Die St. Andreas-Kirche in Sottrum

Von Silke Dähmlow

Etwa zwei Kilometer südöstlich von Derneburg und südwestlich von Holle liegt Sottrum. Der Ort, in dem eine Reihe von Bildstöcken an katholische Volksfrömmigkeit erinnern, wird von Nordosten nach Südwesten von der geschwungenen Sottrumer Straße L 493 gequert, an deren Westseite pavillonartig die katholische St. Andreas-Kirche steht. Die Kirche wurde 1817 nach Entwurf des Wegebau-Inspektors Franz Wilhelm Joachim Frische im Auftrag der provisorischen Stiftgüter-Verwaltungs-Kommission in Hildesheim erbaut.

Als klassizistischer Kirchenbau des frühen 19. Jahrhunderts stellt sie eine Besonderheit im Landkreis Hildesheim dar. Die verputzte Saalkirche über rechteckigem Grundriss auf einem Bruchsteinsockel wird von einem Zeltdach mit rechteckigem, verschiefertem und kugelbekröntem Dachreiter abgeschlossen. Den Baukörper gliedern schmale Eckpilaster, ein schlichtes Traufgesims, ein leicht vortretender Mittelrisalit und große, rundbogige Thermenfenster.  Ein in Zwei-Drittel-Höhe umlaufendes, profiliertes Gesims, das raffiniert im Süden und im Norden die drei großen Thermenfenster schneidet, gliedert dieselben jeweils durch zwei eingestellte Pfeilerchen und den abschließenden Rundbogen. Vor der Südfassade stehen vier überlebensgroße barocke Heiligen-Skulpturen aus Sandstein, die zusammen mit Teilen der barocken Innenausstattung von der Klosterkirche Derneburg stammen. Lange Zeit wurde die Kirche dem hannoverschen Hofbaumeister und Architekten Georg Ludwig Friedrich Laves zugeschrieben, der der prägende Architekt seiner Zeit in der Region Hannover war. Ähnlichkeiten zu seinen Bauten weist die St.-Andreas-Kirche in Sottrum viele auf. In ihrer klaren Form, ihrer Schmucklosigkeit, ihrem Vexierspiel geometrischer Körper, der Art, wie die Thermenfenster, vom umlaufenden Gesims geschnitten und mit den eingestellten Pfeilerchen zum abstrahierten Palladiomotiv geraten, verkörpert sie einen Bau, der die zeitgenössischen europäischen Architekturtendenzen widerspiegelt. Der Architekt – Franz Wilhelm Joachim Frische – ist jedoch ein unbekannter Entwerfer, von dem weitere Bauten (bislang) nicht überliefert sind, während Laves alsbald führender Architekt im Königreich Hannover und neben Karl Friedrich Schinkel in Berlin und Leo von Klenze in München einer der Hauptverfechter des Klassizismus wurde.

Die Sottrumer Kirche mit ihrer fein austarierten Fassade, die an der Südseite gleichsam eine Bühne für die vier qualitätvollen Bildwerke ist, die wohl der Bildhauer Laurentius Hardthmann um 1750 für das Derneburger Kloster geschaffen hat, wirkte möglicherweise auch bei der 1820 umgestalteten Kirche im nahegelegenen Schlewecke programmatisch. Die St. Andreas-Kirche besitzt einen besonderen Status im Landkreis Hildesheim. Als klassizistischer Vorbote im Kirchenbau wird durch sie eine neue Architektursprache in den ländlichen Raum gebracht, die mit dem Umbau des nahegelegenen Klosters Derneburg zum Schloss zur Reife gelangen sollte und das mit dem als „ornamented farm“ gestalteten, herausragenden Landschaftspark einen bedeutenden Erlebniswert für die Bau- und Kunstgeschichte des frühen 19. Jahrhunderts besitzt.


Zum Weiterlesen:

Georg Hoeltje: Georg Ludwig Friedrich Laves, Hannover 1964

Ulrich Maximilian Schumann: Varianten und Versuchsreihen. Georg Ludwig Friedrich Laves in seinem Umfeld, in: Von vorzüglicher Monumentalität, S. 42-49

Sid Auffahrt: Nachwirken von Studium Lektüre und Reisen in den Bauten, in: Von vorzüglicher Monumentalität, S. 50-56

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