Haseschacht Piesberger Zechenanlage
- Landkreis
- Stadt Osnabrück (kreisfrei)
- Samtgemeinde
- Osnabrück, Stadt
- Gemeinde
- Pye
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Pye
- Adresse
- Fürstenauer Weg
- Objekttyp
- Schachthaus
- Baujahr
- 1871
- Denkmalstatus
- Teil einer Gruppe baulicher Anlagen (gemäß § 3 Abs. 3 S. 1 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- bd6bc381-ca4f-4c59-9056-062576f56729
- System-ID
- #61708719
- ADABweb-ID
- 43812745
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Zwei- bis viergeschossiger Bruchsteinbau über L-förmigem Grundriss mit Satteldach in Ziegeldeckung. Fassaden in Sandstein mit Backsteinelementen, Rundbogenfenster, Obergeschoss mit Zwillingsfenstern. Mittelpunkt ist die Schachthalle, an dessen Giebelseiten jeweils Lisenen und Blendarkaden drei Sandsteinmedaillons einschließen, in denen Hammer und Schlägel, das Osnabrücker Rad sowie das Erbauungsjahr erfasst sind. Erbaut 1871 vom Bauführer Carl Ludwig Stucke, der den Rundbogenstil des Stadtbaumeisters Wilhelm Richard fortführte. Typisches Beispiel für einen Malakowturm, bei dem die massiven Grundmauern die Erschütterungen auffingen. Nach der Schließung der Steinkohlenzeche 1898 Unterkunft für Steinbrucharbeiter, während des Zweiten Weltkriegs Lager für Kriegsgefangene, nach Ende des Krieges Unterkunft für Flüchtlinge aus Schlesien. Ab den 1960er Jahren Leerstand und Verfall zur Ruine, 1985 Beginn einer Restaurierung, 1994 Eröffnung des Museums Industriekultur.
- Denkmalbegründung
- Das Haseschachtgebäude wurde 1871 anlässlich des Übergangs vom bescheidenen Kohleabbau zum industriellen Bergbau errichtet. Erste Zeugnisse des Kohleabbaus am Piesberg finden sich bereits im 12./13. Jahrhundert, dieser wurde jedoch erst im 18. Jahrhundert mit Anlage des Pinkholl-, Mossberger- und Lücker Stollens intensiviert. Die Kohle diente der Befeuerung von Kalköfen, in denen Branntkalk gewonnen wurde. Im 19. Jahrhundert beginnt am Piesberg unter dem Bergmeister Johann Rudolf Pagenstecher der Tiefbau durch Anlage des Lechtinger Tiefstollens 1850 sowie des Haseschachtes ab 1865. Die Kohle diente nun vermehrt dem “Hausbrand” einfacher Bürger und Bauern, die damit ihre Wohnungen heizten. Durch den Anschluss des Piesbergs an das Eisenbahnnetz 1857 erweiterte sich das Absatzgebiet, sodass die Kohle nun zur Befeuerung von Dampfkesseln in großen Industriebetrieben auch außerhalb der Osnabrücker Region genutzt werden konnte. Ab 1865 kommt es zu ersten Bohrungen am Piesberg, bei dem man am heutigen Standort auf Kohleflöze stieß. 1871 begann die Errichtung des Haseschachtgebäudes oberhalb des schon bestehenden Schachtes, die 1873 abgeschlossen war. Probleme bei der Ableitung des Grubenwassers, anfallende Investitionskosten sowie ein Streik der Bergleute Führten schließlich 1898 zur Schließung. Die Gebäude wurden anschließend von der Steinindustrie in anderer Form weitergenutzt, ohne diese umzubauen oder zu überformen. Daher geben die Gebäude einen authentischen Blick in die Begebenheiten des Bergbaus im späten 19. Jahrhundert. Das Haseschachtgebäude ist ein architektonisch herausragendes Gebäude, dessen qualitätsvolle Gestaltung noch heute beeindruckt. Seine neoromanische Fassadengestaltung mit massiven Grundmauern, Rundbogenfenstern, Gesimsbändern, Fries und Sandsteinmedaillons vermitteln einen burgartigen Eindruck, der typisch für den Mittelalterbezug des Historismus ist. Ein Zusammenspiel von Sand- und Backsteinen macht die Fassade interessant und abwechslungsreich. Das Gebäude besticht daher durch eine architektonische Qualität, die anderen Bauten des Historismus in nichts nachsteht. Das Haseschachtgebäude ist am Piesberg landschaftsbildprägend, es bildet eine Landmarke, die der Orientierung diente und schon von Weitem den Piesberg ankündigte. Mit Verwendung von Piesberger Sandstein repräsentiert das Gebäude auch den Piesberg selbst. Es ist zudem Teil des kollektiven Gedächtnisses der Osnabrücker Region und verleiht ihr somit eine regionale Identität. Zudem besteht ein Sinnzusammenhang zu den übrigen Gebäuden der Piesberger Zeche, sodass zur Einschätzung des Denkmalwertes nicht nur das Haseschachtgebäude an sich, sondern die gesamte Bergwerksanlage beurteilt werden muss. Auch die übrigen Gebäude wurden kaum überformt, sodass sie allesamt “aus einem Guss” erscheinen. Damit besitzt die gesamte Zechenanlage eine besondere Integrität und Einzigartigkeit. Des Weiteren ist das Haseschachtgebäude ein anschauliches Beispiel für die Bauweise des Malakowturmes im Bergbau. Benannt nach dem “Fort Malakoff”, das im Krimkrieg (1853-1856) eine entscheidende Rolle spielte, bezeichnete man im Bergbau diejenigen Schachttürme als Malakowtürme, die in etwa zwischen 1850 und 1870 vor allem im Ruhrgebiet entstanden sind. Sie zeichnen sich durch sehr große Mauerdicken aus, die dazu dienten, die Schubkräfte der Seilscheibenanlage aufzufangen, die die Förderkörbe betrieb. Das Haseschachtgebäude ist neben einem weiteren, deutlich kleineren Turm bei Nienstädt der einzige erhaltene Malakowturm in Niedersachsen. Es besitzt daher eine selten belegte Beispielhaftigkeit für diesen Bautypus. An der Erhaltung des Objekts besteht daher aufgrund seines orts- und baugeschichtlichen Zeugnis- und Schauwertes sowie der städtebaulichen Bedeutung ein öffentliches Interesse.
- Übergeordnete Objekte (ID | Typ)
- 61705319 | Bergwerk
- Weiterführende Links
- Wikipedia: Museum Industriekultur (Osnabrück)
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro

