar e.V., des Jobcenters Goslar und der Bergbau Goslar GmbH mehrmonatige Ausgrabungskampagnen im Alten Lager am Rammelsberg statt. Das Alte Lager ist ein linsenförmiger Reicherzkörper, der am Berghang direkt zugänglich war und aller Wahrscheinlichkeit nach schon während der Bronzezeit, also vor rund 4000 Jahren, zur Gewinnung von Kupfer ausgebeutet wurde. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der alte Tagebau mit Müll, Schutt und nicht brauchbaren Erzen verfüllt und immer wieder aufgesucht. Spuren davon treten heute in Form einzigartiger Befunde zutage. Dazu gehören zum Beispiel aus dem Mittelalter ein Stollen, der mit massiv erhaltenen Hölzern ausgebaut war oder dicke Schichten mit Holzspänen und ganzen Hölzern – wohl ein Werkplatz. Auch etliche Funde dieser Zeitstellung konnten gesichert werden. Neben Keramik, Schlagsteinen u.a., fanden sich organische Reste wie Seilstücke, Lederschuhe, aber vor allem zahlreiche gut erhaltene Textilfunde. Ein Großteil dieser etwa 250 Objekte ist mittlerweile restauriert und birgt die eine oder andere Überraschung:

Der Textilfund (NLD-Doku-Nr. 150-2017) stellt einen aus tierischer Faser – Wolle – gestrickten Ärmel eines Kleidungsstückes dar. Er hat eine Länge von annähernd 80 cm. Sein Durchmesser vergrößert sich von Handgelenk zu Schulter von etwa 13 cm auf ca. 22 cm. Die Strickware ist durchgehend rund auf glatt rechts gestrickt und zeigt eine Maschenzunahme von der Hand zur Schulter. Sowohl Anschlag- als auch Abschlusskante sind teilweise noch erhalten. Trotz vieler Fehlstellen zeigt sich der Ärmel insgesamt in einem stabilen Zustand. Deutlich andersartige Fadenreste um Bereiche von Löchern könnten darauf hinweisen, dass der Ärmel bereits einmal geflickt bzw. ausgebessert wurde.

Die Erhaltung dieser Vielzahl organischer Funde ist etwas Besonderes und der hohen Konzentration von Schwermetallen im Boden zu verdanken. Sie erlaubt bei einer späteren Auswertung des Gesamtmaterials einen seltenen Einblick in die mittelalterliche Arbeitskleidung.

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