Evangelisch-reformierte Große Kirche
- Landkreis
- Leer
- Samtgemeinde
- Leer (Ostfriesland), Stadt
- Gemeinde
- Leer
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Leer
- Adresse
- Kirchstraße 14
- Objekttyp
- Kirche
- Baujahr
- 1785-1787
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Künstlerische Bedeutung, Wissenschaftliche Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- f60e7209-ba85-41e0-a80e-65b71918cf82
- System-ID
- #61540784
- ADABweb-ID
- 35663354
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Denkmalthema
- Gauss-Steine Leer_Altstadt
- Beschreibung
- Evangelisch-reformierte Große Kirche, errichtet 1785-1787 nach Planung des Baumeisters Isaak Woortmann, der Turm bis 1805 vollendet. Zentralbau über dem Grundriss eines griechischen Kreuzes, die sich durchkreuzenden Dächer an den Giebeln mit Krüppelwalm, in den Winkeln zwischen den Kreuzarmen jeweils im Viertelkreis geformte Annexbauten mit Flachdach, nach Norden hoher, mehrfach gestufter Turm mit abschließender Laterne. Die Fassaden des Kirchenbaus über einem Sockel aus Sandstein backsteinsichtig im Kreuzverband gemauert, die Giebel nach Osten, Süden und Westen jeweils achsensymmetrisch angelegt mit zwei hohen rundbogigen Fenstern, diese mit Fensterbank und Scheitelstein aus Sandstein und kleinteiliger Sprossengliederung, darüber mittig sandsteingefasstes Rundfenster, nur die zur Kirchstraße orientierte Fassade mit Eckquaderung, Rundbogenportal mit Sandsteinfassung und Verdachung sowie darüber Inschriftentafel. In den Annexbauten jeweils Rundbogenportal mit horizontalem Gesimsabschluss, darüber rundbogiges Fenster und abschließend Traufgesims aus Sandstein. Das Krüppelwalmdach mit glasierten Hohlpfannen eingedeckt, je Dachfläche mit einer kleinen Gaube besetzt, Firste und Grate mit Bleiabdeckung. Der 57 Meter hohe Glockenturm backsteinsichtig mit Architekturteilen aus Sandstein. Der Unterbau auf quadratischer Grundfläche mit 45° abgewinkelten Eckpilastern, darüber zweifach eingerückt ein achteckiger Aufbau mit Eckpilastern, nach Norden Rundbogenportal mit Datierung „1786“ im Scheitelstein. In den einzelnen Turmgeschossen rundbogige Schallarkaden mit Kämper- und Scheitelsteinen, kleine, sandsteingefasste Fensteröffnungen sowie die Ziffernblätter der Uhr, als Turmabschluss nochmals eingerückt die achteckige, offene Laterne als Holzkonstruktion mit kupfergedeckter Haube und Schepken Christi als Wetterfahne. Die drei Abstufungen des Glockenturmes jeweils mit verkröpften, profilierten Sandsteingesimsen und filigranen Metallgeländern als Galerien ausgebildet. Der Innenraum durch flache Holztonne überwölbt, die Annexbauten durch rundbogige Arkaden zum Hauptraum geöffnet. Eine den gesamten Zentralraum umlaufende Empore, nach Norden zudem Empore in zweiter Ebene, die das Hauptwerk der Orgel trägt, diese in Rokokoformen 1763-66 von dem Groninger Orgelbauer A. A. Hinsz geschaffen mit teils älterem Pfeifenbestand. 1845-50 und 1953-55 umgebaut, am südöstlichen Pfeiler Kanzelkorb der Spätrenaissance von 1609, der Kanzeldeckel vom Ende des 18. Jahrhunderts, davor stehend der Altartisch mit Rokokoornamenten sowie vier Gelbgussleuchter von 1787, romanischer Taufstein des Bentheimer Typs um 1200.
- Denkmalbegründung
- Westlich des ersten Siedlungskernes von Leer im Bereich des reformierten Friedhofes am Westerende entstand wohl um 800 eine erste Kirche in Holzbauweise auf Initiative des Friesenmissionars Liudger. Um 1200 wurde die Kirche in Massivbauweise mit zweischiffiger Krypta neu gebaut und im 15. Jahrhundert durch einen spätgotischen Chor erweitert. Um 1525 wurde die Reformation durch den aus Münster geflohenen Prediger Lübbert Cansen eingeführt. Da der Kirchenbau in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts baufällig war und ein Sturm 1777 starke Schäden verursachte, sowie aufgrund des Umstandes, dass die St. Liudgerkirche am Westerende durch die Verlagerung des Ortskernes nach Osten in einer Randlage geraten war, entschied sich die reformierte Gemeinde zu einem Kirchenneubau am heutigen Standort in Zentrumsnähe. Die bis 1864 bestehende Straßenbezeichnung „Auf dem Wüstenwarf“ lässt vermuten, dass es sich hier um einen wüst gefallenen Hausplatz handelte, den die Gemeinde von einem Lederfabrikanten erwarb. Auf Druck der Kirchenbehörde stimmte der Kirchenrat am 1. Juni 1785 dem Kirchenneubau zu. Nach dem Vorbild der Noorderkerk in Amsterdam (1620-23 von Hendrik de Keyser) sowie der Nieuwe Kerk in Groningen (1660-64 von Conraet Roelffes) wurde die reformierte Große Kirche in Leer nach Planung des Baumeisters Isaak Woortmann 1785-87 errichtet. Der Grundstein wurde am 16. September 1785 gelegt, die Einweihung der Großen Kirche erfolgte am 15. Juli 1787. Gestalterisch und konzeptionell zeigen sich große Übereinstimmungen, insgesamt bleibt die Fassadengestaltung in Leer in zeittypischer Weise schlichter und die Annexbauten zwischen den Kreuzarmen sind stärker in die Gesamtgestaltung des Hauptbaukörpers eingebunden. Im Innenraum hat Woortmann mit der umlaufenden Empore einen konsequent auf die Kanzel bzw. die Predigt ausgerichteten Zentralraum geschaffen. Der im Norden angegliederte Glockenturm wurde 1805 vollendet. Die alte Liudgerkirche wurde bis auf die Krypta abgebrochen, wobei der Friedhof am Westerende weiter für Bestattungen genutzt wurde. Die evangelisch-reformierte Große Kirche in Leer ist von geschichtlicher Bedeutung im Rahmen der Orts-, Stadtbau- und Siedlungsgeschichte sowie der örtlichen Religionsgeschichte. Ferner ist der Kirchenbau von bau- und kunstgeschichtlicher Bedeutung aufgrund des Anschauungswertes als beispielhafter, reformierter Kirchenbau aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, der eine enge konzeptionelle und gestalterische Übereinstimmung zu den niederländischen Vorbildern des 17. Jahrhunderts zeigt. Mit dem seit der Bauzeit kaum veränderten Innenraum und der bedeutenden Ausstattung, die teils aus der alten Liudgerkirche übernommen wurde, kommt der Großen Kirche zudem eine künstlerische Bedeutung zu. Der Kirchenbau prägt das Straßen- und Stadtbild und ist mit dem 57 Meter hohen Glockenturm ein wesentlicher Bestandteil der Stadtsilhouette, so dass insgesamt ein öffentliches Erhaltungsinteresse besteht
- Übergeordnete Objekte (ID | Typ)
- 61769045 | Altstadt (Baukomplex)
- Literatur
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro

