Schloss Derneburg
- Landkreis
- Hildesheim
- Samtgemeinde
- Holle
- Gemeinde
- Derneburg
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Derneburg
- Adresse
- Schloßstraße
- Objekttyp
- Schlossgebäude
- Baujahr
- um 1720 - um 1830
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Künstlerische Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung, Wissenschaftliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- c2b22c95-25b7-4c96-b6b1-55e541201426
- System-ID
- #61485313
- ADABweb-ID
- 34517593
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Die nach Süden offene Dreiflügelanlage über U-förmigem Grundriss enstand ab 1846 aus der Überformung einer Klosterkirche mit Kreuzgang. Die großen einfachen Formen der Klosteranlage wurden 1815 sparsam mit neogotischem Schmuck versehen. Die langgestreckten, dreigeschossigen, massiven Flügelbauten unter Satteldach bestimmen das Bild; den Westflügel schließt im Süden ein massiver Turm aus Sandsteinquadermauerwerk mit geschweiftem, beschiefertem Pyramidendach ab, das runde Ecktürmchen mit Kegeldach akzentuieren. Die durch hochrechteckige, kleinteilig gesprosste Fenster mit Sandsteinlaibungen gegliederten Flügel betonen, teilweise an den Gebäudeecken, polygonale Türme mit Zinnenkranz am Ost- und am Nordflügel. Innen: Rittersaal sowie Halle und Treppenhaus im Stil englischer Neogotik. Von der Klosteranlage blieben Teile des Kreuzgangs mit dem originalen Fußboden erhalten. Erbaut 1846 durch Georg Friedrich Laves. Zum 200. Geburtstag des Architekten Einrichtung des "Kulturpfades Derneburg", in den 1980er Jahre Sitz des Künstlers Georg Baselitz und seit den 2000er-Jahren Umwandlung in Museum für zeitgenössische Kunst durch Art Hall Foundation.
- Denkmalbegründung
- Das Schloss Derneburg ging aus einem im 12. Jahrhundert gegründeten Kloster hervor, an dessen Anfang der Herrenhof von Winzenburg stand, der als Zeichen der Sühne an Bischof Bernward I. von Hildesheim gelangte mit der Option, dort ein Nonnenkloster zu gründen. Als 1213 ein Konvent Augustinerinnen von Holle nach Derneburg zog, entstand das Augustiner-Chorfrauenstift, das sich bis Anfang des 14. Jahrhunderts zum prosperierenden Kloster entwickelte und in den darauffolgenden Jahrhunderten wirtschaftlich niederging. Neben der Verarmung des Klosters hatte auch der Verfall klösterlicher Sitten 1370 die Exkommunikation und die Übergabe des Klosters an die Zisterzienserinnen aus dem Kloster Wöltingerode zur Konsequenz, die es umwidmeten. Nach Hildesheimer Stiftsfehde und Religionsreform 1543 wurde das Kloster in ein lutherisches Jungfrauenstift umgewandelt. Bis ins 17. Jahrhundert im Besitz der Herzöge von Braunschweig, wurde es noch vor dem Ende des 30jährigen Krieges mit der Restitution des Bistums Hildesheim 1643 die Basis für die letzte große und baulich prägende Phase als Zisterzienserkloster gelegt. Unter dem Abt Gottfried Arnu (1718-1766) begann der Neubau von Kloster und Domäne durch Zisterziensermönche mit der 1735-1749 erbauten Klosterkirche im Zentrum der Anlage. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Kloster aufgelöst und in eine preußische Domäne umgewandelt; 1814/15 fiel es an das welfische Königshaus. Zu seiner heute bestehenden Gestalt gelangte das Kloster, nachdem König Georg III. das Anwesen dem Grafen Ernst Friedrich Herbert zu Münster für seine verdienstvollen Verhandlungen auf dem Wiener Kongress geschenkt hatte. Dieser entwickelte ab 1815 konkrete Umbaupläne für die Abtei, wann Georg Friedrich Laves hinzutrat ist unbekannt. Jedoch bestanden zu dieser Zeit bereits persönliche Beziehungen zwischen Münster und Laves. Der Architekt wurde mit der Reparatur des Kreuzgewölbes beauftragt, das 1826 eingangs der Klosterkirche eingestürzt war. 1846 begann die eigentliche Umgestaltung: Die Klosterkirche bricht Laves bis auf das westliche Joch ab, das er zu einem quadratischen Turm mit Rittersaal und Treppenhaus umbaut und mit einem geschwungenen Pyrmidendach abschließt. Der Lavessche Zustand ist bis auf die Beseitigung der Attika am Turm und die konstruktiv notwendig vereinfachten Fassaden noch erhalten, ebenso besteht die Lavessche Dachkonstruktion unverändert. An der Erhaltung des Schlosses Derneburg besteht daher aufgrund seiner geschichtlichen, künstlerischen, wissenschaftlichen und städtebaulichen Bedeutung ein öffentliches Interesse. Geschichtliche Bedeutung besteht im Rahmen der Landes- und Nationalgeschichte mit Zeugnis- und Schauwert für die Kunst-, Bau-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, für das Werk des überregional bekannten Architekten Georg Ludwig Friedrich Laves sowie für die Geschichte einer Kulturlandschaft. Künstlerische Bedeutung erlangt die Anlage aufgrund ihres überregional nicht alltäglichen Gestaltwertes, als Erlebniswert für bedeutende Innenraumgestaltung im Zusammenwirken des Hofbaurates Laves mit dem kunstsinnigen Bauherrn. Als Schlossbau mit Seltenheits- und Beispielwert von wissenschaftlicher Bedeutung hat er überdies prägenden Einfluss auf das Orts- und Landschaftsbild sowie auf das räumliche Gefüge der Gesamtanlage.
- Übergeordnete Objekte (ID | Typ)
- 61475923 | Schlossanlage
- Literatur
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS

