Viehhof Leer
- Landkreis
- Leer
- Samtgemeinde
- Leer (Ostfriesland), Stadt
- Gemeinde
- Leer
- Objekttyp
- Markthalle
- Denkmalstatus
- Gruppe baulicher Anlagen (gemäß §3 Abs. 3 S. 1 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 9463285e-ef2a-497f-89e7-e9e01f4be78d
- System-ID
- #61540304
- ADABweb-ID
- 35649641
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Der Viehhof in Leer setzt sich zusammen aus der zentralen Viehmarkthalle sowie dem Wirtschafts- und Verwaltungsgebäude, die die nordöstliche Hauptzufahrt achsensymmetrisch einfassen. Nach Südwesten schließt eine große Freifläche an. Das Bauensemble des Viehhofes wurde im Jahr 1926 nach Entwurf des Stadtbauamtes Leer im Stil des Norddeutschen Backsteinexpressionismus errichtet. Anfang der 1980er Jahre erfolgte nach Teilabbruch der Viehmarkthalle der Neubau der Ostfrieslandhalle.
- Denkmalbegründung
- Mit der Verleihung des Marktrechtes im Jahr 1508 durch Graf Edzard I. von Ostfriesland entwickelte sich in Leer auch der überregionale Viehhandel. Anfang des 19. Jahrhunderts gab es im Frühjahr einen „mageren“ sowie im Herbst vier „fette“ Viehmärkte. Der Anschluss an die Hannoversche Westbahn 1854 beförderte den Handel, so wurden im Jahr 1870 bereits 20.000 Stück Vieh per Bahn transportiert. Die steigenden Anforderungen und Absatzzahlen begründeten schließlich die Entscheidung zum Bau eines modernen Viehhofes. Der zunächst ausgewählte Platz an der Blinke in der Nähe des Marktes auf der Großen Bleiche wurde aufgegeben zugunsten eines Standortes auf der Nesse. Die Nessehalbinsel wurde bereits 1841 von der Stadt Leer erworben und nach dem Ausbau des tidefreien Seehafens ab den 1920er Jahren als Hafen- und Industrieareal mit Bahnanschluss ausgewiesen. Der Entwurf von 1926 zum Bau des Viehhofes stammt vom Stadtbauamt Leer. Die Einweihung erfolgte am 2. März 1927. Neben der großflächigen Viehmarkthalle wurden ergänzend ein Wirtschafts- und ein Verwaltungsgebäude errichtet, die die nordöstliche Hauptzufahrt von der Nessestraße achsensymmetrisch einfassen. Die Gebäude des Viehhofes sind mit Fassaden aus dunkelroten Klinkersteinen im Stil des Norddeutschen Backsteinexpressionismus gestaltet. Ein kleines Pförtnerhaus, das mittig auf der Hauptzufahrt stand, sowie ein Schlachthaus sind heute nicht mehr vorhanden. In den frühen 1930er Jahren wurden jährlich etwa 60.000 Stück Vieh aufgetrieben, zu dieser Zeit war der Viehmarkt der größte in Nordwestdeutschland. Der Verlust der überregionalen Bedeutung des Leeraner Viehmarktes setzte ein, als nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten jüdische Viehhändler verdrängt und schließlich mit einem Berufsverbot belegt wurden. So musste der Gastwirt David Hirschberg 1935 auch seine koschere Gastwirtschaft aufgeben, die in dem südöstlichen Wirtschaftsgebäude untergebracht war und der Versorgung der jüdischen Händler diente. 1942 übergab die Stadt Leer den Viehhof an den Verein Ostfriesischer Stammviehzüchter. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte der Viehtransport zunehmend mit Lastkraftwagen, so dass ein zentraler Viehhof mit Bahnanschluss nicht mehr zwingend benötigt wurde. Um die Nutzungsmöglichkeiten zu erweitern, wurde die Viehmarkthalle Anfang der 1980er Jahre nach Teilabbruch durch die Ostfrieslandhalle baulich ergänzt. Zum traditionellen Gallimarkt erfolgt bis heute noch ein beträchtlicher Viehauftrieb. Der Viehhof in Leer ist mit der zentralen Viehmarkthalle, den ergänzenden Wirtschafts- und Verwaltungsbauten sowie den Freiflächen von geschichtlicher Bedeutung im Rahmen der Orts- und Wirtschaftsgeschichte. Zudem ist die Gebäudegruppe bedeutend für die Baugeschichte aufgrund des Anschauungswertes als beispielhafter Viehhof aus den 1920er Jahren im Stil des Norddeutschen Backsteinexpressionismus. Es besteht eine prägende Wirkung auf das Straßenbild der Nessestraße, so dass zudem die städtebauliche Bedeutung das öffentliche Erhaltungsinteresse der Gruppe „Viehhof Leer“ begründet.
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro

