Allerheiligen-Kirche
- Landkreis
- Stadt Delmenhorst (kreisfrei)
- Samtgemeinde
- Delmenhorst, Stadt
- Gemeinde
- Delmenhorst
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Delmenhorst
- Adresse
- Wildeshauser Straße 23
- Objekttyp
- Kirche
- Baujahr
- 1963 - 1965
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Künstlerische Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 916e0ae1-6ab0-41c4-9288-d04e7ec721af
- System-ID
- #61731983
- ADABweb-ID
- 45453743
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Moderner Kirchbau aus Stahlbeton mit freistehendem Glockenturm. Über einem unregelmäßigen, gestreckten Sechseck (34,4 m x 26,6 m) erhebt sich der Kirchenraum mit einem zeltartig konzipierten Dach, das von 16 Stützen aus Stahlbetonfertigteilen und einem umlaufenden Ringbalken getragen wird. Diese Stützen stehen außen mit Abstand vor der Fassade und bilden so einen weiten Dachüberstand um den zentralen Sakralbau. Die Außenwand besteht ebenfalls aus Fertigteilstützen sowie aus großen Wandelementen mit einer Oberfläche aus Waschbeton; die Westfassade ist mit kleinen Waschbetonplatten belegt. Der obere Bereich der Außenwand bis zum Dachansatz, der zur Querachse des Gebäudes ansteigt, wird vollflächig und umlaufend von Betonglasfenstern eingenommen. Die in die Außenwand integrierten und die freistehenden Fertigteilstützen sind wie der Ringbalken und die Betoneinfassung der Verglasung hell gefasst und heben sich gegenüber den Waschbetonflächen hervor. Die sechs auf den zentralen Firstpunkt zusammenlaufenden Dachflächen sind mit dunklen Dachplatten eingedeckt. Das Hauptportal der Kirche weist nach Nordwesten zur Wildeshauser Straße. Die mit getriebenem Kupferblech belegten Türflügel des Portals zeigen die pilgernde Gemeinde, die über ein zentrales Kreuz mit Sprossen zu den zwölf Toren des Himmlischen Jerusalems emporsteigen kann. Der Nebeneingang nach Süden wurde erst zu einem späteren Zeitpunkt ergänzt, passt sich hinsichtlich Gestaltung und Materialität jedoch dem Bestand an. Im Norden neben dem Kirchengebäude steht ein schlanker, 35 m hoher Glockenturm, der baulich nur durch den flachen Baukörper der Taufkapelle angebunden ist und damit fast freistehend wirkt. Die seitlichen, geschlossenen Wandflächen des Turmes sind hell gefasst und heben sich damit wie die Wandscheiben gegenüber der frontalen Ansicht hervor; diese weist wie die Westfassade der Kirche kleine Waschbetonplatten bzw. im oberen Bereich Schalllamellen auf. 1963/65 als Garnisionskirche (bis 1966) gebaut nach Entwurf von Ewald Brune aus Delmenhorst.
- Denkmalbegründung
- Das öffentliche Interesse an der Erhaltung der katholischen Kirche Allerheiligen an der Wildeshauser Straße in Delmenhorst-Deichhorst begründet sich durch die besondere geschichtliche, künstlerische und städtebauliche Bedeutung. Die Allerheiligenkirche wurde 1963-65 für die Katholiken in dem expandierenden Stadtteil Deichhorst und zudem als Garnisonskirche für die nahe gelegene Caspari-Kaserne errichtet und ist damit von ortsgeschichtlicher Bedeutung sowie ein frühes Zeugnis für die Entwicklung der Militärseelsorge in der Bundeswehr. Mit ihrer Architektur und der erhaltenen bauzeitlichen Ausstattung stellt die Allerheiligenkirche ein authentisches Gesamtkunstwerk der 1960er Jahre dar. Der sechseckige Kirchensaal wird von einem zeltartigen Dach stützenfrei überspannt und lässt als „Zelt Gottes“ den Leitgedanken des Architekten Ewald Brune erkennen. Die gelungene konstruktive Lösung mit schlanken, tragenden Gliedern unterstützt die Absicht des entwerfenden Architekten. Im Zusammenhang mit den Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils ist die Kirche ein frühes bauliches und künstlerisches Zeugnis einer veränderten Liturgieauffassung und damit von Bedeutung für die Bau- und Kunstgeschichte des modernen katholischen Kirchenbaus. Der Altarbereich rückt ins Zentrum und ermöglicht der Gemeinde die Teilhabe am liturgischen Geschehen. Der Beschluss des Konzils „mehr auf edle Schönheit bedacht zu sein als auf bloßen Aufwand“ (Konstitution über die heilige Liturgie, Sacrosanctum Concilium, Nr. 124) wird durch die Architektur und sakrale Kunst der Allerheiligenkirche konsequent und gestalterisch hochwertig umgesetzt. Nur punktuell und liturgisch begründet, wird der Kirchensaal künstlerisch gestaltet und ausgeschmückt (Betonglasfenster, Altarbereich, Kreuzwegstationen, Hauptportal). Als Kirchenbau eines überregional tätigen Architekten mit nicht alltäglichem Gestaltwert sowie mit der bauzeitlichen Ausstattung namhafter Künstler hat die katholische Kirche Allerheiligen im Kontext des Zweiten Vatikanischen Konzils eine herausragende künstlerische Bedeutung. Der 35 m hohe, schlanke Glockenturm ist ein straßenbildprägendes Element an der Wildeshauser Straße und ein Wahrzeichen des Stadtteils Deichhorst, womit der Allerheiligenkirche auch eine städtebauliche Bedeutung zukommt.
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
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