Zollhaus
- Landkreis
- Leer
- Samtgemeinde
- Leer (Ostfriesland), Stadt
- Gemeinde
- Leer
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Leer
- Adresse
- Bahnhofsring 4
- Objekttyp
- Zollhaus
- Baujahr
- 1863
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Künstlerische Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- cabacfc1-231a-4182-bbbb-08a5ff9d6900
- System-ID
- #61540822
- ADABweb-ID
- 35664324
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Großer, etwa 70 Meter langer Backsteinbau mit Satteldach, über einem Kellergeschoss zwei Vollgeschosse sowie ein Dachgeschoss mit Drempel, die backsteinsichtigen Fassaden gegliedert durch Lisenen und regelmäßige Achsen mit segmentbogigen Tor- und Fensteröffnungen, bauzeitliche Gusseisenfenster, im Erdgeschoss Laderampen und Vordächer, der hohe Drempel durch gemauerte Friese und Blenden detailreich gestaltet, an den Gebäudeenden quergestellte Kopfbauten mit dreieinhalbgeschossigen Risaliten und fialenbesetzen Schildgiebeln, an der westlichen Längsseite mittig Vorbau mit ehemals offener Durchfahrt. Im Inneren dreischiffige Tragstruktur, im Kellergeschoss mit Sandsteinpfeilern, im Erd- und Obergeschoss gusseisernen Stützen, kräftig dimensionierte Sattelhölzer, Längsunterzüge und eng liegende Deckenbalken. Errichtet 1863.
- Denkmalbegründung
- Das Zollhaus wurde 1863 als Lagergebäude zur zollfreien Niederlage errichtet. Für den Standort entscheidend war die unmittelbare Nähe zum 1856 eröffneten Bahnhof sowie die Lage am Georgsdock, ein nur zwei Jahre zuvor, 1861, fertiggestelltes, tideunabhängiges Hafenbecken, benannt nach König Georg V. von Hannover. Mit Errichtung der Seeschleuse 1903 wurde der gesamte Hafen tideunabhängig, das Georgsdock verlor an Bedeutung und wurde in den 1920er Jahren größtenteils wieder zugeschüttet, so dass der ursprüngliche räumliche Kontext heute nicht mehr vorhanden ist. Das mit Seehafen- und Bahnanschluss günstig gelegene Zollhaus diente zur Lagerung von Waren – Gewürze, Tee und anderweitige Überseewaren – die erst nach Zahlung des fälligen Zolls ausgeliefert werden konnten. Nachdem die Funktion als Zoll- und Lagerhaus aufgegeben wurde, nutzten zweitweise die Bundeswehr und die Olympiawerke das Gebäude, das 1994 nach 15 Jahren Leerstand vom Zollhausverein übernommen, saniert und als Veranstaltungszentrum umgenutzt wurde. Der mächtige, rund 70 Meter lange Baukörper des Zollhauses war ein Ausdruck des wirtschaftlichen Aufschwungs der Seehafenstadt Leer und wurde für einen Funktionsbau äußerst repräsentativ gestaltet. Durch Lisenen, regelmäßig angeordnete Fensteröffnungen und ein detailreich gemauertes Traufgesims sind die zweieinhalbgeschossigen Längsseiten des Backsteinbaus rhythmisch gegliedert. An den Enden des Gebäudes sind dreigeschossige Kopfbauten ausgebildet, die von gestuften und mit Fialen bekrönten Schildgiebeln wirkungsvoll überragt werden. Bemerkenswert ist der große Bestand an bauzeitlichen Gusseisenfenstern. Im Inneren zeigt sich eine dreischiffige Tragstruktur mit regelmäßig gesetzten Sandsteinpfeilern im Kellergeschoss und gusseisernen Stützen im Erd- und Obergeschoss, die über kräftig dimensionierte Sattelhölzer, Längsunterzüge und eng liegende Deckenbalken die Lasten der ehemaligen Lagerböden aufnahmen. In den Kopfbauten haben sich die historischen Treppenhäuser mit Blockstufen und Metallgeländer erhalten. Bemerkenswert ist der insgesamt äußert authentische Erhaltungszustand des Gebäudes. Ein typengleiches Zollhaus wurde 1860 am Eisenbahndock in Emden errichtet. Das Zollhaus in Leer hat geschichtliche Bedeutung im Rahmen der Stadt- und Wirtschaftsgeschichte sowie aufgrund des Zeugnis- und Schauwertes durch die beispielhafte Ausprägung dieses Gebäudetypus. Zudem kommt dem Zollhaus eine künstlerische Bedeutung zu aufgrund des nicht alltägliches Gestaltwertes der Backsteinfassaden im Stil der Hannoverschen Schule. Durch die prägende Wirkung auf das Ortsbild im Umfeld des Bahnhofes hat das Gebäude zudem eine städtebauliche Bedeutung, die das öffentliche Erhaltungsinteresse begründet.
- Literatur
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro

