Historisches Gebäude der Staats- und Universiätsbibliothek
Gebäudeteil an der Prinzenstraße (2005)
Westflügel (2005)
Flügel nördlich der Kirche (2005)
Portal im Kernbau (2005)
Kernbau (2005)
Östlicher Flügel (2005)
Bau östlich der Kirche (2005)
- Landkreis
- Göttingen
- Samtgemeinde
- Göttingen, Stadt
- Gemeinde
- Göttingen
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Göttingen
- Adresse
- Prinzenstraße 1 Papendiek 14 Papendiek 15
- Objekttyp
- Bibliotheksgebäude
- Baujahr
- 1734 - 1737 (Kollegiengebäude auf den Grundmauern der Klausur)
- Personen
- Borheck, Georg Heinrich
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- e8f08e8d-b3be-49cf-882b-976eedd04f14
- System-ID
- #61676899
- ADABweb-ID
- 38085114
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Denkmalthema
- Universitaeten-in-Niedersachsen
- Beschreibung
- Der Komplex des Historischen Gebäudes der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen nimmt ein halbes Altstadtquartier zwischen Prinzenstraße, Papendiek sowie Paulinerstraße ein und besteht aus zwei- bis dreigeschossigen Massivbauten unter Walmdächern, die sich in mehreren Flügeln nördlich und östlich an die Paulinerkirche anschließen und dabei Innen- und Vorhöfe bilden. Historischer Kern und Keimzelle der Universitätsneugründung ist das heute größtenteils eingebaute, ehemals freistehende, barocke Geviert des Kollegiengebäudes aus den 1730er Jahren an der Nordseite der Kirche, das auf den Grundmauern des mittelalterlichen Klosters entstand, von dem mehrschiffige Kellerräume mit Kreuzgratgewölben erhalten sind. Innenhof und Rundbogenöffnungen des Kollegiengebäudes erinnern gestalterisch bis heute an den ehemaligen Kreuzhof. Erhalten ist auch das barocke Westportal, in dessen Tympanon ein Wappenschild die Initialen „GR2“ des Universitätsgründers (Georg Rex II.). Die bauliche Entsprechung an der Ostseite ist heute ein versetztes Blindportal, das wohl ehemals als Haupteingang der später verbauten Kollegiengebäude-Nordfassade diente. An das Kollegiengebäude schließt nach Süden bis zur Paulinerstraße die Büchersäle-Erweiterung der 1780er Jahre an, deren Fassaden den schweren Spätbarock des Architekten Borheck zeigen. Ein weiterer architektonischer Schwerpunkt des Gesamtkomplexes ist der 1878-1883 an der Prinzenstraße errichtete, monumentale Erweiterungsbau mit Neorenaissancefassaden, dessen drei Fassadengeschosse gestalterisch je zwei Nutzgeschosse überspielen und der ab 1883 auch den neuen Haupteingang aufnahm. Im Innern sind u.a. das repräsentative Eingangstreppenhaus sowie im „Heyne-Saal“ das bauzeitliche Stützensystem mit Büchermagazin detailliert erhalten.
- Denkmalbegründung
- Der Komplex des sogenannten Historischen Gebäudes der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen geht auf ein mittelalterliches Dominikanerkloster (Paulinerkloster) zurück, das nach der Säkularisation als höhere Schule (Pädagogium, Gymnasium) diente und ab 1734 zur Keimzelle der neu gegründeten Ernst-August-Universität wurde. Dazu errichtete man auf den Grundmauern des Klostergevierts 1734-1737 nach Plänen von Universitätsbaumeister Joseph Schädeler das Kollegiengebäude, wobei man Disposition, Kreuzhof und Geschosszahlen aufgriff und darunter gotische Gewölbekeller übernahm. Das im heutigen Gebäudekomplex bis heute erhaltene Kollegiengebäude war ein Mehrfunktionsbau mit Verwaltung und Hörsälen und enthielt im Obergeschoss einen großen stützenfreien Bibliothekssaal, dessen Nutzung und Räumlichkeiten sich fortan ausbreiteten. 1784-1787 wurde das Kollegiengebäude nach Entwurf von Georg Heinrich Borheck vollständig zur Bibliothek umgenutzt und u.a. um einen bis zur Paulinerstraße reichenden Ostflügel ergänzt. Die nächste große Erweiterung überbaute den bisherigen großen Vorplatz an der Prinzenstraße. Dazu entstand 1878-1883 nach Entwurf eines „Landbauinspektor Kühn“ durch die Baubeamten Hermann Cuno und Albert Kortüm ein Erweiterungsbau, der zugleich mit der Neustrukturierung und baulichen Überformung aller älteren Gebäude einherging. Der Prinzenstraßen-Neubau setzte mit monumentalen Neorenaissancefassaden in Göttingen neue städtebauliche Maßstäbe, die allerdings in der Altstadt ohne Nachfolge blieben. Die neuartige Bibliothekseinrichtung erlangte Aufmerksamkeit durch zeitgenössische Fachveröffentlichungen der Jahre 1883-1893, worunter die Beiträge des Mitarchitekten Kortüm herausragen, der den Bau auch im international renommierten „Handbuch der Architektur“ publizierte. Eine Erweiterungs-Sonderrolle spielte der jetzige Westflügel Papendiek 15, wo einst das barocke Akademische Museum stand, das nach dem Gesamtkonzept der 1870er Jahre einem weiteren Bibliothekstrakt weichen sollte. Nachdem dieser Vorgängerbau bereits 1877 abgeräumt worden war, dann der neue Westtrakt aber aus finanziellen Gründen entfiel, entstand mit zeitlicher Verzögerung 1903-1904 und stilangepassten Fassaden (und ohne erkennbare Baunaht) ein deutlich niedrigerer, zweigeschossiger Ergänzungsbau für das Geographische Seminar, der aber später ebenfalls komplett von der Bibliotheknutzung vereinnahmt wurde. Die Erhaltung des Historischen Gebäudes der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen liegt wegen seiner geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Bedeutung im öffentlichen Interesse. Die geschichtliche Bedeutung besteht in der ortsgeschichtlichen und landesgeschichtlichen Bedeutung aufgrund des Zeugnis- und Schauwertes für die Architektur- und Baugeschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts (bezüglich der Kellergewölbe auch des 14. Jahrhunderts) sowie die Stadtbaugeschichte, die Universitätsgeschichte und allgemein die Wissenschafts- und Bibliotheksgeschichte. Ferner ist der Baukomplex städtebaulich bedeutend als Element der Bibliotheksgruppe und wegen des prägenden Einflusses auf die umgebenden Straßen- und Platzbilder von Prinzenstraße, Papendiek, Goethe-Allee sowie als wichtiges Element von hohem Identifikationswert im räumlichen Gefüge des Göttinger Altstadtensembles.
- Literatur
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro
Gebäudeteil an der Prinzenstraße (2005)
Westflügel (2005)
Flügel nördlich der Kirche (2005)
Portal im Kernbau (2005)
Kernbau (2005)
Östlicher Flügel (2005)
Bau östlich der Kirche (2005)

