Pfarrhaus
- Landkreis
- Osnabrück
- Samtgemeinde
- Bad Essen
- Gemeinde
- Rabber
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Rabber
- Adresse
- An der Pfarre 17
- Objekttyp
- Pfarrhaus
- Baujahr
- 1911 (i)
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Künstlerische Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- b4dd3559-fcef-458c-898c-60616bf33427
- System-ID
- #61776987
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Eingeschossiger verputzter Massivbau mit Sandsteinsockel und -elementen unter einem hohen Mansarddach. Straßenseitiger Haupteingang mit steilem Giebel mit Holzschalung. Im Inneren anspruchsvoll gestaltete Eingangshalle. Im Westen ein niedrigerer Wirtschaftsflügel mit Fachwerkgiebel und Satteldach. Der Entwurf stammt vom Architekten und Regierungsbaumeister Dr. Jänecke. Inschriftlich erbaut 1911.
- Denkmalbegründung
- Die erste urkundliche Belegung der heutigen Ortschaft Rabber geht auf die von Kaiser Konrad II. bestätigte Gründung des Stifts St. Marien in Minden und dessen Besitzungen im Jahr 1033 zurück. Gemeinsam mit dem benachbarten Brockhausen gehörte Rabber ursprünglich zum Kirchspiel Oldendorf, seit dem 13. Jahrhundert zur Muttergemeinde Barkhausen. 1543 wechselte Rabber zur lutherischen Lehre, die wenige Jahre später durch das Domkapitel erzwungene Rekatholisierung gelang nicht vollständig, so blieben die konfessionellen Verhältnisse folgend in der Schwebe. Nach dem Dreißigjährigen Krieg blieb die Kapellengemeinde Rabber dann protestantisch. Im Jahr 1911 wurde der Grundstein für eine neue Kapelle in Rabber gelegt und auch das evangelisch-lutherische Pfarrhaus der Kirchengemeinde wurde im Jahr im Jahr 1911 erbaut. Im Jahr darauf wurde auch noch die Pfarrstelle der Gemeinde von Barkhausen nach Rabber verlegt. Das Pfarrhaus befindet sich bezeichnend „In der Pfarre“ und war Dienstwohnung verschiedener Pastoren und Pastorinnen sowie Kirchenbüro und Archiv. Der Entwurf für das Pfarrhaus stammt vom Architekten Wilhelm Jänecke. Geboren wurde er 1872 in Altwarmbüchen bei Hannover, seine Bildung erhielt er zunächst in der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Hannover, danach studierte er Architektur an den Technischen Hochschulen Hannover, München und Charlottenburg sowie Kunstgeschichte an den Universitäten in München, Berlin und Münster. Er wirkte als Architekt und Kunstschriftsteller sowie als Regierungsbaumeister und Hochschullehrer in den Gebieten in und um Hannover, Berlin, Schleswig und Kiel. Als Architekt für öffentliche und private Bauten war er vor allem im Osnabrücker Raum tätig, hier entwarf er neben diesem Bau in Rabber auch Pfarrhäuser in Scheldehausen und Osnabrück. Das Pfarrhaus in Rabber ist als hell verputzter und eingeschossiger Bau auf einem Sandsteinsockel errichtet. Das Obergeschoss im Mansarddach ist zu Wohnzwecken ausgebaut. Im Westen ist ein niedrigerer Wirtschaftsflügel mit Satteldach und Fachwerkgiebel angeschlossen, im Osten eine niedrige Veranda unter einem Pultdach. Die Dachflächen sind aufwändig und dynamisch gestaltet. An den beiden Schmalseiten sowie nach Norden, an der Hauptfassade, als Mansarddach. Auf der schlicht verputzten Südseite läuft die Dachfläche nur bis kurz unter dem Knickpunkt. An der Hauptfassade wird das Mansarddach von dem hohen und spitzen Giebel mit Satteldach des mittig sitzenden Zwerchhauses unterbrochen. Auf der Rückseite im Süden befindet sich je ein Zwerchhaus an der äußeren Kante des Gebäudes, auch hier mit hohen und spitzen Giebeln. Sie nehmen an den äußeren Dachflächen die Mansarddachform auf, nach Innen sind sie als Satteldächer ausgebildet. Die Hauptfassade auf der nördlichen Traufseite ist sehr repräsentativ mit einer abgerundeten Treppenanlage gestaltet. Durch die sichtbaren Sandsteinquader an Fassadenbereichen des Zwerchhauses, dem Christus-Kreuz auf dem First und dem teilweise verschalten Giebel wird die Eingangssituation repräsentativ betont. Unter den abgerundeten Schalungsbrettern befindet sich auf dem Giebelbalken der Spruch „Einst Rabenort – jetzt Gottesort“ mit Schnitzzierde und Rabenvögeln sowie der Jahreszahl „1911“. Dies ist eine Anspielung auf den Namen der Ortschaft Rabber, der mit dem Rabenvogel in Verbindung gebracht wird und womöglich auf das Rabewerk, dessen Gründerfamilie aus Rabber stammte und hier die Familienschmiede zu einer Pflug- und Landwirtschaftsmaschinenfabrik vergrößerte, bis 1928 das neue Rabewerk in Linne seine Produktion aufnahm. Durch die mittige und leicht aus der Fassadenflucht zurückspringende Eingangssituation gelangt man in die repräsentative Eingangshalle mit hölzernem Windfang, verzierter Balkendecke und Wandvertäfelungen. Im gemauerten Kamin gegenüber der Eingangstür befindet sich ein Gussheizkörper. Neben dem Windfang sind niedrige Einbaubänke platziert, die bauzeitliche hölzerne Treppe ist mit Blumenrosetten verziert. Das Pfarrhaus ist den Wohnzwecken im Laufe der Zeit angepasst worden, mehrere historische Fenster, Türblätter und wandfeste Ausstattung sind jedoch überkommen und zeugen noch heute von der Wohn- und Arbeitskultur im ehemaligen Pfarrhaus im frühen 20. Jahrhundert. Das evangelische Pfarrhaus an der Pfarre 17 in Rabber hat mit dem Wirtschaftsanbau eine geschichtliche Bedeutung im Rahmen der Ortsgeschichte sowie für die Baugeschichte aufgrund des Anschauungswertes als beispielhaftes Pfarrhaus des frühen 20. Jahrhunderts. Der Entwurf stammt von dem bekannten Architekten und Regierungsbaumeister Dr. Jänecke. Mit der bemerkenswerten Eingangshalle und der weiterhin umfangreich erhaltenen Innenausstattung zeigt das Gebäude ein überdurchschnittlichen Gestaltwert. Zudem prägt das Gebäude das Straßenbild und ist damit von städtebaulicher Bedeutung, so dass insgesamt ein öffentliches Erhaltungsinteresse besteht.
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro

