Mühlenstraße
Mühlenstraße, nördliche Häuserzeile, Blick nach Westen (2025)
Mühlenstraße, nördliche Häuserzeile, Blick nach Westen (2025)
Mühlenstraße, südliche Häuserzeile, Blick nach Osten (2025)
Mühlenstraße 24 - 14, Blick nach Westen (2025)
Mühlenstraße 29 - 21, Blick nach Westen (2025)
- Landkreis
- Leer
- Samtgemeinde
- Leer (Ostfriesland), Stadt
- Gemeinde
- Leer
- Objekttyp
- Straßenzug
- Denkmalstatus
- Gruppe baulicher Anlagen (gemäß §3 Abs. 3 S. 1 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- f4d1d50d-b073-4930-b47e-d3ddcc125501
- System-ID
- #61540301
- ADABweb-ID
- 35649592
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Die Mühlenstraße ist die zentrale Geschäftsstraße und Fußgängerzone der Stadt Leer zwischen Altstadt und Bahnhof. Ausgehend von der Straßenkreuzung Brunnenstraße/ Harderwykensteg/ Heisfelder Straße führt die Mühlenstraße nördlich des Handelshafens nach Osten. Mit dem Bahnübergang geht die Mühlenstraße in die Bremer Straße über, die in den Stadtteil Loga führt. Der westliche Abschnitt der Mühlenstraße zeigt zwischen der von Süden einmündenden Norderstraße bis zur Hausnummer 28 bzw. auf der nördlichen Straßenseite bis Hausnummer 57 einen geschlossenen historischen Baubestand. Auf alter Parzellenstruktur stehen aneinandergereiht vorrangig zweigeschossige, vereinzelt auch ein- und dreigeschossige Wohn- und Geschäftshäuser trauf- oder giebelständig in der Straßenflucht. Durch Hinterhäuser sind zum Teil langgestreckte Gebäudekörper vorhanden. An den Einmündungen von Wörde und Norderstraße zeigen die Eckgebäude an der Mühlenstraße 14, 24 und 26 um 45° abgewinkelte Gebäudeecken. Durch die Einzelhandelsnutzung sind die Erdgeschosszonen der Gebäude regelmäßig überformt und baulich verändert, wobei einige Geschäftshäuser noch eine historische Schaufensteranlage aufweisen. Wenige Gebäude zeigen noch den traditionellen Gebäudetyp des eingeschossigen Giebelhauses (Mühlenstraße 16, 29, 37) oder haben hinter neugestalteten Fassaden einen älteren Gebäudekern des 18. Jahrhunderts bewahrt (Mühlenstraße 39). Den klassizistischen Bauten aus dem späten 18. bzw. aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Mühlenstraße 31, 33, 47, 48, 57) gemeinsam ist eine backsteinsichtige, stringent gegliederte Straßenfassade mit hochrechteckigen Fensteröffnungen und kräftigem Kranzgesims. In den 1850er und 1860er sind die teils im Kern älteren Gebäude mit Putzfassaden im Stil des Spätklassizismus (Mühlenstraße 41, 49) oder im Rundbogenstil (Mühlenstraße 38, 53) gestaltet worden, in den nachfolgenden Jahren in den einzelnen Ausprägungen des Historismus. Durch Erker, Zwerchgiebel oder Türmchen sind dabei zum Teil abwechslungsreiche Baukörper und Dachlandschaften (Mühlenstraße 18, 21) entstanden, wobei die Straßenflucht im Grundsatz gewahrt bleibt. Putz- und Backsteinfassaden sind gleichermaßen reich mit Stuck verziert. Die rückseitigen und seitlichen Fassaden sind im Regelfall backsteinsichtig und schlicht gestaltet. Neben den klassizistischen und historistischen Stilmerkmalen des 19. Jahrhunderts sind an den Bauten aus dem frühen 20. Jahrhundert vereinzelt Dekorationen des Jugendstils (Mühlenstraße 18, 26, 28) zu finden. Singulär sind die Klinkerfassade Mühlenstraße 35 aus den 1920er Jahren sowie das Eckhaus Mühlenstraße 24, das Anfang der 1930er Jahre mit einer Putzfassade im Stil der Neuen Sachlichkeit gestaltet wurde. Die Parzellen nördlich der Mühlenstraße reichen regelmäßig bis zum Ostersteg. Von den einst zahlreichen Wirtschaftsgebäuden, Hinter- und Packhäusern hat sich ein Restbestand erhalten. Unmittelbar am Ostersteg stehen das kleine Wohnhaus Nr. 24 sowie das Packhaus am Ostersteg 28 von 1807. Der eingefriedete Garten dazwischen gehört zu dem Wohnhaus Mühlenstraße 31. Der Bereich der Fußgängerzone ist mit einem Ziegelpflaster befestigt, in dem befahrbaren Abschnitt zwischen Wörde und Brunnenstraße sind die Fußwege mit Ziegelsteinen und der Fahrweg mit Naturstein gepflastert.
- Denkmalbegründung
- Der älteste Siedlungskern von Leer entwickelte sich im Bereich Kaakspütte/ Alte Marktstraße. Am westlichen Ortsrand lag die Kirche St. Liudger, von der sich nur die um 1200 in Steinbauweise errichtete Krypta auf dem reformierten Friedhof erhalten hat. Mit zunehmender Bedeutung von Handel und Schifffahrt entwickelte sich der Marktflecken im 16. Jahrhundert nach Südosten bis ans Ufer der Leda, wo sich am Anleger der neue Marktplatz etablierte. Manifestiert wurde diese Verschiebung des Ortskernes Mitte des 16. Jahrhunderts durch die Verlegung der Waage, die sich zuvor im Turm der Liudgerkirche befunden hatte. Nach der Übernahme des Fürstentums Ostfrieslands 1744 durch das Königreich Preußen und der schrittweisen Einschränkung des Emder Stapelrechtes nahm Leer in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts weiterhin eine positive wirtschaftliche Entwicklung und wurde zum bedeutenden Seehafen. Im Jahr 1823 erhielt Leer die Stadtrechte und im Laufe des 19. Jahrhunderts, insbesondere nach dem Anschluss an die Hannoversche Westbahn 1854, erfolgte die Stadtentwicklung über die Brunnen- und Mühlenstraße weiter nach Osten zum Bahnhof, wo gründerzeitliche Wohn- und Geschäftshäuser entstanden. Die Mühlenstraße, die die Altstadt mit dem Bahnhof verbindet, ist heute die zentrale Geschäftsstraße und Fußgängerzone von Leer. Der westliche Abschnitt zwischen Brunnen- und Ledastraße wurde ursprünglich als Osterstraße bezeichnet. In Fortsetzung der Ost-West-Verbindung Westerende/ Alte Marktstraße/ Harderwykensteg leitete sich die Straßenbezeichnung von der Lage am östlichen Rand der Altstadt ab. Eine Karte aus dem Jahr 1711 zeigt, dass die geschlossene Bebauung an der Einmündung der Wörde endete. 1765 schreibt Wessel Onken (1698-1771) in seiner Chronik: „In diesem Jahr nahm die Häuserreihe an der Osterstraße, besonders an der nördlichen Seite, zusehends zu.“ Der weiter nach Osten führende Postweg nach Loga wurde im 19. Jahrhundert sukzessive bebaut und schließlich als Mühlenstraße bezeichnet. Namengebend waren drei Windmühlen – die Ahten´sche Mühle, die Boer´sche Mühle sowie die Weers´sche Mühle – die heute nicht mehr vorhanden sind. 1933 wurde die Osterstraße in Hindenburgstraße umbenannt, nach dem Zweiten Weltkrieg in Churchillstraße und im Jahr 1948 wurde der Straßenzug schließlich Teil der Mühlenstraße, und die ehemals eigenständige Straßenbezeichnung wurde damit aufgegeben. Da sich die Verlagerung des Geschäftszentrums nach Osten Richtung Bahnhof im 20. Jahrhundert fortsetzte und schließlich in den 1970er Jahren mit der Eröffnung der Fußgängerzone manifestierte, wurde der östliche, bahnhofsnahe Abschnitt der Mühlenstraße stärker durch Sanierungen, Abbrüche und Neubauten verändert, während sich im westlichen Teilbereich (ehemalige Osterstraße) ein der historische Baubestand weitgehend erhalten hat. Trotz der baulichen Veränderungen, die durch den Einzelhandel bedingt vor allem die Erdgeschosszonen betreffen, zeigt sich ein von Altbauten geprägtes Straßenbild. Auf schmalen Parzellen reihen sich meist zweigeschossige, giebel- oder traufständige Wohn- und Geschäftshäuser aneinander, die mit Anbauten und Hinterhäusern teils langgestreckte Baukörper bilden. Einzelne Häuser stammen noch aus dem 18. Jahrhundert. Bemerkenswert sind die qualitätvollen Beispiele klassizistischer Architektur aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert, so die Bürgerhäuser Mühlenstraße 31, 33 und 57, die durch die wohlhabende Kaufmannsfamilie Vissering errichtet wurden. Dabei ist das Haus Mühlenstraße 33 aus dem Jahr 1777 das früheste Beispiel des niederländisch geprägten Frühklassizismus in Leer. Das giebelständige Wohn- und Geschäftshaus zeigt in den Obergeschossen eng aneinandergereihte Fensteröffnungen und wirkt durch die seitlich hochgezogene Straßenfassade viergeschossig. Aufgrund des hohen Fensterflächenanteils trägt das Haus die Bezeichnung „Glasekasten“. Das westlich stehende Haus Klasen an der Mühlenstraße 31 ist ein traufständiges, zweigeschossiges Gebäude mit Walmdach von 1806, das die bauzeitliche Straßenansicht bewahrt hat. Die ehemalige Durchfahrt zwischen den Gebäuden Nr. 31 und Nr. 33 wurde zur Erweiterung der Einzelhandelsfläche durch einen eingeschossigen Flachdachbau geschlossen, so dass die ursprüngliche Freistellung und Wirkung des Klasen´schen Hauses etwas eingeschränkt ist. Für den Straßenzug prägend sind die Wohn- und Geschäftshäuser aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die in den 1850er und 1860er Jahren mit Putzfassaden im spätklassizistischen oder im Rundbogenstil gestaltet wurden, in den nachfolgenden Jahren dann in den verschiedenen Stilrichtungen des Historismus. Durch Erker, Gauben, Zwerchgiebel oder Türmchen sind teils abwechslungsreiche Baukörper und Dachlandschaften vorhanden, wobei die Straßenflucht im Grundsatz gewahrt bleibt. Um 1900 entstehen einige Neorenaissancefassaden mit backsteinsichtigem Mauerwerk und hell gefassten Stuckdekorationen, was durch die Architektur des 1894 fertiggestellten Rathauses beeinflusst sein mag. Vereinzelt haben sich noch historische Schaufensteranlagen erhalten. Die Eckgebäude Mühlenstraße 14, 24 und 26 haben um 45° abgewinkelte Gebäudeecken und folgen damit den Fluchtlinienplänen der Stadt Leer, dabei korrespondieren die Häuser Nr. 24 und Nr. 26 und fassen die einmündende Wörde städtebaulich wirkungsvoll ein. An den Bauten des frühen 20. Jahrhunderts kommen neben historistischen Stilmerkmalen vereinzelt auch Dekorationen des Jugendstils vor. Die Klinkerfassade des Hauses Mühlenstraße 35 aus dem Jahr 1924 folgt dem Reformstil. Das Eckhaus Mühlenstraße 24 ist ein in Ostfriesland seltenes Beispiel eines Wohn- und Geschäftshauses, das Anfang der 1930er Jahre im Stil der Neuen Sachlichkeit gestaltet wurde. Nur einzelne Grundstücke auf der Südseite der Mühlenstraße grenzten unmittelbar an den Hafen, so das Areal der ehemaligen Seifenfabrik Connemann, von dem sich allein das Wohnhaus an der Mühlenstraße 38 erhalten hat. Nach Umsiedlung der Firma wurde das Areal von der Stadt erworben, die Fabrikgebäude abgebrochen und 1979/80 der Ernst-Reuter-Platz angelegt. Die Grundstücke auf der nördlichen Straßenseite reichten regelmäßig bis zum Ostersteg (historische Bezeichnung bis 1855 Kupersgaste), der als schmaler Weg zur Erschließung der Hintergrundstücke diente. Von den einst zahlreichen Nebengebäuden, Werkstätten, Hinter- und Packhäusern zeugen noch einige Anbauten und Hinterhäuser. Unmittelbar am Ostersteg stehen das kleinen Wohnhaus Nr. 24 sowie das stattlich Packhaus Ostersteg 28, das 1807 durch die Kaufmannsfamilie Vissering errichtet wurde. Zwischen den beiden Gebäuden liegt der zum Ostersteg durch eine Backsteinmauer eingefriedete Garten des Hauses Mühlenstraße 31. In den 1960er Jahren plante die Stadt eine Flächensanierung in der Altstadt, um städtebaulichen Missständen zu begegnen. Die ersten durchgeführten Maßnahmen am Westerende, Veränderungssperren, Abbrüche und der Bau von maßstabslosen Gebäuden führten zu einem erheblichen Widerstand in der Bevölkerung und im Juli 1973 zur Gründung der Bürgerinitiative „Altstadtsanierung Leer“. Der öffentlichkeitswirksame Protest begründete letztendlich im Laufe des Jahres 1974 ein Umdecken bei den politischen Entscheidungsträgern, wobei der Abbruch der Altstadthäuser Mühlenstraße 1 bis 9 und die großflächige, viergeschossige Neubebauung in zeittypischer Betonarchitektur durch die Kleemann AG nicht mehr verhindert werden konnte. Zugunsten der Fußgängerzone sowie der Wohn- und Geschäftshäuser an der Mühlenstraße, deren Instandsetzung im Rahmen der Stadtsanierung ab Mitte der 1970er Jahre erfolgte, wurde der Ostersteg zur Haupterschließungsstraße ausgebaut und hat durch umfangreiche Gebäudeabbrüche das ursprüngliche Straßenbild eingebüßt. Der östliche Straßenabschnitt wurde verändert und nach Norden verschwenkt. Die Gruppe „Mühlenstraße“ ist von geschichtlicher Bedeutung im Rahmen der Orts-, Siedlungs- und Stadtbaugeschichte von Leer. Der historische Gebäudebestand auf historischer Parzellierung dokumentiert die städtebauliche Entwicklung und regionale Baugeschichte vom 18. bis ins 20. Jahrhundert. Neben den qualitätvollen, klassizistischen Bauten prägen vorrangig die Wohn- und Geschäftshäuser des 19. und frühen 20. Jahrhunderts den westlichen Abschnitt der Mühlenstraße, in dem sich der Charakter einer kleinstädtischen Geschäftsstraße aus der Zeit um die Jahrhundertwende anschaulich erhalten hat. Verschiedene Gestaltungen, Bautypen und Nutzungen vermitteln sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Bedeutungen und geben dem Straßenzug eine eigene Prägung innerhalb der Altstadt von Leer, die insgesamt zu den am besten erhaltenen Altstädte in Nordwestdeutschland zählt. Aus diesen Gründen liegt die Erhaltung der Gruppe baulicher Anlagen „Mühlenstraße“ im öffentlichen Interesse.
- Untergeordnete Objekte (ID | Typ | Adresse)
- 61540734 | Wohn-/Geschäftshaus | Mühlenstraße 38
61540498 | Wohn-/Geschäftshaus | Mühlenstraße 53
61540496 | Wohn-/Geschäftshaus | Mühlenstraße 47
61540503 | Wohn-/Geschäftshaus | Mühlenstraße 14
61540500 | Wohn-/Geschäftshaus | Mühlenstraße 20
61540593 | Wohn-/Geschäftshaus | Mühlenstraße 23
61540504 | Wohn-/Geschäftshaus | Mühlenstraße 26
61540805 | Packhaus | Ostersteg 28
61540781 | Wohnhaus | Ostersteg 24
61540596 | Wohnhaus | Mühlenstraße 57
61540491 | Wohn-/Geschäftshaus | Mühlenstraße 21
61540594 | Wohnhaus | Mühlenstraße 31
61540493 | Wohn-/Geschäftshaus | Mühlenstraße 39
61540459 | Wohn-/Geschäftshaus | Mühlenstraße 43
61540492 | Wohn-/Geschäftshaus | Mühlenstraße 27
61540494 | Wohn-/Geschäftshaus | Mühlenstraße 41
61540495 | Wohn-/Geschäftshaus | Mühlenstraße 45
61540579 | Garten | Mühlenstraße 31
61540458 | Wohn-/Geschäftshaus | Mühlenstraße 37
61540475 | Wohn-/Geschäftshaus | Mühlenstraße 35
61540502 | Wohn-/Geschäftshaus | Mühlenstraße 16
61540457 | Wohn-/Geschäftshaus | Mühlenstraße 29
61540501 | Wohn-/Geschäftshaus | Mühlenstraße 18
61540592 | Wohn-/Geschäftshaus | Mühlenstraße 28
61540735 | Wohn-/Geschäftshaus | Mühlenstraße 48
61540499 | Wohn-/Geschäftshaus | Mühlenstraße 55
61540456 | Wohnhaus | Mühlenstraße 25
61540595 | Wohnhaus | Mühlenstraße 33
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS
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Mühlenstraße 29 - 21, Blick nach Westen (2025)

