Paulinerkirche
Außenansicht (2009)
Oberer Bibliothekssaal in der Paulinerkirche (2006)
Innenansicht (2022)
Südansicht, 1982 (1982)
Innenansicht (2022)
Westfassade, 1982 (1982)
Langhaus und Chor, Blick nach Osten, um 1945
Paulinerkirche als Bibliotheksgebäude, um 1930
Außenansicht (2022)
- Landkreis
- Göttingen
- Samtgemeinde
- Göttingen, Stadt
- Gemeinde
- Göttingen
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Innenstadt
- Adresse
- Papendiek 14 A
- Objekttyp
- Klosterkirche
- Baujahr
- um 1294 - 1331 (Bau und Weihe)
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung, Künstlerische Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- a89540cd-4985-442c-a44e-c1a2b9760bf6
- System-ID
- #61561698
- ADABweb-ID
- 35873913
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Die Paulinerkirche ist eine dreischiffige, fünfjochige Staffelhalle mit vierjochigem Langchor und 5/8-Schluss. Ihre Fassaden aus Kalkbruchsteinmauerwerk sind mit einer straffen Strebepfeilergliederung aus Sandsteinquadern versehen. Auffällig ist die schräggestellte Westfassade an der Straße Papendiek, die sich am Verlauf der ehemaligen Stadtmauer ausrichtet und unterm großen Maßwerkfenster den ehemaligen Haupteingang der Bibliothek mit einem ägyptisierendes Portal des frühen 19. Jahrhunderts zeigt. Das Bronzerelief des Bildhauers Siegfried Zimmermann (Hannover) überm Portal ist das einzige sichtbare Zeichen der Wiederherstellung nach dem Zweiten Weltkrieg und nimmt Bezug auf Schreiben, Drucken und Studieren. Das Barockportal an der Nordseite (Lichtenberghof) stammt aus der vorangegangenen Zeit als Universitätskirche. Der Kirchenbau ist für eine Bettelordenskirche typisch turmlos; der südlich vor dem Chor angeordnete Treppenturm dient der Erschließung des Dachbodens. Das Gebäudeinnere wird seit dem frühen 19. Jahrhundert geprägt von der für die Bibliotheksumnutzung eingezogenen Geschossdecke mit dadurch veränderten Raumproportionen und neuen Untergeschossfenstern. Der hohe Obergeschosssaal lässt trotz Einkürzung den ehemaligen Kirchenraum mit seinen Achteckpfeilern und einer einheitlich durchlaufenden Kreuzrippenwölbung erkennen. Die jetzige Ausstattung ist nach dem Auszug der alten Buchkataloge in einer umfassenden baulichen Ertüchtigung 1999-2005 gestalterisch modernisiert worden, wobei der Saal seither als Veranstaltungsraum genutzt wird, in dem auch einige alte Buchbestände in modernen Regalwänden präsentiert werden. Im als Buch- und Archivdepot genutzten Untergeschoss sind die nach unten durchgehenden mittelalterlichen Achteckpfeiler der Kirche sichtbar.
- Denkmalbegründung
- Die ehemalige Kirche des Dominikaner-Bettelordens geht auf eine Klostergründung von 1294 zurück; der Eigenname der 1331 geweihten ‚Paulinerkirche‘ nimmt Bezug auf den Mitpatron des Apostels Paulus. Nach der Säkularisierung von 1531 kam es zunächst zur Nutzung als Zeughaus, bevor das Kloster ab 1586 vom wenige Jahre zuvor gegründeten Pädagogium als höhere Schule umgenutzt wurde. Nach Gründung der neuen Landesuniversität war der Bau 1737-1803 Universitätskirche und Schauplatz für Feierlichkeiten. Zugleich wurde das nördlich benachbarte Paulinerkloster durch die barocke Vierfügelanlage des neuen Kollegiengebäudes ersetzt. Prägend wurde im frühen 19. Jahrhundert die Kirchenumnutzung zur Universitätsbibliothek nach Plänen des jungen Architekten Friedrich Weinbrenner von 1803, 1808-1812 modifiziert ausgeführt vom nachmaligen Universitätsarchitekten Justus Heinrich Müller. Dabei entstand zur Nutzflächenerweiterung eine eingeschobene Zwischendecke mit der eigentlichen Bibliothek im oberen Hauptsaal, der repräsentativ mit einer neugotischen Galerie, hohen Bücherschränken und einem Skulpturenprogramm versehen wurde. Die Göttinger Universitätsbibliothek war im 18. und 19. Jahrhundert wissenschaftlich berühmt als Forschungsbibliothek wegen ihrer umfangreichen und öffentlich zugänglichen Bücherschätze und ihrer systematischen Kataloge, in denen u.a. Christian Gottlob Heyne, die Brüder Grimm und Goethe arbeiteten. Der monumentale und stadtbildprägende Kirchenbau ist nach schweren Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg 1952-1953 im Äußeren wiederhergestellt und im Innern vereinfacht erneut in zweigeschossiger Bibliotheksnutzung ausgestattet worden. Der letzte Umbau von 1999-2005 ersetzte die Zwischendecke nochmals durch eine brandsichere Stahlkonstruktion und schuf aus dem oberen Bibliothekssaal einen Veranstaltungsraum mit moderner Ausstattung, die gestalterisch an die verlorenen neugotischen Bücherregalwände erinnern soll. Die Erhaltung der Paulinerkirche liegt wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Bedeutung im öffentlichen Interesse. Die geschichtliche Bedeutung besteht in der ortsgeschichtlichen Bedeutung aufgrund des Zeugnis- und Schauwertes für die Baugeschichte, und hierbei speziell des 14. Jahrhunderts und des frühen 19. Jahrhunderts sowie der Wiederaufbauzeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Beispielhaft sind die Ausprägung einer gotischen Bettelordenskirche und die Umnutzung einer Kirche zur Bibliothek. Die künstlerische Bedeutung liegt in den überregional nicht alltäglichen künstlerischen Gestaltwerten des Kirchen- bzw. Bibliotheksbaus. Schließlich ist die Paulinerkirche städtebaulich bedeutend als Element der Bibliotheksgruppe und wegen des prägenden Einflusses auf das Ortsbild, die umgebenden Straßen- und Platzbilder sowie als wichtiges Element von hohem Identifikationswert im räumlichen Gefüge des Göttinger Altstadtensembles.
- Literatur
-
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro
Außenansicht (2009)
Oberer Bibliothekssaal in der Paulinerkirche (2006)
Innenansicht (2022)
Südansicht, 1982 (1982)
Innenansicht (2022)
Westfassade, 1982 (1982)
Langhaus und Chor, Blick nach Osten, um 1945
Paulinerkirche als Bibliotheksgebäude, um 1930
Außenansicht (2022)

