Neue Kaserne, Amtshaus
- Landkreis
- Göttingen
- Samtgemeinde
- Göttingen, Stadt
- Gemeinde
- Göttingen
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Göttingen
- Adresse
- Hiroshimaplatz 3
- Objekttyp
- Kasernengebäude
- Baujahr
- 1834 - 1835
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Künstlerische Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- fee49dc7-e78b-47d7-b04f-c0da4d002f04
- System-ID
- #61555228
- ADABweb-ID
- 35861722
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Die Neue Kaserne (jetzt Amtshaus) ist das verbliebene Hauptgebäude einer Infanteriekaserne, dessen Hauptfassade nach Norden zum nicht mehr bestehenden Exerzierhof ausgerichtet ist. Der mit 15 Fensterachsen breitgelagerte, dreigeschossige Bau unter Kurzwalmdach weist charakteristisch proportionierte Putzfassaden mit teilweiser Quaderung auf, die an Architekturformen des Pariser oder Berliner Klassizismus um 1800 erinnern. Dies kann vor allem an der Vertikalgliederung der Nordfassade festgemacht werden, die außen sehr breite, übereck geführte Pilasterstreifen und zentral einen drei Fensterachsen breiten, über die Dachtraufe hinausgezogenen Mittelrisalit mit flach geneigtem Zwerchgiebel zeigt. Den Mittelrisalit prägt eine markant eingestellte und die ganze Höhe einnehmende Bogennische, die oben unterm Giebel mit einem fein sprossierten Halbrundfenster abschließt. Der über eine Freitreppe erschlossene, mittlere Haupteingang wird von eingestellten Pfeilern flankiert, darüber prangt in römischen Ziffern monumental das Jahr der Fertigstellung "MDCCCXXXV" (1835). Die südliche Rückfassade ist schlichter und ohne Mittelrisalt gegliedert. Dort aber stehen vor dem rückwärtigen Mitteleingang zwei Sandsteinpfeiler als letzte Überreste der übrigen Kasernenbaulichkeiten. Im Gebäudeinneren waren bis zu einem Brandanschlag Ende 2019 noch zahlreiche wandfeste Ausstattungen erhalten; die zentrale Holztreppenanlage in der Gebäudemitte ging verloren. Erhalten sind aus der Erbauungszeit in allen drei Hauptgeschossen die wesentlichen Grundrissstrukturen mit einem quer durchlaufenden Mittelgang und davon abgehenden Räumen, die beiden äußeren Nebentreppenhäuser, das Kehlbalkendachwerk mit liegendem Stuhl sowie der Holzdielenboden des ehemaligen Soldaten-"Schlafbodens". (Keller im Februar 2026 nicht besichtigt.)
- Denkmalbegründung
- Das sogenannte Amtshaus ist der letzte bauliche Rest der 1834-1835 südlich der Göttinger Altstadt, vor dem Geismar Tor auf einem vormaligen Ziegeleigelände errichteten Kaserne für ein Infanteriebataillon der Königlich Hannoverschen Armee. Die Bezeichnung „Neue Kaserne“ bezog sich auf die Neuerung der in Göttingen hier erstmals erfolgten Kasernierung, nachdem Soldaten bis dahin in Bürgerquartieren und Stadttoren Unterkunft fanden. Die Neubaupläne stammten von Landbauinspektor Otto Praël, dem kurz zuvor auch das städtische Bauwesen übertragen worden war. Der Bau war das Hauptgebäude der neuen Kasernenanlage und beherbergte u.a. Geschäftsräume, Offiziers- und Soldaten-Unterkünfte, Depots für „Effecten“, eine Wache, zwei Arrestzellen sowie im Dach einen sommerlichen „Schlafboden“. Diesem Hauptgebäude im Norden vorgelagert war ein ummauerter Exerzierhof, um den herum die Chaussee nach Geismar umständlich herumgeführt war. Südlich befanden sich Nebengebäude, die. u.a. die Küche, Lager für Montierungen und eine Stallung beherbergten. Ende des 19. Jahrhunderts änderte sich die Bezeichnung in „Alte Kaserne“, nachdem weitere preußische Kasernen entstanden waren. Bis zum Zweiten Weltkrieg war hier das 2. Kurhessische Infanterie-Regiment Nr. 82 untergebracht. Nach dem Krieg brachte die Stadt Göttingen Behörden unter und erwarb 1959 die bundeseigene Liegenschaft. 1976-1980 entstand südlich und westlich das Neue Rathaus der Stadt Göttingen, wofür alle Nebengebäude der Kasernenanlage abgeräumt wurden. Auf einer Restfreifläche des ehemaligen Exerzierplatzes gestaltete man bei geänderter Verkehrsführung einen neuen Rathaus- und Amtshausvorplatz, der seit 1992 nach der Partnerstadt Göttingens „Hiroshimaplatz“ heißt. Das heutige Amtshaus ist das älteste erhaltene Kasernengebäude Göttingens. Die Fassadengestaltung zählt mit ihrem strengen klassizistischen Charakter neben den Göttinger Bauten des Gefängnisses (Obere-Masch-Straße 9, Baujahr 1836) und des Aulagebäudes (Wilhelmsplatz 1, Baujahr 1837) zu den architekturgeschichtlich besten Bauten jener Zeit in Südniedersachsen. Die Erhaltung des ehemaligen Kasernengebäudes liegt aus geschichtlichen und künstlerischen Gründen im öffentlichen Interesse. Die schutzbegründende geschichtliche Bedeutung besteht im Rahmen der Ortsgeschichte Göttingens aufgrund des Zeugnis- und Schauwertes für die Baugeschichte der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, sowie ebenfalls durch beispielhafte Ausprägung des Bautyps Kaserne und auch als Werk des bekannten Architekten Otto Praël. Künstlerische Bedeutung besteht wegen der überregional hervorragenden Gestaltwerte des Baukörpers und seiner klassizistischen Fassaden.
- Literatur
- Weiterführende Links
- Denkmaltopographie Stadt Göttingen: Objektbeschreibung (seitenübergreifend)
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro

