Finanzamt und Hauptzollamt (heute Oberfinanzdirektion)
- Landkreis
- Stadt Oldenburg (Oldb) (kreisfrei)
- Samtgemeinde
- Oldenburg (Oldb), Stadt
- Gemeinde
- Oldenburg
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Oldenburg
- Adresse
- Am Festungsgraben 1 Damm 3
- Objekttyp
- Verwaltungsgebäude
- Baujahr
- 1938
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- b2a64262-8f6c-4552-8d73-43b15b4f29ab
- System-ID
- #61646662
- ADABweb-ID
- 37423714
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Das Gebäude beschreibt eine U-förmige Grundfläche, wobei die Flügel ungleich lang sind. Der östliche Gebäudeflügel zum Hof ist kürzer. Der westliche Gebäudeflügel, der parallel zum Damm ausgerichtet ist, ist länger und springt seitlich von der Flucht des Hauptriegels an der Straße Am Festungsgraben zurück. Auch im Hof ist diese Ecke eingeschnitten. So entsteht die Wirkung von zwei separaten, aneinander gebauten Baukörpern, was den ursprünglich zwei Funktionen – Hauptzollamt am Damm und Finanzamt am Festungsgraben – entspricht. Der Bereich, in dem sich Wohnungen befanden, ist baulich nicht abgesetzt jedoch durch die ehemaligen Loggien ebenfalls nachvollziehbar. Bei dem Bau handelt es sich um einen dreigeschossigen Putzbau mit überstehendem Walmdach. Die damaligen Antragspläne zeigen, dass mit der Traufe die Höhe des Gurtgesimses unter dem Mezzaningeschoss des unmittelbar benachbarten Prinzenpalais übernommen wurden. Das Walmdach ist im unteren Drittel auf Aufschieblingen flacher ausgeführt als der obere Bereich. Der bauzeitliche Dachstuhl ist mit neuen anthrazitfarbenen Dachziegeln gedeckt. Ehemals vorhandene kleine Gauben sind durch Dachflächenfenster ersetzt worden. An den Straßenfassaden sowie an der einsehbaren Seitenansicht des östlichen Flügels wird das Erdgeschoss als Sockelzone ausgebildet, welche mit einem Gurtgesims abschließt. Die Fensterflächen sind hier durch zweifachen Rücksprung vertieft. Die oberen Geschosse sind glatt verputzt. Unterhalb der Traufe befindet sich ein umlaufendes Backsteinband. Die Fenster sind streng achsial angeordnet. Diese Strenge wird durch einen Fenstererker im Erdgeschoss und ehemalige Loggien in den Obergeschossen zwischen Hauptzollamt und Wohnungen und durch die Eingänge unterbrochen. Die Eingänge der Ämter zum Damm und zum Festungsgraben sind hervorgehoben und tragen Balkone. Das Portal am Damm weist eine vorgesetzte Natursteinrahmung auf. Der Eingang zum Festungsgraben ist aufwändiger gestaltet mit einem drei Fensterachsen umfassenden Portikus aus Sandstein. Rechts und links des Eingangs sind Bänke aus Naturstein aufgestellt. Die Balkontüren im ersten Obergeschoss sind mit Sandsteinrahmung eingefasst. Der Zugang zu den Wohnungen, der sich ebenfalls in der Fassade zum Festungsgraben befindet, ist nicht weiter betont. Die Eingangstüren sind jeweils ins Gebäude eingerückt und über Stufen erreichbar. Die Hofseiten besitzen keine Sockelzone, sondern sind über alle Geschosse glatt verputzt. Das durchgehende Fensterraster wird durch die eingerückte Ecke zwischen Wohnungen und Hauptzollamt und den hier abweichenden Fensterformaten sowie durch die Treppenhausfenster unterbrochen. Diese sind als durchgehende vertikale Fensterbänder ausgeführt. Am ehemaligen Hauptzollamt sind drei dieser Fenster vorhanden, am ehemaligen Finanzamt sind es fünf. Diese Fenster weisen eine Bleiverglasung mit Buntglas auf und ihre Laibungen sind mit abgerundeten Backsteinen eingefasst. Diese und das backsteinerne Band unterhalb der Traufe stellen die einzigen farbigen Akzente der Fassaden dar. Im Hof befindet sich ein Zugang zum früheren Treppenhaus der Wohnungen sowie Zugänge zu den Kellerräumen. An der nördlichen Seite des Hauptzollamtes befindet sich ein Zugang zum Keller, an der Nordseite des Hofflügels des Finanzamtes sind drei Garagentore vorhanden. Im Inneren sind noch zwei von ehemals drei Treppenhäusern erhalten. Die massiven verputzten Geländer schließen mit Holzhandläufen ab. Vor den Fenstern befinden sich die bauzeitlichen Brüstungsgitter. Türen und Heizungsnischen sind in den Treppenhäusern entsprechend der Fenster mit abgerundeten Backsteinen eingefasst, in den Fluren weisen die Türöffnungen Holzzargen auf. Die bauzeitlichen Türen sind fast vollständig erhalten. Dazu gehören auch Holzbrettertüren und Luftschutztüren im Keller. Ein Tresorraum mit Tresortür ist im Erdgeschoss ebenfalls noch vorhanden. Das Gebäude wurde 1938 nach Plänen des Regierungsbaurat Dubois aus Bremen errichtet.
- Denkmalbegründung
- Das Gebäude des ehemaligen Finanz- und Hauptzollamtes liegt an der Ecke der Straßen Damm und Am Festungsgraben südöstlich der Altstadt von Oldenburg. Es befindet sich neben dem Prinzenpalais, wobei es von der Straße Damm zurückspringt und das Prinzenpalais freistellt. Im Mai 1936 wurden die vom Regierungsbaurat Dubois aus Bremen unterzeichneten Pläne für den Neubau des Finanz- und Hauptzollamtes eingereicht. Abweichend zu der späteren Ausführung waren die Sockelzone sowie die Eckstützen der Loggien in Backstein geplant. Außerdem waren die Haupteingänge zum Finanz- und Hauptzollamt gleichartig dargestellt, als zweiflügelige Portale mit Natursteinrahmung. Balkone und eine Betonung der Fenster darüber waren zunächst nicht geplant. Im Juli 1936 bat der Oldenburger Bürgermeister den Präsidenten des Landesfinanzamtes Weser-Ems in Bremen in einem Brief um Prüfung, „ob mit Rücksicht auf die gesamte Umgebung der Baustelle nicht von der Verwendung von Klinkern für das Erdgeschoss Abstand genommen werden kann“. Er verwies darauf, dass die umgebenden Gebäude reine Putzbauten seien und führte die entsprechende Einschätzung der von ihm eingesetzten Sonderberater zum Schutze des Stadt- und Landschaftsbildes an. Der Präsident des Landesfinanzamtes entsprach dem Wunsch und wählte Steinputz für das Erdgeschoss. Weitere Pläne zeigen den Wegfall des Backsteins in der Sockelzone und nun auch die später ausgeführten Eingangssituationen mit Portikus zum Festungsgraben und Balkonen im Obergeschoss. 1938 wurde der Neubau eingeweiht. In den Jahren der Weltwirtschaftskrise war die Schuldenlast in Oldenburg kontinuierlich angewachsen, was wenig Spielraum für kommunale Initiativen lies. Diese beschränkten sich vor allem auf die notwendigsten Maßnahmen, wie Kanalisation in den Randbezirken der Stadt und Wohnungsbauförderung. Als in der Mitte der 1930er Jahre erstmalig Überschüsse im Haushalt erzielt wurden, wurden diese einerseits für den geplanten Bau eines neuen Rathauses und andererseits für die grundsätzliche bauliche Neugestaltung des Forums, das Oldenburg als Gauhauptstadt des Weser-Ems-Gaus erfahren sollte, eingefroren. Beides wurde nicht ausgeführt. Öffentliche Bauvorhaben wurden daher nur sparsam umgesetzt und beschränkten sich vor allem auf Um- und Erweiterungsbauten sowie im Zuge des Ausbaus der Wehrmacht auf Kasernenneubauten. Der Neubau des Finanz- und Hauptzollamtes ist somit eines der wenigen öffentlichen Gebäude, die in dieser Zeit entstanden sind und damit bedeutend für die Ortsgeschichte Oldenburgs. Die streng achsiale, weitestgehend monotone Fassadengestaltung und die damit einhergehende Kompaktheit des Gebäudes, das Walmdach, die Verwendung reduzierter klassizistischer Motive für die Eingangsportale und den Portikus sind typische Merkmale der NS-Architektur. Gleichzeitig finden sich mit den Farbakzenten durch den gezielt eingesetzten Backstein und die an Art Déco erinnernden Buntglasfenster Elemente der Moderne wieder. Das Gebäude veranschaulicht, wie trotz der Umsetzung eines grundsätzlichen Stilkanons auch abweichende individuelle Gestaltungselemente Eingang in die Architektur der öffentlichen Gebäude der 1930er Jahre fanden. Die Gestaltung und die Planungsgeschichte zeigen zudem die Bereitschaft, einen Verwaltungsbau an die vorhandene städtebauliche und bauliche Situation anzupassen. Mit dem gut erhaltenen Zustand und der weitestgehend vorhandenen Grundrisstruktur sowie authentischen Ausstattung ist das Gebäude aufgrund seines Zeugnis- und Schauwertes durch die beispielhafte Ausprägung eines Verwaltungsbaus der 1930er Jahre von baugeschichtlicher Bedeutung. Das Gebäude prägt mit seinen Schauseiten zum Damm und als Auftakt der Straße Am Festungsgraben das Straßenbild maßgeblich mit. Durch seine vom Damm zurückversetzte Lage schafft es eine Aufweitung des Straßenraumes, durch die das Prinzenpalais freigestellt und die Bauflucht aufgelöst wird und ist damit von städtebaulicher Bedeutung. An der Erhaltung des Gebäudes besteht daher aufgrund von geschichtlichen und städtebaulichen Gründen ein öffentliches Interesse.
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro

