Burg
- Landkreis
- Cuxhaven
- Samtgemeinde
- Cuxhaven, Stadt
- Gemeinde
- Sahlenburg
- Objekttyp
- Burg
- Baujahr
- Mittelalter
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- d62a3620-615d-4128-97b9-cb9512ffbf3b
- System-ID
- #60799310
- ADABweb-ID
- 28905252
- Fachbereich
- Archäologie
- Beschreibung
- Burg. Nördlich von Sahlenburg westlich des Karl-Waller-Weges und nördlich des Weges "Am Galgenberg" liegt der sogenannte „Galgenberg“. Beim Galgenberg handelte es sich ursprünglich um einen bronzezeitlichen Grabhügel, der im Mittelalter aufgeschüttet und mit einem Trockengraben und Ringwall umgeben wurde. Die Ausmaße der Gesamtanlage betragen ca. 100x90 m. Der Wall ist zum Teil bereits stark verschliffen. In den noch besser erhaltenen Bereichen an der Ost-Seite beträgt seine Breite ca. 12 m und die Höhe ca. 2 m. Der runde Hügel hat einen Durchmesser von ca. 60 m und erreicht eine Höhe von ca. 7 m. Auf den Hügel führen mehrere Trampelpfade. Insbesondere die westliche Hügelflanke ist durch das Befahren mit Mountainbikes stark gestört. Die erste Grabung fand bereits im Jahr 1843 statt, bei der eine große Steinkammer, die wahrscheinlich in der Bronzezeit angelegt worden war, sowie Urnen entdeckt wurden. Um 1895 wurde die Anlage mehrfach beraubt, 38 der erbeuteten Urnen wurden an das Völkerkundemuseum in Hamburg verkauft. 1906 und 1930 fanden weitere Ausgrabungen statt, bei denen neben Urnen auch mindestens 34 altsächsische Körpergräber freigelegt wurden. Ab 2013 ist die Anlage erneut in den Fokus der Forschung gerückt. Altgrabungen haben gezeigt, dass sich im Kern des heutigen Galgenbergs ein bronzezeitlicher Mehrperiodenhügel verbirgt. Beim mittelalterlichen Ausbau hat man diese künstliche Geländeerhöhung offenbar ganz gezielt zum Bau einer „Turmhügelburg“ genutzt. Leider fehlten bisher konkretere Informationen zu dieser mittelalterlichen Ausbauphase. Im Zusammenhang mit einer geplanten touristischen In- Wert-Setzung des rund 2,5 ha großen Geländes sollte deshalb versucht werden, diese Forschungslücke zu schließen. Dazu erfolgten 2013 im Rahmen einer Kooperation der Stadtarchäologie Cuxhaven mit der Universität Leipzig erste archäologische Ausgrabungen direkt auf dem Hügelplateau. Da aufgrund von Altgrabungen seit der Mitte des 19. Jhs. sowie durch eine intensive militärische Nutzung während des Zweiten Weltkrieges von vornherein mit größeren Störungsbereichen zu rechnen war, hatte diese Maßnahme zunächst das Ziel, die lokalen Erhaltungsbedingungen zu erkunden und ungestörte Bereiche zu erkennen. Zu diesem Zweck wurde ein Nord-Süd orientierter Grabungsschnitt von 15,5 m Länge und 3 m Breite, der sowohl die Hügelmitte als auch Randbereiche des Plateaus umfasste, angelegt und bis auf eine Tiefe von durchschnittlich 1,5 Meter abgetieft. Dabei erwies sich der Abschnitt zur Hügelmitte hin als tiefgründig gestört, während die zum Rand des Hügelplateaus weisenden Bereiche einen weitgehend ungestörten Aufbau zeigten. In diesem Bereich konnten verschiedene Baubefunde dokumentiert werden, die größtenteils auch Material für eine C-14-AMS-Datierung lieferten. Die Basis des Ausgrabungsschnitts bildeten Plaggenlagen, die kleinere und größere Holzkohlekonzentrationen enthielten. Darin eingelagert und stratigrafisch jünger war eine lineare Struktur aus überkopfgroßen Feldsteinen, die zum Teil durch kleinere Steine gestützt war und die partiell verkohlte Knüppelhölzer überlagerte. Zur Hügelmitte hin schloss sich an diese Feldsteinkonstruktion eine, jedoch nur teilweise erhaltene Steinpflasterung an. Auch hier zeigten sich deutliche Spuren eines Brandereignisses. Dem linearen Feldsteinbefund zum Plateaurand hin unmittelbar vorgelagert war eine Anzahl von Pfostensetzungen geringen Durchmessers. Da Pfostengruben nicht festzustellen waren, ist anzunehmen, dass die Hölzer direkt in den aus Plaggen aufgeschütteten Boden gerammt worden sind. In begrenztem Umfang haben sich als faserige und mürbe Struktur Reste dieser Hölzer erhalten, die für eine 14C-AMS-Datierung genutzt wurden. Vereinzelt wurden urgeschichtliche Keramikscherben geborgen, die allerdings erst sekundär beim Bau der Anlage in den Untergrund gelangten. Sie konnten deshalb für eine Datierung dieser Befunde nicht verwertet werden. Ziel der Maßnahme im Jahr 2014 war zunächst die 2013 auf dem Hügelplateau aufgedeckten mittelalterlichen Befunde über die Grenzen des bisherigen Grabungsschnitts hinaus weiter zu verfolgen. Die Steinsetzung wie auch verschiedene Plaggenschichtungen konnten im westlich ansetzenden neuen Grabungsschnitt 6 zwar ebenfalls identifiziert werden, sie waren jedoch durch eine großflächige militärische Eingrabung im Zweiten Weltkrieg nur noch im Ost-Profil erkennbar. Im östlich angrenzenden Grabungsschnitt 4 ließen sich hingegen nur Plaggenschichtungen erkennen, die von modernen Aufträgen und Störungen überlagert waren. Die lineare Steinsetzung fand sich hier nicht mehr. Sie dürfte demnach im rund 4 m breiten Profilsteg, der der modernen Vegetation geschuldet war, enden. Allerdings konnten in der ungestörten Hügelsubstanz eine ungeordnete Steinlage sowie einzelne Pfostenstandspuren nachgewiesen werden, die im Zusammenhang mit Baugrundbefestigungen oder der ehemaligen Bebauung auf der „Turmhügelburg“ stehen könnten. Nach wie vor aber ließen die ausschnitthaften Baustrukturen keine zweifelsfreie Ansprache zu. Die für die rund 6 m hohe „Turmhügelburg“ erforderliche Plaggenschüttung konnte in Schnitt 4 unterhalb der modernen Aufträge und Störungen zweifelsfrei erkannt werden. Sie bestand aus unterschiedlich gut erhaltenen Plaggenlagen, die bisher bis zu einer Tiefe von 1,9 m unter der heutigen Oberfläche verfolgt werden konnten. Im Bereich dieser Hügelstruktur fand sich auch eine Schicht, die auffällig mit verbrannten Lehmbrocken und Holzkohle durchsetzt war. Das Material weist auf ein Brandereignis hin, wobei allerdings offen bleiben muss, ob der Brandschutt nur planiert oder auch umgelagert worden ist. Ein weiterer Grabungsschnitt am Hügelfuß (Schnitt 5) sollte der Klärung des Übergangs vom Burghügel in den sich anschließenden Grabenbereich dienen. Obwohl der Grabungsschnitt rund 2 m in den Hügel hinein reichte, ließ der auf 3 m breite freigelegte Hügelfuß keinerlei Befunde erkennen, die auf eine Befestigung aus Steinen oder Holz (Mauer oder Palisade) hinwiesen. Stattdessen ging der Hügelfuß ohne Absatz oder Berme in einen rund 1,6 m breiten und 1 m tiefen Graben über. Die Grabenverfüllung war geschichtet. Erodiertes Material des Hügelfußes sowie ein neuzeitliches Kolluvium überlagerten den Graben. Nicht geklärt werden konnte, ob der Grabenaushub für die Errichtung der „Turmhügelburg“ Verwendung fand. Auch eine begrabene alte Oberfläche an der Hügelbasis konnte nicht dokumentiert werden, sodass das Verhältnis zu dem im Kern des mittelalterlichen Galgenberges vermuteten, bronzezeitlichen Mehrperiodengrabhügel weiterhin unbestimmt bleibt. Zum Abschluss der fünfjährigen Ausgrabungen am Galgenberg konnten 2017 einige offen gebliebene Fragen beantwortet werden. Zunächst sollten die Erhaltungsbedingungen und der Aufbau im Südwest-Bereich des Hügelplateaus geklärt werden (Abschnitt A). Der aus Plaggen aufgeschichtete mittelalterliche Ausbau konnte im westlichen Randbereich der Untersuchungsflächen knapp unterhalb der heutigen Grasnarbe aufgedeckt werden. Je weiter sich die Grabungsfläche dem Hügelzentrum näherte, umso tiefer lag die Obergrenze des nachweisbaren Plaggenauftrages und umso mächtiger wurden die modernen Auftragsschichten, die dem Hügel seine heutige Gestalt verleihen. Mehrere Bohrproben legen nahe, dass diese Auftragsschichten im östlichen Teil von Abschnitt A mindestens 2,3 m mächtig sind. Somit muss auch der südliche Plateaubereich, der heute den Zugang zur Hügelkuppe markiert, als tiefgründig gestört angesprochen werden. Eine schmale Untersuchungsfläche im Nordwesten der Hügelkuppe (Abschnitt B) sollte den weiteren Verlauf der 2013 und 2015 aufgedeckten linearen Steinstruktur mit umgebender Brandschicht und paralleler Pfostenreihe klären. Dies gelang nicht. Vielmehr zeigte sich eine moderne Eingrabung, die einen steinernen Messpunkt enthielt, der mit Vermessungsarbeiten des 19. Jh.s. in Verbindung gebracht werden kann. Eine weitere Untersuchungsfläche (Abschnitt C) befand sich am nördlichen Hügelfuß und sollte – in Fortsetzung des Grabenprofils von 2014 – den Übergang vom Graben zum Wall klären. Dabei gelang die Anbindung an einen Grabungsschnitt aus dem Jahr 1906. Zusammen genommen ergibt sich ein 12 m langes Gesamtprofil, das Hinweise auf die stratigraphische Abfolge der einzelnen Baueinheiten liefert. Für die Holzkohlen aus der Plaggenschichtung und aus der Feldsteinstruktur liegen bereits Datierungen vor: Sie weisen einheitlich in das späte 7. bis frühe 8. Jh. Damit ist zumindest eine Bauphase dieser Anlage zeitlich bestimmt. Der ausschnitthafte Steinbefund lässt eine zweifelsfreie funktionale Interpretation bislang nicht zu. Denkbar ist eine Ansprache als konstruktives Stützelement der Turmhügelburg (Baugrundbefestigung) bzw. als Rest eines Gebäudes. Sowohl Hügelausbau als auch Wallerrichtung repräsentieren eine einzige Ausbauphase im 9./10. Jh. Zwei abweichende Datierungen aus der Grabenverfüllung sind durch Sedimentationsvorgänge zu erklären, bei denen älteres Material in den Graben gelangte. Die zentrale Bestattung des Grabhügels dürfte in die ältere Bronzezeit datieren. Nachbestattungen stammen aus der vorrömischen Eisenzeit, der Römischen Kaiserzeit sowie der Völkerwanderungszeit. Die Errichtung der Burganlage erfolgte im späten Frühmittelalter. Der Hügel wurde bis in das 19. Jh. als Richtstätte genutzt. Die Burganlage ist archivalisch nicht überliefert. Eine naheliegende Flurstelle, auf der eine frühmittelalterliche Siedlung liegt, trägt den Namen 'de Borg' und auch der Ortsname Sahlenburg könnte auf die Burgstelle verweisen. 1695 wurde die Stelle in Akten des Amtes als 'Sahlenburger Berg' bezeichnet.
- Übergeordnete Objekte (ID | Typ)
- 61161267 | Grabhügelfeld
- Literatur
-
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS

