Häuserzeile (Baukomplex)
- Landkreis
- Stadt Emden (kreisfrei)
- Samtgemeinde
- Emden, Stadt
- Gemeinde
- Emden
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Emden
- Objekttyp
- Häuserzeile (Baukomplex)
- Denkmalstatus
- Gruppe baulicher Anlagen (gemäß §3 Abs. 3 S. 1 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- e884cdfb-84e8-4080-8213-22a0df2ce0b2
- System-ID
- #61596890
- ADABweb-ID
- 36356234
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Die Wohnhausgruppe besteht aus zweigeschossigen Reihenhäusern auf hohem Sockelgeschoss unter einem Satteldach. Es handelt sich um fünf dreichachsige Backsteinbauten und ein sechstes, fünfachsiges Wohnhaus mit abgewalmtem Dach an der Südseite. Erbaut 1925/26 durch den privaten Bauherrn Dipl.-Ing. Kurt Hermann Bergfried nach Entwurf des Architekten Hans Niederstraßer (1902-1999). Die einzelnen Häuser werden jeweils mittig durch einen Zwerchgiebel mit dreieckigem Abschluss, einer Sandsteinbekrönung und einem Dreiecksfries hervorgehoben. Die Fassadengliederung erfolgt durch ein durchlaufendes Gurt- und ein Traufgesims, die Obergeschosse weisen – auch an der Rückseite – eine Gliederung mit übereckgestellten Lisenen auf. Die Eingänge der fünf mittigen Wohnhäuser befinden sich jeweils in der dritten Achse und haben eine vorgelegte Freitreppe. Die Haustüren werden von einem umlaufenden Fensterband mit geschnitzten Sprossen gerahmt. Bauzeitlich gehört die Nr. 38 zu der Wohnhausgruppe, auch dieser fünfachsige Kopfbau hat ein Zwerchhaus in der zweiten Achse. An den Giebeln sind Sandsteinreliefs angebracht, die Motive wie ein Hermeskopf oder ein Äskulapstab weisen auf die Berufe der Eigentümer und Bauherren hin. Im Norden wurde die Wohnhausgruppe 1952 um zwei Bauten (Nr. 33a und 33b) unter Satteldächern verlängert. Die Entwürfe für das Gemeindehaus und das zweigeschossige Pfarrhaus mit einem neobarocken Eingang (Nr. 33a) stammen von den Architekten Franz Latta und Hans-Diedrich Janssen. Die schmucklosen Backsteinfassaden haben profilierte Traufgesimse. Der Giebel des eingeschossigen, dreiachsigen Gemeindesaals (Nr. 33b) ist im Erdgeschoss mit zwei Reihen quadratischer Fenster versehen, im Giebeldreieck befindet sich ein Rundfenster, flankiert von je einem schmalen, hochrechteckigen Fenster, davor nachträglich ein Balkon gesetzt. Die Vorgärten mit den teilweise bauzeitlichen Einfriedungen aus Backstein nehmen durch ihre unterschiedliche Tiefe den geschwungen Straßenverlauf auf.
- Denkmalbegründung
- An der östlichen Seite der Ringstraße entstand 1925 eine Wohnhausgruppe nach den Entwürfen des Architekten Hans Niederstraßer. Ausgeführt wurden von den ursprünglich neun geplanten Reihenhäusern die mittleren fünf, als sechstes befindet sich an der Südseite ein Wohnhaus mit abgewalmtem Dach, das sich in der Größe und durch den anders gestalteten Eingang von den mittleren Reihenhäusern unterscheidet, ansonsten wird jedoch die Fassadengestaltung mit Zwerchhäusern über der jeweils zweiten Achse fortgeführt. Es gehört wiederum zu den geplanten Kopfbauten, die an drei Seiten einen kleinen Hof umrahmen sollten. Der erste Entwurf aus dem Frühjahr 1925 zeigt einen traditionellen Gebäudekomplex aus einem schlichten Baukörper unter traufständigem Satteldach. Die einzelnen Wohnhäuser sind durch Zwerchhäuser mit barockisierenden Schweifgiebeln hervorgehoben. Die an den Außenseiten gelegenen Wohnhäuser sind größer und weisen straßenseitig einen dominanten Schweifgiebel auf. Dieser Entwurf steht für einen konservativen Stil, der der Heimatschutzarchitektur des frühen 20. Jahrhunderts verpflichtet ist. Innerhalb weniger Monate kam es 1925 zu einem Stilwandel. Während die traditionelle Kubatur beibehalten wurde, ersetzte der Architekt die neobarocken Zwerchgiebel durch Treppengiebel mit einem Mauerverband in Fischgrätmuster. Der Baudekor, beispielsweise der Zackenfries und die übereckgestellten Lisenen, zeigt nun kristalline Formen des modernen Backsteinexpressionismus. Die Wohnhausgruppe in der Ringstraße ist von besonderer architekturhistorischer Bedeutung, da sie den Übergang vom Heimatschutzstil zum Backsteinexpressionismus zeigt. Während die Kubatur erhalten blieb, wandeln sich die neobarocken Elemente in expressionistisches Dekor. Die Wohnhausgruppe an der Ringstraße gehört somit zu den ersten Bauten des Backsteinexpressionismus in Emden, weitere prominente Vertreter dieses Stils, die seit 1925 errichtet wurden, sind u.a. das Finanzamt in der Ringstraße, die Sparkasse in der Großen Straße und die Herrentorschule. Hinzu kommt eine künstlerische Bedeutung aufgrund der nicht alltäglichen Gestaltung insbesondere der handwerklich qualitätvollen Haustürrahmungen mit floralen Elementen, für die ein Bildhauer beauftragt wurde. Die Ringstraße wurde um 1900 nach dem Stadterweiterungsplänen von Hermann Josef Stübben unter dem langjährigen Emder Bürgermeister Leo Fürbringer als breite Avenue angelegt, sie verläuft halbkreisförmig um die Altstadt mit dem Befestigungsgürtel. Auf dem Areal des Kaiser-Wilhelm-Polders entstand ein neues Stadtviertel, das sog. Behördenviertel, benannt nach den zahlreichen öffentlichen Bauten an der Ringstraße wie das Amtsgericht, die Industrie- und Handelskammer und das Finanzamt. Im nördlichen Abschnitt werden vor allem nach dem Ersten Weltkrieg repräsentative Wohnhäuser für wohlhabende Bürger errichtet. An städtebaulich prominenter Stelle gehört die Wohnhausgruppe Ringstraße 33-38 zu diesen Wohnhäusern. Die soziale Stellung der Bauherren bzw. Eigentümer der einzelnen Häuser werden durch die Sandsteinreliefs unterhalb der Zwerchgiebel dargestellt, beispielsweise Werkzeuge (Nr. 35) für den Heizungsfabrikanten Radloff und Äskulapstab (Nr. 38) für den Arzt Dr. Karl Zibell. Der ursprüngliche Plan mit den dreiflügeligen Kopfbauten wurde nie ausgeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Nordwestende durch zwei Bauten für die evangelisch-lutherische Kirche, ein Gemeindesaal (Nr. 33b) und ein Pfarrhaus (Nr. 33a), verlängert. Beide Häuser stammen von den Architekten Franz Latta und Hans-Diedrich Janssen, die mit verschiedenen Projekten am Wiederaufbau Emdens vertreten waren, u.a. beim Apollo-Kino. Sie greifen die Kubatur mit ihrer Firsthöhe auf, bei dem Pfarrhaus kommt es mit der neobarocken Haustür zu einem konkreten Rückgriff auf den ersten Entwurf von Niederstraßer. Die beiden Nachkriegsbauten stehen für die Stadtgeschichte und den Wiederaufbau Emdens nach dem Zweiten Weltkrieg. Die erläuterte architektur- und stadtgeschichtliche, künstlerische und städtebauliche Bedeutung begründet den Denkmalwert und somit das öffentliche Erhaltungsinteresse.
- Untergeordnete Objekte (ID | Typ | Adresse)
- 61753100 | Pfarrhaus | Ringstraße 33 a
61690959 | Gemeindehaus | Ringstraße 33 b
61597197 | Wohnhaus | Ringstraße 33
61753106 | Wohnhaus | Ringstraße 37
61753107 | Wohnhaus | Ringstraße 38
61753104 | Wohnhaus | Ringstraße 36
61753102 | Wohnhaus | Ringstraße 34
61753103 | Wohnhaus | Ringstraße 35
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro

