"Neue Burg"
- Landkreis
- Helmstedt
- Samtgemeinde
- Nord-Elm
- Gemeinde
- Warberg
- Gemarkung
- Warberg
- Objekttyp
- Burg
- Baujahr
- undatiert
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- ea56a849-1b7e-4ebc-afb1-d0bed3ff3475
- System-ID
- #60907445
- ADABweb-ID
- 28955080
- Fachbereich
- Archäologie
- Beschreibung
- Burg. Am NW-Rand von Warberg liegt die "Neue Burg" Warberg Sie ist eine zweiteilige Wasserburg, die in eine südwestliche Oberburg und eine nordöstliche Unterburg gegliedert ist. Kern der Oberburg ist ein ungefähr quadratischer, mit Schießscharten versehener Bergfried von ca. 8 x 8,2 m Größe. Die Mauerdicke von ca. 2,5 m im Erdgeschoss verjüngt sich stufenweise bis zum Gipfel in ca. 19 m Höhe. Bei der Renovierung des Bergfrieds wurde festgestellt, dass er auf einer Lössaufschüttung steht. Ihn umschließt ein einstöckiges Gebäude, welches mit einem dekorierten Eingangsportal aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts versehen ist. Einst verfügte es zudem über einen Renaissance-Erker. Auf dem Merianstich von 1654 ist es dreistöckig mit Renaissancegiebeln dargestellt. Das Plateau der Oberburg ist zur Unterburg mit Einer Stützmauer befestigt. Der Hof der Unterburg ist auf drei Seiten von Gebäuden umgeben. Der Zugang erfolgt im Südosten durch ein zweistöckiges Fachwerkgebäude, von dessen Rückseite eine Treppe zur Oberburg führt. Östlich schließt sich das dreigeschossige, steinerne Haupthaus an. Den nördlichen Abschluss bildet ein Fachwerkneubau auf einem steinernen Untergeschoss, das ursprünglich zur Brennerei gehörte. Die Anlage wird im Osten und Westen von den Resten des Burggrabens umgeben, welcher noch bis zu 15 m breit ist. Im Südwesten der Burg finden sich zudem noch Reste eines vorgelagerten Walles von 38 m Länge, 14 m Breite und 3,8 m Höhe. Die im Merianstich von 1654 abgebildete Ringmauer besitzt im Süden einen anderen Verlauf als die heutige. Bei baubegleitenden archäologischen Untersuchungen im Jahr 2001 konnten neue Erkenntnisse zur vermutlich ältesten Bebauung der Unterburg, zur Gründungstiefe des Bergfrieds sowie zum Aufbau des Burghügels der Oberburg gewonnen werden. So kamen in einem Graben durch den unteren Burghof, ca. 1 m unter dem heutigen Hofniveau die Köpfe eichener Bauhölzer zutage. Eine Datierung dreier Pfosten erbrachte Fälljahre zwischen 1282 (+7) und 1301 (±10). Randlich des vermuteten Grabenbereiches fanden sich überraschenderweise Steinfundamente eines zweischaligen Mauerwerkes aus Elm-Muschelkalk, das auf der anmoorigen Schicht auflag. Dieser Gebäudekomplex, der ausweislich der Keramikfunde in das 14. Jh. gehört, fand in der bekannten frühneuzeitlichen Bebauung der Unterburg keinen Anschluss. Es zeichnet sich ab, dass der Burghügel der Oberburg gegen das Fundament des Bergfrieds bis auf eine H. von ca. 6 m angeschüttet worden ist. Das Fundament des vermutlich ältesten Gebäudes der Unterburg (heutiges Küchengebäude, ursprünglich Kapellengebäude?) ist randlich direkt gegen die Aufschüttungen des Burghügels gesetzt worden. Neben dem Bergfried wurde 2003 ein Fahrstuhlschacht in den Burghügel abgetieft. Dadurch konnte ein Profil von der Bergfried Mauer bis zur Außenmauer des Herrenhauses gewonnen werden, das weiteren Aufschluss zur Gründungstiefe des Turmes und zu den Auffüllschichten des Burghügels erbrachte. Demnach liegt die Basis des Turmfundamentes mindestens 3 m unter dem Kellerniveau des renaissancezeitlichen Herrenhauses, sodass jetzt mit Sicherheit davon ausgegangen werden kann, dass der Turm bis an die Basis des aufgeschütteten Burghügels reicht. Die an das Turmfundament anschließenden Schichten erbrachten interessante Erkenntnisse zum Aufbau von Turm und Hügel. Demnach ist zunächst der Burghügel wallartig um das zu bauende Turmfundament herum aufgeschüttet und mit einer Lage aus Kalksteinen befestigt worden. Eine aufliegende humose Lehmschicht spricht dafür, dass dieser Bauabschnitt längere Zeit offen gelegen hat. Entsprechend dem Baufortschritt des Turmes sind weitere zum Fundament einfallende Schichten aufgeschüttet worden. Die Auffüllschichten bestehen aus umgelagertem Lößlehm, immer wieder unterbrochen durch stark humushaltige Bänder. Ein stärkeres Auffüllpaket ist offensichtlich durch schräg eingelassene Rundhölzer befestigt worden. Mit dem Abschluss der getreppten Fundamentzone laufen die Schichten des Burghügels dann annähernd waagerecht. Über den unteren Burghof wurde 2003 ein weiterer Graben für Versorgungsleitungen gelegt. Die baubegleitenden Untersuchungen konnten ab ca. 1 m Tiefe unter dem heutigen Hofniveau Baubefunde dokumentieren. Erfasst wurde ein Paket aus aufgetragenen Lagen organischen Materials (Pferdemist, Zweige u. Äste) und Lagen aus blauem Ton mit Muschelkalkbruchsteinen, das offensichtlich auf dem ehemals sumpfigen Burghof neuen Baugrund schaffen sollte. Seine Stärke betrug mindestens 2 m. Auf einer der oberen Lagen, ca. 1,8 m unter Burghofniveau stand ein ca. 50 cm starkes Mauerfundament aus in Lehm gesetzten Muschelkalkbruchsteinen, das wiederum einer pflasterartigen in Lehm gesetzten Kalksteinlage auflag. In der äußeren Fundamentkante befanden sich ausweislich des erfassten Ausschnittes in ca. 80 cm Abstand senkrechte verstärkende Eichenpfosten, die in die darunter liegenden Lagen eingetrieben worden sind. Das keramische Fundmaterial umfasst vor allem Scherben der harten grauen Irdenware, z. T. graphitiert, von Kugeltöpfen, wenige Randscherben von Mündelkeramik, Standböden und Randscherben von Ofenkacheln. Daneben fanden sich einige Scherben von weinrot-engobiertem Faststeinzeug, darunter ein Wellenboden und die Randscherbe eines Kruges. Dachziegelbruchstücke vom Typ Mönch und Nonne, Daubenschalenfragmente, ein außen facettierter gedrechselter Holzteller, ein Schlittknochen Fragment, ein zweireihiger Knochenkamm, der Teil eines groben Leinengewebes; Eisenfunde wie Messer, ein verzinnter Messerscheidenbeschlag, Nägel und ein verzinnter Eisenring komplettieren das Fundgut. Die Funde von 2003 weisen das gesamte Schichtpaket mit dem Fundament in die 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts. Die Herren von Warberg saßen bis zum Jahr 1200 auf der "Alten Burg" bei Warberg. Diese wurde damals in einer Fehde zwischen dem Pfalzgafen Heinrich und dem Erzbischof Ludolf von Magdeburg niedergebrannt. Darauf errichtete dieses Geschlecht einen neuen Sitz 1,5 km nordöstlich in der Niederung. Der Bau wurde von Konrad II. von Warberg veranlasst, der 1202 verstarb. Die Familie von Warberg wählte ihre namensgebende und als allodiales Eigentum gehörende Burg erst in den 1280er Jahren zum Hauptsitz ihres Geschlechts. Dies bezeugt ein Teilungsvertrag aus dem Jahre 1296. Im Jahre 1356 wurde die Burg bei einer kriegerischen Auseinandersetzung mit dem Erzbischof von Magdeburg teilweise zerstört. Danach baute man die Anlage größer und wehrhafter wieder auf. Vom 13. bis zum 15. Jahrhundert waren die Herren von Warberg eine bedeutende Adelsfamilie, so stellten sie unter anderem Dompröbste in Magdeburg und Bischöfe in Halberstadt. Der Einfluss und Reichtum der Familie schwand im Laufe des 16. Jahrhunderts. Im Schmalkaldischen Krieg standen sie auf der Seite der Feinde des Herzogs Heinrich des Jüngeren und mussten eine zeitweilige Besetzung der Burg durch seine Truppen hinnehmen. Trotz der großen Besitzungen und vielen Lehen schaffte es Anton der Ältere von Warberg (1533-1583) enorme Schulden anzuhäufen. 1568/69 musste das Geschlecht seine bisher bestehende Reichsunmittelbarkeit aufgeben, die Burg wird zum Lehen der Herzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel. Der Niedergang zeigt sich auch in mehreren Inventaren der Burgeinrichtung, die in der Folgezeit angelegt wurden. Daraus geht hervor, dass 1645 die Räume der Burg nahezu leergeräumt waren. 1654 wurde die Burg nach dem Tod des letzten Herren von Warberg als erledigtes Lehen von den welfischen Herzögen eingezogen. Die Anlage wurde zum Amtssitz, vorübergehend auch verpfändet und ab 1686 als Domäne genutzt. 1938 nahm in den Räumen der Burg die Reichslandhandelsschule ihren Sitz. Während des Krieges nutze man die Räume als Lazarett, Ausländerlager und in der Nachkriegszeit als Tuberkuloseheilstätte. Seit 1955 hat hier die Bundeslehranstalt Burg Warberg e.V. ihren Sitz. Der Bau der "Neuen Burg" zu Warberg durchlief viele Stadien. Sie beginnen mit der Errichtung durch Konrad II. von Warberg/Hagen als kleine Turmhügelburg in der Niederung. Die ersten größeren Befestigungsanlagen um den Wohnturm wurden unter dem Nachfolger Konrad III. zu Warberg fertiggestellt. Seit dem Ende des 13. Jahrhunderts wurde die Anlage weiter ausgebaut, da der Familiensitz der von Warbergs auf die Burg verlegt wurde. Im Jahre 1356 wurde die Burg in großen Teilen zerstört und musste erneuert werden. Einzig die Oberburg mit dem Bergfried entging der Zerstörung unbeschadet. Man legte daraufhin Teile des angrenzenden sumpfigen Geländes trocken und baute die Anlage großzügig aus. Aus dieser Zeit stammen die ältesten Steinfundamente der Unterburg. 1374 wird eine Kapelle in der Burg geweiht. Anton der Ältere von Warberg führte ab 1568 weitere Erneuerungsmaßnahmen durch. Im 30jährigen Krieg wurde die gesamte Nordostseite der Bebauung zerstört. Man errichtete notdürftig neue Gebäude an dieser Stelle, welche später als Getreidespeicher genutzt wurden. Mitte des 17. Jahrhunderts waren große Teile der Burg unbewohnbar. Erst nachdem die Burg 1654 in den Besitz der Landesherren fiel, wurden die Mittel zur Renovierung aufgebracht. Dabei wurde von einer Erneuerung der Oberburg wegen zu hoher Kosten abgesehen. Ab 1990 wurden durchgreifende Sanierungsmaßnahmen durch die Bundeslehranstalt und den Freundeskreis Warberg e.V. durchgeführt.
- Literatur
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- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro

