Wohnsiedlung Wichernstraße
Backsteindetails der Siedlung (2024)
Fensterdetails der Siedlung (2024)
Siedlung Wichernstraße (2024)
Ansicht von Westen: Wichernstraße 35-57 (2024)
Wichernstraße 57-59: Bauwerkdetails (2024)
Details der Siedlung (2024)
- Landkreis
- Emsland
- Samtgemeinde
- Papenburg, Stadt
- Gemeinde
- Papenburg
- Objekttyp
- Wohnsiedlung (Baukomplex)
- Denkmalstatus
- Gruppe baulicher Anlagen (gemäß §3 Abs. 3 S. 1 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 9cb65841-cba0-4deb-a3e3-ea9378876770
- System-ID
- #61768900
- ADABweb-ID
- 53780323
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Die Wohnsiedlung erstreckt sich beidseitig der Wichernstraße. Sie besteht aus eingeschossigen Backsteingebäuden mit Satteldächern und rückwärtigen Stallanbauten. Ein Großteil der Häuser ist als Doppelhaus ausgeführt und bildet eine aufgelockerte Bebauung. In einigen Bereichen wurden geschlossene Häuserzeilen mit niedrigeren Torhäusern ausgeführt, die die Straße oder einen Platz fassen. So beginnt im Westen die Bebauung auf der nördlichen Straßenseite (ungerade Hausnummern) zunächst mit einer Zeile, die dem geschwungenen Straßenverlauf folgt und anschließend im rechten Winkel den erneuten Richtungswechsel der Straße begleitet (Nr. 1-17). Mit einigem Abstand folgt eine zweite Häusergruppe (Nr. 19-31), die eine Grünfläche an der Straßenecke zwischen Wichernstraße und der Querstraße Hoek in geschlossener Bauweise an der Ost- und Nordseite umschließt. Im Süden auf der gegenüberliegenden Seite schließt die Häuserzeile Nr. 8-18 den Platz optisch ab. Der weitere Verlauf der Straße nach Westen wurde größtenteils mit Doppelhäuser bebaut. Die Gebäude, die an Straßenecken zu Querstraßen oder –wegen stehen, sind dabei abweichend ausgeführt. Sie wurden entweder giebelständig zur Wichernstraße gebaut (Nr. 31, 33, 42 und 44) oder sie bekamen Zwerchhäuser (Nr. 57 und 59). Die Stallanbauten sind bei diesen Häusern jeweils zu den Straßen hin und nicht zur Grundstücksmitte angeordnet. An der Wilhelm-Leuschner-Straße ändert die Wichernstraßen ihren Verlauf leicht nach Norden. Die südliche Bebauung wurde jedoch gerade weitergeführt, wodurch sie vom Straßenverlauf zurückweicht. Die Häuserzeile Nr. 64 bis 72 nimmt diese Richtung auf und führt dann im rechten Winkel wieder zur Straße. Die folgenden Häuser sind wieder als Doppelhäuser parallel zur Straße angelegt. Im Osten endet die Siedlungsbebauung mit den gegenüberliegenden Gebäuden Nr. 95-99 und 94-98. Diese Häuser sind größer in der Grundfläche und am östlichen Ende jeweils zweigeschossig mit Zeltdach ausgeführt. Sie bilden auf diese Weise eine Art Torsituation und den Eingang in die Siedlung. Alle Gebäude liegen im vorderen Teil der langgezogenen Grundstücke, deren rückwärtiger Bereiche als Selbstversorgergärten dienten. Vor den meisten Gebäuden befinden sich kleine Vorgärten. Die Straße ist als Allee angelegt. Errichtet in mehreren Bauabschnitten von 1927 bis 1930.
- Denkmalbegründung
- Die Wichernstraße liegt im nördlichen Bereich der Innenstadt von Papenburg, die sich entlang des Hauptkanals erstreckt. Westlich davon liegt die ehemalige Kolbenschmidt Fabrik und Gießerei und jenseits des Hauptkanals das alte Gelände der Meyerwerft. Die Siedlung wurde weitestgehend vom Bauverein Papenburg bebaut. In diesem Bereich sollte günstiger Wohnraum entstehen. Zunächst begann der Magistrat der Stadt 1927 mit dem Bau der sogenannten „Hoeksiedlung“. Dabei wurde der Westen der heutigen Wichernstrsße bis ungefähr zu den Hausnummern 45 auf der nördlichen beziehungsweise 30 auf der südlichen Straßenseite erstellt. Nach „Beendigung des Geldgebers, der Landesversicherungsanstalt Hannover“ übernahm der Bauverein Papenburg die Verwaltung der bestehenden Gebäude und mit Unterstützung der Niedersächsischen Heimstätte GmbH den Weiterbau der Siedlung. Dies erfolgte in mehreren Abschnitten von Westen nach Osten, wie die Baugesuche aus verschiedenen Jahren belegen. In den Jahren 1927 bis 1930 entstanden hier insgesamt 100 Stadthauswohnungen, die mit kleinen Stallanbauten und großen Gartenflächen auch gezielt die Möglichkeit der Selbstversorgung boten. Grundsätzliche Überlegungen, den Massenwohnungsbau unter Berücksichtigung gesundheitlicher und sozialer Aspekte zu reformieren, gehen auf die Sozialreformer des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts zurück. Eine besondere Dringlichkeit, den Wohnungsbau zu fördern und gemeinnützige Wohnungsbauprojekte umzusetzen, kam jedoch mit der extremen Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg und der Inflation der folgenden Jahre. So wurden zum einen 1919 die gesetzlichen Voraussetzungen hierfür geschaffen. Zum anderen nahm die Gründung gemeinnütziger Wohnungsbauvereine, wie sie vereinzelt bereits vor dem Krieg bestanden, in den 1920er Jahren in großem Umfang zu. Der „Gemeinnützige Bauverein eGmbH zu Papenburg“ wurde 1921 auf Initiative von Bürgern gegründet, die nach einer Lösung für die auch Papenburg erfassende Wohnungsnot suchten. Das oberste Ziel des Bauvereins war es, gesunden Wohnraum für sozialverträgliche Mieten zu schaffen. Dieses Ziel wollte man in enger Zusammenarbeit mit der Stadt erreichen. Die ersten Baumaßnahmen begannen bereits 1921 auf dem „Poggenpel“. Bis 1930 hatte der Bauverein 154 Wohnungen erstellt. Die Wichernstraße mit 100 Stadthauswohnungen war eine der ersten und die größte dieser Baumaßnahmen. Die Siedlung dokumentiert die Entwicklung des Wohnungsbaus in Papenburg, der unter sozialen Gesichtspunkten und durch den Bauverein errichtet wurde. Sie hat eine geschichtliche Bedeutung für die Ortsgeschichte und aufgrund ihres Zeugnis- und Schauwertes für die Sozialgeschichte der Stadt Papenburg. Die Siedlung wurde in Abschnitten umgesetzt, jedoch einem städtebaulichen Gesamtkonzept untergeordnet. Durch den Wechsel zwischen freistehenden Doppelhäusern und geschlossenen Zeilen entstanden unterschiedliche Straßen- und Platzräume. Durch Variationen der Häuser an Straßenecken durch Wechsel ihrer Ausrichtung, Einsatz von Zwerchhäusern und der abweichenden Anordnung der Stallanbauten wurden diese Positionen städtebaulich betont. Mit den beiden höher ausgebildeten Bauten am östlichen Ende der Siedlung wurde deutlich der Beginn und „Eingang“ in die Siedlung akzentuiert. Die Anlage hat eine geschichtliche Bedeutung aufgrund ihres Zeugnis- und Schauwertes durch die Ausprägung der Gebäudetypologie von Siedlungshäusern der 1920er Jahre und ist von prägendem Einfluss auf das Straßenbild. Aus den oben genannten Gründen besteht an der Erhaltung der Siedlung öffentliches Interesse.
- Untergeordnete Objekte (ID | Typ | Adresse)
- 61769076 | Wohnhaus | Wichernstraße 1
61769077 | Wohnhaus | Wichernstraße 19
61769078 | Wohnhaus | Wichernstraße 33
61769079 | Wohnhaus | Wichernstraße 39
61769080 | Wohnhaus | Wichernstraße 35
61769081 | Wohnhaus | Wichernstraße 43
61769082 | Wohnhaus | Wichernstraße 47
61769083 | Wohnhaus | Wichernstraße 51
61769084 | Wohnhaus | Wichernstraße 55
61769092 | Wohnhaus | Wichernstraße 8
61769093 | Wohnhaus | Wichernstraße 20
61769094 | Wohnhaus | Wichernstraße 24
61769095 | Wohnhaus | Wichernstraße 32
61769096 | Wohnhaus | Wichernstraße 36
61769097 | Wohnhaus | Wichernstraße 40
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro
Backsteindetails der Siedlung (2024)
Fensterdetails der Siedlung (2024)
Siedlung Wichernstraße (2024)
Ansicht von Westen: Wichernstraße 35-57 (2024)
Wichernstraße 57-59: Bauwerkdetails (2024)
Details der Siedlung (2024)

