Steinwerk
- Landkreis
- Stadt Osnabrück (kreisfrei)
- Samtgemeinde
- Osnabrück, Stadt
- Gemeinde
- Osnabrück
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Innenstadt
- Adresse
- Hasestraße 60
- Objekttyp
- Steinwerk
- Baujahr
- Vermutlich im ausgehenden 13. oder im 14. Jahrhundert
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Wissenschaftliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 97c4b528-d1ee-44c4-a2e4-e57f902c28f7
- System-ID
- #61760141
- ADABweb-ID
- 51561791
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Denkmalthema
- Osnabruecker_Steinwerke
- Beschreibung
- Ehemaliges Steinwerk auf der Parzelle Hasestraße 60 hinter einem Vorderhaus (1959) stehend. Annähernd quadratischer Grundriss von 8,90 m x 9,00 m, die Nordwestecke im Erdgeschoss der Grundstücksgrenze entsprechend abgeschrägt. Über einem halb eingetieften Keller mit flacher Stahlbetondecke drei Geschosse, sehr flach nach Osten geneigtes Pultdach. Die Außenwände aus Bruchstein (Westerberger Kalkstein) an der Nord-, Ost- und Südseite steinsichtig bzw. geschlämmt mit größeren Ergänzungen aus roten Ziegelsteinen, nach Westen zum Innenhof verputzt. An der Nord- und Südfassade jeweils der Ortgangverlauf eines ehemals steilen Satteldaches erkennbar, größere Fensteröffnungen vorrangig in der Ost- und Westfassade. Im Osten und Süden ein- bzw. zweigeschossig angebaut (1962), nach Westen Verbindungsbau zum Vorderhaus, die auf der Grundstücksgrenze stehende Nordwand ohne Anbauten. Das ursprüngliche Steinwerk vermutlich im ausgehenden 13. oder im 14. Jahrhundert errichtet und im 15./16. Jahrhundert aufgestockt, im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt und 1948 unter Verwendung des bestehenden Außenmauerwerkes ohne Dachgeschoss wiederaufgebaut.
- Denkmalbegründung
- In der Altstadt von Osnabrück haben sich bis heute 35 Steinwerke aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit erhalten. Durch umfangreiche Forschungen seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert konnte inzwischen sogar die Existenz von rund 150 Steinwerken nachgewiesen werden. Erste Steinwerke entstanden in Osnabrück spätestens seit dem späten 12. Jahrhundert. Angenommen wird, dass die frühen Steinwerke in massiver Bauweise und mit einem steinernen Gewölbe unmittelbar unter dem Dach als Schutz von Hab und Gut vor Stadtbränden errichtet wurden. Sie dienten als Hinterhaus zu einem straßenseitigen Vorderhaus, das aus Fachwerk bestand. Die gemeinsame Wand von Vorder- und Hinterhaus (Kommunwand) war gegenüber den übrigen Außenwänden des Steinwerkes stärker ausgebildet und konnte so auch die Treppenläufe in die Obergeschosse aufnehmen. Brandschutzbestimmungen, die der Rat der Stadt Osnabrück 1338 erließ, führten offenbar zu einer Eindämmung der Brandgefahr, zumindest ist festzustellen, dass Steinwerke nachfolgend ohne Gewölbe unter dem Dach erbaut wurden. Auch die Außenwandstärke, die keinen Gewölbeschub mehr aufzunehmen hatte, wurde reduziert. In spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Zeit entstanden zahlreiche dieser Steinwerke, die zu einem fast selbstverständlichen Bestandteil der Häuser der wohlhabenden Bürger und Oberschicht Osnabrücks wurden. Dabei hat sich in Osnabrück gegenüber anderen Städten ein eigenständiger Bautyp des Steinwerkes herausgebildet: Die massiv aus Bruchstein gemauerten Gebäude haben einen rechteckigen, fast quadratischen Grundriss. Das Steinwerk gehörte zu einem Vorderhaus, mit dem es eine funktionale Einheit bildete. Über einem halb im Erdreich eingegrabenen Keller befanden sich im hochliegenden Erdgeschoss ein Wohnraum und darüber die Speichergeschosse. Das Erdgeschoss war über das Vorderhaus zugänglich, eine direkte Verbindung zwischen Keller- und Erdgeschoss bestand nicht. Während die frühen Steinwerke über Treppenläufe verfügten, die innerhalb der Kommunwand verliefen, ist bei späteren Steinwerkes eine Erschließung der Obergeschosse über das Vorderhaus anzunehmen. Neben den wenigen Steinwerken mit sehr gutem Erhaltungszustand (Bierstraße 7, Dielingerstraße 13) befinden sich in der Altstadt weitere Steinwerke, die trotz baulicher Veränderungen und Überformungen noch die bautypprägenden Merkmale erkennen lassen und für die Bauforschung eine bedeutende Primärquelle darstellen. Ein solches Steinwerk steht in der nördlichen Altstadt auf der schmalen Parzelle Hasestraße 60 von der Straße nicht sichtbar hinter einem Vorderhaus, das 1959 anstelle des kriegszerstörten, giebelständigen Fachwerkhauses als dreigeschossiges, traufständiges Wohn- und Geschäftshaus neu errichtet wurde. Bei der systematischen Erfassung der Osnabrücker Steinwerke im Rahmen der Dissertation von Adolf Ide wurde es bereits in den 1930er Jahren erkannt und kartiert. An der Nord- und der Südfassade, die weniger Fensteröffnungen und damit mehr mittelalterliche Bausubstanz bewahrt haben, sind im Natursteinmauerwerk die Ortganglinien eines steilen Satteldaches zu erkennen. Das ursprüngliche Steinwerk war somit deutlich niedriger und stand traufständig hinter dem Vorderhaus, was auf eine Erbauungszeit im 13. oder 14. Jahrhundert hindeutet. Wohl im 15. oder 16. Jahrhundert erfolgte eine Aufstockung mit ebenso steiler Dachneigung, wobei die Firstrichtung gedreht und damit parallel zum giebelständigen Vorderhaus in Ost-West-Richtung verlief. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Vorderhaus zerstört und auch das Steinwerk brannte aus. Ein Foto, dass diesen Zustand dokumentiert, zeigt die westliche Giebelwand (Kommunwand) des Steinwerkes zum Vorderhaus. Zu erkennen ist der steile Giebel und der ursprüngliche Dachanschluss des kriegszerstörten Vorderhauses. Mittig verläuft ein aus Backstein gemauerter Schornsteinzug, links davon liegt der ursprüngliche, zugemauerte Kellerabgang mit rundbogiger Einfassung und rechts der noch heute vorhandene Zugang zum hochliegenden Erdgeschoss. Beim Wiederaufbau des Steinwerkes im Jahr 1948 wurde anstelle des steilen Satteldaches ein sehr flach nach Osten geneigtes Pultdach hergestellt, Fensterachsen und -öffnungen wurden verändert und fehlende Mauerwerkspartien in Backstein ergänzt. Das Steinwerk ist im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt und wurde in der Nachkriegszeit nutzungsbedingt in veränderter Form wieder aufgebaut, hat aber die Grundsubstanz des mittelalterlichen Außenmauerwerkes bewahrt. Das Gebäude ist beispielhaft für die Ausprägung des Bautyps der Osnabrücker Steinwerke und von Interesse für die Bauforschung. Zudem kommen dem Steinwerk stadt- und siedlungsgeschichtliche sowie aufgrund des Seltenheitswerts wissenschaftliche Bedeutungen zu, die das öffentliche Erhaltungsinteresse begründen.
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS

