Luftschutzkeller
- Landkreis
- Stadt Wilhelmshaven (kreisfrei)
- Samtgemeinde
- Wilhelmshaven, Stadt
- Gemeinde
- Rüstringen
- Adresse
- Banter Weg 107
- Objekttyp
- Luftschutzkeller
- Baujahr
- 1939 - 1940
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- ec7c70fd-0801-4ec3-8a91-2b25bf91599a
- System-ID
- #61768811
- ADABweb-ID
- 53709303
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Luftschutzstollen des Patents „Herzbruch“, Essen, benannt nach dem Konstrukteur Hugo Herzbruch. Die Anlage wurde abweichend von der Grundform ausgeführt. Grundsätzlich galt diese Anlage in ihrer Entwicklung nur als "bedingt bombensicher". Der LS-Stollenbunkerkörper liegt unter der Erdgleiche und ragt mit aufgeschüttetem Erdreich etwa einen Meter über die Geländeoberkante auf. Die Stollenanlage ist etwa 30 Meter lang und bot zu Kriegszeiten etwa 200 Menschen einen Zufluchtsort. Der Stollen besteht aus zwei Eingängen auf kreisförmigem Grundriss als Hauptbunkerkörper, jeweils mit Gasschleusen und einem Abort. Dazwischen ist das geradlinige Verbindungsrohe in vier Kammern unterteilt. In den Kammern sind Sitzbänke aufgestellt. Die Kammern und Gasschleusen konnten einzeln abgetrennt werden. Zwischen der ersten und zweiten sowie der dritten und vierten Kammer waren Frischluft-Handpumpen und je zwei Notausstiege mit Steigleitern vorhanden. Lüftungsanlagen und Türen der Eingänge sind erhalten. Auf dem östlichen Notausstiegsblock befindet sich ein Entlüftungsrohr. Errichtet etwa 1939-1940.
- Denkmalbegründung
- Überlegungen zum baulichen Luftschutz hatte es bereits in den Vorkriegsjahren vor allem für die norddeutschen Küstenstädte mit Marinestützpunkten gegeben. Deren militärische Bedeutung machte diese zu bevorzugten sowie von Großbritannien aus leicht erreichbaren Zielen für mögliche Luftangriffe. Insbesondere die Angehörigen der Kriegsmarinewerft der Marinehauptstützpunkte Kiel und Wilhelmshaven sollten geschützt werden. Über den Schutz der Zivilbevölkerung hatte man sich bis kurz vor Kriegsbeginn noch nicht geeinigt. Die Marine forderte jedoch, dass im Falle des Kriegsausbruchs die Wohngebiete, vor allem um die Bauwerft herum von der Bevölkerung zu räumen seien. Dies betraf besonders den Stadtteil Bant, da hier zahlreiche Werftmitarbeiter wohnten. Direkt vor Kriegsausbruch wurden in Wilhelmshaven einige Behelfsmaßnahmen wie Splittergräben errichtet. Schon am 4. September 1939 erfolgte der erste britische Luftangriff auf die Stadt, die Schutzvorkehrungen bewiesen sich als fahrlässig unzureichend und zahlreiche Menschen verließen Wilhelmshaven fluchtartig. Auch zum Jahresbeginn 1941 war der Luftschutz in Wilhelmshaven noch schlecht organisiert gewesen, bombensichere Bunker standen kaum zur Verfügung. Erst im Laufe des „Sofortbauprogramms“ entstanden in der Stadt mehrere Luftschutzbunker und, aufgrund des hohen Grundwasserspiegels, Luftschutztürme. Bei Kriegsende standen in Wilhelmshaven Schutzplätze in 140 Bunkern, 26 trümmer- und splittersicheren Luftschutzanlagen und 64 Behelfsbauten zur Verfügung. In der Zeit zwischen Ende 1939 und Anfang 1940 wurden in Wilhelmshaven zudem mindestens 11 trümmer- und splittersichere Luftschutzanlagen der Bauart "Herzbruch" errichtet. Die Grundform bestand aus einem mittigen Hauptbunkerkörper auf kreisförmigem Grundriss unter der Erdgleiche, die Decke lag über der Erdgleiche unter aufgeschüttetem Erdreich. Im Inneren waren Sitzbänke und Aborte vorhanden. Von diesem Hauptbunkerkörper aus verliefen vier Stollengänge jeweils diagonal unter dem aufgeböschten Erdreich. Jeder Stollengang besaß Notausstiege. Die vier splittergeschützten Eingangsbauwerke an den Enden der Stollengänge waren mit Gasschleusen ausgestattet. Grundsätzlich galt diese Anlage in ihrer Entwicklung als trümmer- und splittersicher, maximal als "bedingt bombensicher". Ein Stollen in exakt dieser Grundform ist bislang nicht sicher in Wilhelmshaven nachgewiesen worden. Möglicherweise hatte es einen solchen Stollen auf dem ehemaligen Braunkohle-Benzin AG (BRABAG)-Gelände Schwarzheide gegeben. Dort befand sich ein Splitterschutzbauwerk, "Spinne" genannt, das dem Herzbruchpatent in hohem Maße ähnelte. In Wilhelmshaven existierten und existieren abweichend von der Grundform auch Anlagen, welche statt einem runden Hauptbunkerkörper zwei besitzen. Die Grundform des Patentbaus ist in Wilhelmshaven in verschiedenen Ausführungen realisiert worden. Auch der Luftschutzstollen im Banter Weg 107 ist abweichend von der Grundform des Herzbruchstollens ausgeführt worden. Bislang gibt es nachweislich nur Informationen über die Errichtung des Herzbruch-LS-Anlagentyps allein in der Stadt Wilhelmshaven. Vermutlich sind bis heute acht der nachgewiesenen Herzbruchstollen in Wilhelmshaven zumindest über der Erdgleiche beseitigt worden. Weitere Luftschutzstollen, die weitgehend ähnlich wie der Herzbruchstollen im Banter Weg aufgebaut waren, befanden sich in der Borkumstraße / Alter Deichsweg, an der Schule in der Schulstraße, in der Kettenstraße / Schlosserstraße, am Hauptbahnhof / Vorplatz, an der Schule in der Bremer Straße und an der Schule in der Lilienburgstraße. Der LS-Stollen im Banter Weg diente im Krieg den Bewohnern des benachbarten Armenhauses, welches nach dem Krieg kurz als Waisenhaus fungierte, als Schutz. Mit Beginn des "Sofortprogrammes" Ende 1940 wurde dieser Luftschutzanlagentyp nicht mehr als "bedingt bombensicher" geführt, sondern lediglich als splitter- und trümmersicher. Nach Fertigstellung der Hochbunker am Banter Weg und am Westbahnhof wichen die Schutzsuchenden jedoch größtenteils in diese Bauwerke aus, da diese im Gegensatz zum Herzbruchstollen vollen Bombenschutz boten. In der frühen Nachkriegszeit war das Innere des Stollens zum großen Teil mit Trümmerschutt gefüllt worden. Noch heute ist fast die gesamte ursprüngliche Erdaufschüttung um und über der 30 Meter langen Stollenanlage vorhanden. Ebenso die Lüftungsanlagen und Türen. Der Luftschutzstollen im Banter Weg ist eines der letzten relativ gut erhaltenen Beispiele der in den Kriegsjahren errichteten trümmer- und splittersicheren Luftschutzanlagen in der Stadt. Der LS-Anlagentyp nach dem Patent Herzbruch ist bisher nur für Wilhelmshaven nachgewiesen worden. In seiner baukonstruktiven Ausführung ist der Luftschutzstollen zudem wahrscheinlich ein Unikat. Er ist ein beispielhafter Vertreter und überkommener Zeitzeuge für die Luftschutzbauten des Zweiten Weltkrieges in der Kriegsmarinestadt und besitz geschichtliche Bedeutung für die Ortsgeschichte Wilhelmshavens und ist ein bedeutsames bauliches Dokument für die regionale Militärgeschichte. Die Erhaltung des Luftschutzstollen im Banter Weg liegt aufgrund seiner geschichtlichen Bedeutung im Rahmen der Ortsgeschichte und seines geschichtlichen Zeugnis- und Schauwertes als beispielhafte Ausprägung des LS-Anlagentyps nach Patentbau Herzbruch im Interesse der Öffentlichkeit.
- Literatur
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro

