Jüdische Schule
- Landkreis
- Leer
- Samtgemeinde
- Leer (Ostfriesland), Stadt
- Gemeinde
- Leer
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Leer
- Adresse
- Ubbo-Emmius-Straße 12
- Objekttyp
- Schulhaus
- Baujahr
- 1909 - 1910
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Wissenschaftliche Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 8f72eaa1-d16e-4922-ae8e-7fb33e95c3e6
- System-ID
- #61749698
- ADABweb-ID
- 48234354
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Ehemalige jüdische Schule mit Lehrerwohnung. Zweigeschossiger Backsteinbau mit Walmdach, die Fassaden bis zur halben Höhe des Obergeschosses backsteinsichtig, darüber bis zur Traufe verputzt mit umlaufendem Fries aus aneinandergereihten Ellipsen, die straßenseitige Fassade vierachsig mit seitlichem Standerker, die Fensteröffnungen im Erdgeschoss segmentbogig, im Obergeschoss hochrechteckig, die massive Balkonbrüstung des Erkers im Obergeschoss ebenfalls als Putzfläche angelegt, an der westlichen Seite der Eingang zur Lehrerwohnung, der rückseitige Gebäudeflügel mit großen Fensteröffnungen nach Westen, im Erdgeschoss Klassenzimmer mit Vorraum, im Obergeschoss Konferenzzimmer, separater Zugang am nördlichen Ende des Gebäudeflügels über rundbogige Tür, hier Scheitelstein mit Inschrift „Erbaut 1909-10“.
- Denkmalbegründung
- In unmittelbarer Nähe zum Neubau des Ubbo-Emmius-Gymnasiums an der Ubbo-Emmius-Straße (ehemals Deichstraße) wurde 1909-1910 die jüdische Schule mit Lehrerwohnung nach Planung des Kreisbauinspektors Merzenich errichtet. Anfang des 20. Jahrhunderts nahmen etwa 25 Grundschülerinnen und -schüler am Elementarunterricht teil, nachmittags kamen weitere 20 Mädchen und Jungen zum jüdischen Religionsunterricht hinzu, die vormittags eine staatliche Schule besuchten. Nach dem Ersten Weltkrieg gingen die Schülerzahlen zurück, wobei die jüdische Gemeinde sich bemühte den eigenen Schulbetrieb fortzusetzen. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 kamen erste Zugangsbeschränkungen an staatlichen Schulen, spätestens mit dem Runderlass des Reichserziehungsministers Bernhard Rust vom 15.11.1938 war jüdischen Mädchen und Jungen der Besuch einer öffentlichen Schule untersagt. In Leer hatte die nationalsozialistisch geführte Stadtregierung bereits am 27.03.1933 beschlossen, dass mit Beginn des Schuljahres schulpflichtige Kinder jüdischer Familien ausschließlich in die jüdische Elementarschule einzuschulen waren. Die jüdische Gemeinde reagierte und passte den Lehrplan an, so wurden moderne Fremdsprachen wie Englisch und Französisch unterrichtet, um eine Auswanderung ggf. zu erleichtern. Nach Zerstörung der Synagoge im Zuge der Reichpogromnacht 09./10.11.1938 diente der Saal im Obergeschoss ersatzweise als Synagoge. 1939 wurde die jüdische Schule geschlossen und am 6. August 1939 von der Stadt Leer gekauft, die eine Dienstwohnung für den Direktor des Mädchengymnasiums einrichtete. Nach 1945 wurde das Gebäude als Mehrfamilienwohnhaus genutzt, 1956 ging der Besitz im Zuge eines Wiedergutmachungsverfahrens an die Johannisloge „Georg zur wahren Brudertreue“. Die Freimaurerloge verkaufte das Haus 1983 an zwei Tiermediziner. Im Jahr 2011 übernahmen der Landkreis Leer das ehemalige jüdische Schulhaus, das nach aufwändiger Instandsetzung und Restaurierung seither als Gedenk- und Begegnungsstätte sowie außerschulischer Lernort dient. Die ehemalige jüdische Schule an der Ubbo-Emmius-Straße 12 in Leer hat eine besondere Bedeutung für die Stadtgeschichte sowie für die Baugeschichte aufgrund des Anschauungswertes als Schulgebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert im Reformstil. Als letztes bestehendes Gebäude der einstigen jüdischen Gemeinde dokumentiert es einen Teil des konfessionell getragenen Schulwesens in Leer und ist mit dem authentischen Erhaltungszustand aufgrund des Seltenheitswertes und Überlieferungswertes von wissenschaftlicher Bedeutung. Das Gebäude hat eine prägende Wirkung auf das Straßenbild, so dass zudem die städtebauliche Bedeutung das öffentliche Erhaltungsinteresse begründet.
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro

