Wohn-/Geschäftshaus
- Landkreis
- Leer
- Samtgemeinde
- Leer (Ostfriesland), Stadt
- Adresse
- Heisfelder Straße 10
- Objekttyp
- Wohn-/Geschäftshaus
- Baujahr
- 1783 (i)
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Wissenschaftliche Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- d377e1c6-2fb3-4482-abc0-be3ebf3b63e4
- System-ID
- #61777543
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- An der Straßenecke Heisfelder Straße/ Ostersteg stehendes Wohn- und Geschäftshaus, eingeschossiger Backsteinbau unter Satteldach, hochrechteckige Tür- und Fensteröffnungen. Die beiden Straßenfassaden verputzt mit Mauerwerksankern, der Westgiebel zur Heisfelder Straße im Erdgeschoss durch Passage, Geschäfts- und Schaufenstereinbau baulich überformt, mittig Steintafel mit Rahmung und inschriftlicher Datierung 1783, über einem Gurtgesims im ersten Dachgeschoss drei Fenster mit Steinbänken, im zweiten Dachgeschoss zwei etwas kleinere Fensteröffnungen, in die Giebelspitze gebogener, dekorativer Mauerwerksanker, darüber der Schildgiebel mit halbrundem Aufsatz und integrierter Kartusche. Die nördliche Trauffassade mittig mit zwei Fenstern, links kleines Oberlicht (zugesetzte Fensteröffnung), profiliertes Traufgesims. Der rückseitige Ostgiebel geschlämmt mit Mauerwerksankern, im Erdgeschoss der Hauseingang etwas außermittig nach links verschoben, rechts zwei Fenster mit Steinbänken, links breite Fensteröffnung, im Giebel mittig übereinander in beiden Dachgeschossen Ladeluke mit Holzblockrahmen, jeweils beidseitig flankiert von einem kleinen, quadratischen Holzblockrahmenfenster, in der Giebelspitze Kranbalken, der Schildgiebel mit Beitelmauerwerk und dreieckigem Aufsatz. Im Inneren Mittelflurerschließung im östlichen Hausteil erhalten, nach Nordwesten zwei Kellerräume mit Holzbalkendecke und korbbogigem Durchgang, historistische Holztreppe ins ersten Dachgeschoss, hier nur nach Westen Wohnräume eingebaut, der übrige Dachraum ohne Ausbau, im hinteren Drittel Backsteinwand mit korbbogigem Durchgang und zwei zum First zusammenlaufenden Schornsteinen, das Dachtragwerk aus Nadelholz als Kehlbalkendach ohne Stuhlkonstruktion mit zwei aufgeblatteten Kehlbalkenlagen und Windrispen, am Ostgiebel im zweiten Dachgeschoss in der Achse der Ladeluken Windenrad. Nach Nordosten kleiner Wirtschaftsanbau, wohl Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet, zweigeschossiger Backsteinbau unter Satteldach, weiß geschlämmte Fassade mit Mauerwerksankern, im Erdgeschoss nach Norden Tor, im Obergeschoss darüber Ladeluke im Holzblockrahmen, nach Osten Schildgiebel mit Beitelmauerwerk.
- Denkmalbegründung
- Die Heisfelder Straße führt in Fortsetzung der Brunnenstraße nach Norden und war um 1700 wohl bis etwa zum Bummert Teil des Weichbildes des Marktfleckens Leer. Das Haus an der Heisfelder Straße 10 kam Ende der 1840er Jahren an den Kaufmann und Schiffsbauherr Heye Sieben Straatmann, der es baulich verbesserte und einen Stallanbau auf gleicher Grundfläche neu erbaute. Nach zwei kurzzeitigen Eigentümerwechseln ging der Besitz Mitte der 1870er Jahre an den Kaufmann Carl Gustav Thiele, der das Haus bis Anfang des 20. Jahrhunderts bewohnte. Es folgte Hermann Mennenga, der bis in die Zwischenkriegszeit eine „Drogen-, Material- und Farbewarenhandlung en gros“ betrieb. Baupläne aus dem Jahr 1919 zeigen den ursprünglichen Erdgeschossgrundriss mit Mittelflur und die Straßenfassade mit klassizistischem Hauseingang, der schmale Raum zwischen den Häusern Heisfelder Straße 8 und 10 wurde baulich geschlossen, um die beiden südlich des Flures liegenden Kontorräume zu erweitern. Der Geschäfts- und Ladeneinbau erfolgte 1950, im Jahr 1984 wurde die Passage an der nordwestlichen Gebäudeecke hergestellt. Trotz der baulichen Veränderungen im Erdgeschoss der westlichen Straßenfassade ist die Grundstruktur und -substanz des historischen Kaufmannshauses erhalten. Es folgt dem in Leer vom 16. bis ins frühe 19. Jahrhundert verbreiteten Gebäudetyp des eingeschossigen Giebelhauses. Der rückseitige Ostgiebel lässt durch die Ladeluken und kleinen Fenster die ursprüngliche Funktion des Dachraumes als Lagerfläche erkennen. Bemerkenswert ist das weitgehend ungestört erhaltene Dachwerk, nur der westliche Teil des ersten Dachgeschosses ist zu Wohnraum ausgebaut. Es handelt sich um ein Kehlbalkendach mit zwei aufgeblatteten Kehlbalkenlagen und Windrispen. Da keine Stuhlkonstruktion vorhanden ist, ergibt sich ein stützenfreier Dachraum. Am östlichen Giebel hat sich im Zusammenhang mit den Ladeluken ein Windenrad erhalten. Das Wohn- und Geschäftshaus an der Heisfelder Straße 10 mit dem kleinen nordöstlichen Anbau ist von geschichtlicher Bedeutung im Rahmen der Ortsgeschichte sowie aufgrund des Anschauungswertes als beispielhaftes Kaufmannshaus des späten 18. Jahrhunderts. Von besonderer Bedeutung für die Bau- und Gefügeforschung ist das in weiten Teilen unverändert erhaltene Dachtragwerk. Das Gebäude hat an der Straßenecke Heisfelder Straße/ Ostersteg eine prägende Wirkung auf das Straßenbild und damit eine städtebauliche Bedeutung. Aus diesen Gründen besteht ein öffentliches Erhaltungsinteresse.
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS

