Emsmauer
- Landkreis
- Stadt Emden (kreisfrei)
- Samtgemeinde
- Emden, Stadt
- Gemeinde
- Emden
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Emden
- Adresse
- Emsmauer
- Objekttyp
- Stadtmauer
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Wissenschaftliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- d4918f77-82c9-4ca0-af13-50afcc356cd2
- System-ID
- #61765351
- ADABweb-ID
- 52794938
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Letztes erhaltenes Teilstück der sog. Emsmauer, die ehemals südliche Begrenzung der Seehafenstadt Emden zur unmittelbar südlich entlang der Mauer vorbeifließenden Ems. Das Teilstück heute entlang der nordöstlichen Grundstücksgrenzen der Reihenhausbebauung Ringstraße 33 bis 36 stehend, im Osten bis zum Fußweg am Friedhof reichend, nach Norden angebaut. Aufgehendes Backsteinmauerwerk von ca. 3 m Höhe aus Klosterformatsteinen ohne ausgebildete Mauerkrone, ca. 1,5 m stark, zwei Durchbrüche zu den Grundstücken Ringstraße 33 und Ringstraße 35. Im Ursprung errichtet im frühen 16. Jahrhundert.
- Denkmalbegründung
- Emden wurde um 800 als friesische Handelsniederlassung unmittelbar am nördlichen Flussufer der Ems angelegt, die vor der Mündung in den Dollart hier ehemals eine Flussschleife nach Norden ausbildete. Die günstige Lage beförderten den Seehandel und die Entwicklung der Siedlung, die im 15. Jahrhundert unter der Herrschaft der Cirksena auch formalrechtlich zur Stadt wurde. Eine große Blüte erreichte die Seehafenstadt in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, als durch den Achtzigjährigen Krieg zwischen Spanien und der nördlichen Niederlande viele Glaubensflüchtlingen in die Stadt kamen und die niederländischen Häfen behindert waren. In dieser Zeit wurden die Befestigungsanlagen der Stadt ausgebaut und im frühen 17. Jahrhundert mit den Wallanlagen weiter verstärkt. Während die Wallanlagen mit Bastionen, hohen Wällen und breiten Gräben die Stadt zur Landseite sicherten, bestand nach Süden zur Ems, die hier unmittelbar an die Stadt grenzte, die sog. Emsmauer. Auf historischen Karten und Ansichten der Stadt Emden ist die Emsmauer dargestellt. Als Teil der Stadtbefestigung sowie als Uferbefestigung und Hochwasserschutz wurde die Mauer ursprünglich wohl nach der nach der Zweiten Cosmas- und Damianflut von 1509 errichtet. Bekannt ist ein umfassender Neuaufbau der Mauer südlich der Großen Kirche, nachdem diese bei einer Flut 1776 umgestürzt war. Nachdem es durch die Zweiten Cosmas- und Damianflut zu einem Durchbruch der Ems kam, die nun durch ein neues Flussbett von Osten direkt in den Dollart mündete, verschlammte der nördliche Flusssschleife langsam und die Zufahrt zum Emder Hafen wurde zunehmend schwieriger. 1845-49 wurde schließlich das Emder Fahrwasser ausgehoben, das den alten Stadthafen mit der Ems verband, und das Areal südlich der Altstadt wurde eingedeicht (1854 Königspolder, 1876 Kaiser-Wilhelm-Polder). Ende des 19. und Anfang 20. Jahrhunderts entstanden moderne Hafenanlagen im Süden der Stadt. Die Emsmauer wurde funktionslos und im Laufe des 19. und 20. Jahrhundert weitgehend abgetragen, um die städtebauliche Entwicklung Emdens nach Süden nicht zu behindern. Auf Grundlage der Planung von Josef Stübben aus dem Jahr 1896 wurden die Ringstraße und das Behördenviertel angelegt und sukzessive bebaut. Der Verlauf der Emsmauer ist auf zahlreichen historischen Stadtplänen kartiert und kann im Stadtgrundriss noch nachvollzogen werden: Von Osten vom Delft ausgehend zeichnet die Emsmauerstraße den ehemaligen Mauerverlauf nach. Im Bereich der ev.-ref. Großen Kirche verlief die Mauer entlang der der südlichen Begrenzung des Friedhofes. Westlich anschließend bildete die Mauer die südliche Befestigung der einstigen Emder Burg (im 18. Jh. abgetragen) und schloss an die Wallanlagen an; hier hinter der Reihenhausbebauung Ringstraße 33 – 38 hat sich das letzte noch mit aufgehendem Mauerwerk erhaltenen Teilstück erhalten. Bei einer archäologischen Grabung südlich der Großen Kirche wurden Reste der Emsmauer und der Fundamente dokumentiert: Dicht aneinander gesetzten Rammpfählen bilden das Fundament, auf dem acht Schichten aus Sandsteinquadern lagern, ab einer Tiefe von ca. -1,7 m folgt Backsteinmauerwerk. Nur die unteren vier Sandsteinlagen scheinen im Originalzustand erhalten zu sein, das nachfolgende Mauerwerk ist wohl im Zuge der Reparatur 1777 neu aufgesetzt worden. Durch dendrochronologische Untersuchungen der Pfähle konnte die Errichtung um das Jahr 1520 ermittelt werden. Der grundsätzliche konstruktive Aufbau und die Fundamentierung der Emsmauer sowie die ursprüngliche Errichtung im frühen 16. Jahrhundert sind auch für das erhaltene Teilstück anzunehmen. Die Emsmauer hat eine hohe stadtgeschichtliche sowie siedlungs- und stadtbaugeschichtliche Bedeutung. Durch die ursprüngliche Funktion der Mauer – Hochwasserschutz, Ufer- und Stadtbefestigung – die sich durch die besondere Lage der Stadt Emden unmittelbar an der tideabhängigen Flussmündung der Ems ergab, hat die Emsmauer weiterhin eine geschichtliche Bedeutung aufgrund des Zeugnis- und Schauwertes durch beispielhafte Ausprägung dieser einstigen Stadtbefestigung. Als das einzige sichtbar erhaltene Teilstück einer Stadtmauer in Ostfriesland hat die Emsmauer aufgrund des Seltenheitswertes zudem eine wissenschaftliche Bedeutung. Aus diesen Gründen liegt der Erhalt der Emsmauer im öffentlichen Interesse.
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro

