Rathaus
Rathaus und Waage, Blick über den Handelshafen von Südosten (2025)
Rathaus, Rathausturm und Südfassade, Blick von Südosten (2022)
Rathaus, Ostfassade, Haupteingang (2025)
Südfassade, 1. und 2. Obergeschoss mit Galerie (2026)
Südfassade, Balkon am Turm (2026)
Außenansicht (2022)
- Landkreis
- Leer
- Samtgemeinde
- Leer (Ostfriesland), Stadt
- Gemeinde
- Leer
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Leer
- Adresse
- Rathausstraße 1
- Objekttyp
- Rathaus
- Baujahr
- 1892
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Künstlerische Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- fe9ebe85-903c-40c9-8600-d323d82814d7
- System-ID
- #61540608
- ADABweb-ID
- 35658677
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Denkmalthema
- Leer_Altstadt
- Beschreibung
- Der dreigeschossige Backsteinbau mit hohem Sockelgeschoss und Architekturgliederung in Werkstein im Stil der Neorenaissance ist als Dreiflügelanlage angelegt, die Flügel unter Satteldächern bilden einen nach Norden hin offenen Hof. Die Hauptflügel stehen an der Königs- und Rathausstraße, verbunden werden die beiden Schaufassaden durch einen hohen Turm auf quadratischem Grundriss, oberhalb der Galerie eine polygonale, zweigeschossige Laterne mit Zwiebelhaube. Beide Schaufassaden haben eine horizontale Gliederung und Eckrustizierungen aus farblich abgesetztem Werkstein. Die Erdgeschossfenster haben segmentbogenförmige Verdachungen mit Muschelfüllung, die gleichzeitig die Brüstungsfelder der Obergeschossfenster sind. An der Fassade zur Rathausstraße befindet sich das Hauptportal in dem an den Turm angrenzenden Risalit mit Volutengiebel. Das Portal mit der offenen Vorhalle ist über eine vorgelegte, seitliche Freitreppe mit Podest zugänglich; seitlich des Risalits befinden sich vier Fensterachsen. An der achtachsigen Fassade zur Königstraße bildet das zweite Obergeschoss eine vorkragende offene Galerie, datiert 1892. Die Fassaden an der Westseite und der Nordseite sind backsteinsichtig und ohne Baudekor, im Westen ein geschossübergreifender Runderker. An der Nordseite sind die Giebel der Seitenflügel als Treppengiebel ausgebildet. Das Innere wird von einem Vestibül aus erschlossen, hier eine Bronzetafel zum Gedenken an B. A. Schelten. Im Vestibül, in der Eingangshalle sowie dem Treppenhaus befindet sich eine aufwändige Wand- und Deckenmalerei mit Ranken und auch figürlich Grotesken; in gemalten Nischen Darstellungen von antiken Göttinnen (z.B. Justitia) und Allegorien (z.B. Caritas). Die Dekoration setzt sich im Treppenhaus (Treppe und Säulen aus Raerener Blaustein) fort. Der kleine Sitzungssaal im 1. Obergeschoss mit Wandpaneelen und Stadtansichten; die Wände des Festsaals im 2. Obergeschoss sind ebenfalls holzvertäfelt. Der Raum besitzt ein Tonnengewölbe, die Kassetten haben eine ornamentale Malerei. An der Stirnseite wird die Musikerempore flankiert von musizierenden Engeln.
- Denkmalbegründung
- Aufgrund der günstigen Lage am Zusammenfluss von Leda und Ems entwickelte Leer sich zu einem wichtigen Handelsort, der im 16. Jahrhundert durch den Zuzug von Glaubensflüchtlingen aus den Niederlanden einen wirtschaftlichen Aufschwung nahm. Das Stadtrecht wurde Leer 1823 durch Georg IV. von England verliehen. 1825 wurde ein nördlich der Waage ein Anwesen erworben und als Stadthaus mit Kanzlei genutzt, von 1834 bis 1852 zudem durch die neu gegründete Höhere Bürgerschule. Mit der wirtschaftlichen Entwicklung wuchsen die Aufgaben und Angestellten der städtischen Verwaltung und das alte Stadthaus wurde zunehmend zu klein. Ein repräsentativer Rathausneubau konnte jedoch erst 1890-1894 erfolgen, als der Junggeselle Bernhard August Schelten in seinem Testament die Stadt Leer zu seiner Universalerbin mit der Verpflichtung einsetze, 120.000 Mark aus der Erbmasse für den Bau eines neuen Rathauses zu verwenden. Als Bauplatz wurde ein Eckgrundstück in zentraler Lage am Waageplatz in unmittelbarer Nähe zum Hafen gewählt, drei Bürgerhäuser mussten weichen. Den Wettbewerb für den Rathausbau gewann Karl Henrici (1842-1927), Professor an der Technischen Hochschule in Aachen, die Ausführung lag in den Händen der Baufirma E. Schumacher aus Leer. Der erste Spatenstich erfolgte am 11. September 1890, bereits im Sommer 1893 wurde das Gebäude bezogen, die offizielle Einweihung fand am 29. Oktober 1894 statt. Der Entwurf von Henrici orientiert sich an niederländischen und flandrischen Vorbildern. Mit dem hohen Turm und der offenen Galerie an der Königsstraße nimmt er direkten Bezug auf flandrische Rathäuser wie beispielsweise Diksmuide. In Leer finden sich auch die für niederländische Renaissancebauten typische Verwendung von Backstein mit Zierelementen aus Sandstein bzw. wie in Leer Sandstein imitierendem Werkstein. Das Dekor ist aus Weiberner Tuff (Eifel) gefertigt. Die qualitätvollen Wand- und Gewölbemalereien im Inneren mit figürlichen Darstellungen, Rankenwerk und Grotesken, Wappen und Stadtansichten stammen von dem Stuttgarter Kunst- und Dekorationsmaler Robert Nachbauer (1850-1923). An der Erhaltung des Rathauses besteht aufgrund seiner geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Bedeutung wegen seines architektur- und stadtgeschichtlichen sowie stadtbildprägenden Schau- und Zeugniswerts ein öffentliches Interesse.
- Übergeordnete Objekte (ID | Typ)
- 61540290 | Altstadt (Baukomplex)
- Literatur
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro
Rathaus und Waage, Blick über den Handelshafen von Südosten (2025)
Rathaus, Rathausturm und Südfassade, Blick von Südosten (2022)
Rathaus, Ostfassade, Haupteingang (2025)
Südfassade, 1. und 2. Obergeschoss mit Galerie (2026)
Südfassade, Balkon am Turm (2026)
Außenansicht (2022)

