sowjetischer Kriegsgräberfriedhof Hörsten
- Landkreis
- Celle
- Samtgemeinde
- Gfg. Lohheide
- Gemeinde
- Lohheide
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Bergen-Hohne
- Adresse
- Straße Belsen-Meißendorf
- Objekttyp
- Friedhof
- Baujahr
- 1941 - 1945
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- c6953641-f969-49eb-a003-37442e89d101
- System-ID
- #61418500
- ADABweb-ID
- 33763007
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Sowjetischer Kriegsgräberfriedhof mit Massengräbern und Einzelgräbern von ca. 20.0000 Toten, die im Zeitraum zwischen 1941-1945 in deutscher Kriegsgefangenschaft aufgrund brutaler Behandlungen, schlechter und mangelnder Verpflegung und medizinischer Versorgung ums Leben gekommen sind. Darunter 19.600 sowjetische Kriegsgefangene, davon um die 5.000, die bis November 1941 in Einzelgräbern bestattet wurden. Der Großteil der Kriegsgefangenen wurde zwischen November 1941 - 1944 in Massengräbern beerdigt. In der Nähe des Eingangs an der Panzerringstraße befinden sich Einzelgräber von acht polnischen Kriegsgefangenen und einer polnischen Soldatin der Armia Krajowa. Im Süden der Anlage befanden sich ursprünglich 142 Einzelgräber italienischer Kriegsgefangener, die 1957 in ihre Heimat oder auf die zentrale Anlage in Hamburg-Öjendorf umgebettet wurden. Die Massen- und Einzelgräber sind als Hügel ausgestaltet und mit Heide, Birken, Ebereschen und zum Teil Wildrosen bepflanzt. Auf dem Friedhof befinden sich die Jahressteine von 1941, 1942 und 1943, die die einzelnen Erweiterungsabschnitte des Friedhofs markieren. Zudem eine Nachbildung des sowjetischen Ehrenmals “trauerndes Mädchen” von Mykola Muchin und ein deutscher Gedenkstein von 1968. Der Friedhof wird seit 1964 von einem zwei Meter hohen Erdwall eingefriedet, der durch ein internationales Jugendworkcamp “Versöhnung über den Gräbern" geschaffen wurde. Die Wege sind mit Betonplatten ausgelegt. Zwischen den Gräbern vorwiegend Rasenwege. Die Gestaltung der Friedhofsanlage wurde zwischen 1942 bis 2015 mehrmals verändert. Im Südosten der Fussweg zur Gedenkstätte Bergen-Belsen. Nach den Richtlinien der internationalen Genfer Konvention von 1929 war für Kriegsgefangene eine Erdbestattung im Einzelgrab mit Sarg vorzusehen, sowie die Beschriftung des Grabes mit allen notwendigen Angaben und die Eintragung in ein Listenverzeichnis. Bis zum Massensterben ab November 1941 kam die Wehrmacht diesen Vorgaben auch nach. Bei der Anlage der Massengräber wurden die Vorgaben allerdings nicht mehr erfüllt. Lediglich der Lagerarzt ließ nach dem ersten Massensterben 1942 einen Friedhof mit Grabhügeln, Wegen, einer Umzäunung und einer Bepflanzung aus Heide, Kronsbeeren, Birken und Wildrosen anlegen. 1944 kam es zur Generalüberholung der "Feindgräber", wozu die Instandhaltung von Grabkreuzen, eine einfache Bepflanzung und die Unkrautentfernung gehörte. Polnische Verstorbene wurden in getrennten Flächen in Einzelgräbern beerdigt und die italienischen Militärinternierten in Einzelgräbern mit Grabkreuzen aus Birkenholz mit Namen südlich der bisherigen Friedhofsfläche. Die Fläche wurde durch ein Holzkreuz mit der Inschrift “Cimitero Italiano” gekennzeichnet. Unmittelbar nach Kriegsende erfolgten erste Umgestaltungen durch die sowjetische Militärmission mit der Aufstellung des Ehrenmals “Trauerndes Mädchen” von Mykola Muchin. In den 1960er Jahren erfolgte eine Umgestaltung aufgrund mehrerer Beschwerden über die Verwahrlosung des Friedhofs. Dabei wurde das Wegesystem geändert und Wege teilweise auch über Grabflächen geführt. 2015 erfolgte eine erneute Umgestaltung.
- Denkmalbegründung
- Der Kriegsgefangenenfriedhof ist der größte der BRD und ein zentraler Gedenk- und Erinnerungsort in Bergen-Belsen. Auf ihm wurden zwischen 1941-1945 um die 20.000 Kriegsgefangene, überwiegend aus der Sowjetunion, beerdigt. An seinem Erhalt besteht aus geschichtlichen und städtebaulichen Gründen ein öffentliches Interesse und erinnert vor allem an die grausamen Umstände, unter denen die Kriegsgefangenen im Kriegsgefangenenlager Bergen-Belsen ums Leben gekommen sind. Als wichtige Gedenk- und Dokumentationsstätte der nationalsozialistischen Verbrechen hat sie einen besonderen Erinnerungswert. Das Kriegsgefangenenlager “Stalag XI C (311) wurde im Juni 1941 auf dem ehemaligen Heeresbaulager der Wehrmacht eingerichtet. Die Kriegsgefangenen litten aufgrund fehlender sanitärer Anlagen und schlechter hygienischer Zustände im Lager unter Epidemien wie Ruhr, Typhus und Fleckfieber. Die Kriegsgefangenen sind überwiegend an Entkräftung gestorben. Bis November 1941 sind um die 5000 Kriegsgefangenen an der Ruhr und an Auszehrung ums Leben gekommen. Ab November 1941 bis Februar 1942 grassierte das Fleckfieber in dem Lager. Zusätzlich wurden auch andere sowjetische Kranke in das Lager und das zentrale Lazarett des Wehrkreises XI geschickt. Bergen-Belsen wurde zum Todeslager. Ab 1944 wurde in Bergen-Belsen ein Krankenrevier für 800 italienische Militärinternierte eingerichtet, wovon 142 starben. Im Oktober 1944 kamen 1000 Angehörige der polnischen Armja Krajowa (polnische Heimatermee) in das Lager, wovon eine polnische Soldatin starb. Sie erhielt ein Einzelgrab. Im gleichen Jahr wurde das Kriegsgefangenenlager durch die SS für die Einrichtung des Konzentrationslagers übernommen. Der Kriegsgräberfriedhof mit Opfern der NS-Diktatur hat vor allem einen Erinnerungswert. An der Erhaltung des Friedhofs besteht daher nicht nur aufgrund ihrer ortsgeschichtlichen und politischen Bedeutung ein öffentliches Interesse. Sie ist zudem wichtiges Zeugnis der Landes- und Nationalgeschichte und zugleich auch des Umgangs der Nachkriegsgesellschaft mit diesem besonderen Ort deutscher Geschichte.
- Übergeordnete Objekte (ID | Typ)
- 61712221 | Konzentrationslager
- Literatur
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro

