Villa Dr. med. Schüßler
- Landkreis
- Friesland
- Samtgemeinde
- Varel, Stadt
- Adresse
- Moltkestraße 5
- Objekttyp
- Villenanwesen
- Denkmalstatus
- Gruppe baulicher Anlagen (gemäß §3 Abs. 3 S. 1 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 8f5ae7ed-b0f2-4fbf-99e0-ff289b5c7216
- System-ID
- #61785265
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Villenanwesen im Kernbereich des ehemaligen Marienlustgartens, bestehend aus dem 1860 errichteten und 1888 um einen nordöstlichen Anbau erweiterten Wohnhaus an der Moltkestraße, dem südöstlich davon liegenden Gartengrundstück und der gemauerten Einfriedung dieses Gartens entlang der im Südwesten verlaufenden Parkstraße sowie entlang der südöstlichen und nordöstlichen Parzellengrenze.
- Denkmalbegründung
- Das Villengrundstück Moltkestraße 5 befindet sich im Bereich des ehemaligen Marienlustgartens. Bei dem so bezeichneten Gelände zwischen den Straßen Gartenstraße, Neumühlenstraße, Nebbsallee und Mühlenstraße handelt es sich um den ehemaligen, 1657-59 angelegten Schlossgarten der Vareler Residenz, der nach der Gemahlin Antons II. von Aldenburg, Wilhelmine Marie geb. Landgräfin von Hessen-Homburg, benannt worden war. Nach dem Verkauf der Vareler Herrschaft an Oldenburg im Jahr 1854 wurde der östlich des einstigen Schlosses gelegene Marienlustgarten aufgegeben und in 33 große Baugrundstücke ausparzelliert. Die neue Straßenführung und die Aufteilung der Grundstücke berücksichtigten dabei weitgehend die überkommenen Strukturen des Gartens. Die großzügig geschnittenen Parzellen, die in Teilen noch über alten Baumbestand verfügen, wurden ab circa 1860 durch vermögende Vareler Bürger, darunter Industrielle, Kaufleute und Beamte, mit repräsentativen Villen bebaut. Auf drei zentral gelegenen Teilgrundstücken des Marienlustgartens ließ im Jahr 1860 der Arzt Dr. med. Schüßler sein Wohnhaus an der Moltkestraße 5 als zweigeschossigen Putzbau mit schmalem Attikageschoss über quadratischem Grundriss unter flachem Walmdach errichten. Die dreiachsigen Fassaden zeigen mit umlaufendem Gurt-, Fenster- und Attikagesims, schmalen Fenster- und Türfaschen mit geradem Sturzgebälk sowie als oberem Abschluss einem Kranzgesims mit eng liegendem Konsolfries einen Aufbau in klassizistischer Tradition. Nach einem Brand im Jahr 1861 wurde das Haus wiederhergerichtet. 1888 wurden die Praxisräume durch einen traufständigen, zweigeschossigen und vierachsigen Anbau unter Satteldach im Nordwesten erweitert. Das südöstlich gelegene, weitläufige Gartengrundstück, das in Teilen heute noch über alten Baumbestand verfügt, ist entlang der Parkstraße sowie entlang der südöstlichen und nordöstlichen Parzellengrenze mit einer circa zwei Meter hohen, bauzeitlichen Backsteinmauer mit Mauerpfeilern eingefriedet. Lediglich entlang der nordöstlichen Parzellengrenze ist die Mauer nicht auf der gesamten Länge erhalten geblieben. Zur Moltkestraße und an der nordwestlichen Grundstücksecke bestand bzw. besteht die Einfriedung aus Mauerpfeilern mit dazwischenliegendem, gemauertem Sockel und Zaunfeldern. Historische Abbildungen belegen, dass die Art und Weise der Einfriedung typisch für die neu entstandenen Villengärten im ehemaligen Marienlustgarten war. Mit der Villa Dr. med. Schüßler jedoch hat sich wohl nur ein einziges Anwesen in dieser Geschlossenheit erhalten. Die Bebauung des Grundstücks Moltkestraße 5 zeugt von einer bedeutsamen Wende in der Stadtgeschichte Varels. Die Bebauung des Marienlustgartens markiert zum einen das Ende der gräflichen Herrschaft und zum anderen den Beginn der Industrialisierung, die mit dem Ausbau und der baulichen Erweiterung Varels einherging. In der Folge ließen sich ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Fabrikbesitzer, höhere Verwaltungsbeamte oder Akademiker in Varel nieder und repräsentative Wohnhäuser auf großzügigen Gartengrundstücken errichten. Als Wohnhaus wählte die vermögende Bauherrenschaft häufig den Typus des zweigeschossigen Walmdachhauses auf annähernd quadratischem Grundriss, wie er sich beispielsweise mit den Wohnhäusern Oldenburger Straße 1 und 11, Mühlenstraße 21 und 30 oder Obernstraße 8 erhalten hat. Mit dem im spätklassizistischen Stil errichteten Wohnhaus, dem weitläufigen Gartengrundstück und der dazugehörigen Einfriedung der Moltkestraße 5 ist ein besonders repräsentatives Beispiel in städtebaulich prägnanter Lage auf uns gekommen. Aufgrund seiner zentralen Lage und der großzügig zugeschnittenen Grundstücke mit altem Baumbestand gehörte damals insbesondere das Gebiet des Marienlustgartens zur bevorzugten Wohnlage des gehobenen Bürgertums. An der Erhaltung des Villenanwesens Dr. med. Schüßler besteht aufgrund seiner orts- und stadtbaugeschichtlichen Bedeutung sowie durch die beispielhafte Ausprägung eines Stils und Gebäudetypus in Verbindung mit seiner städtebaulichen Bedeutung wegen der prägenden Wirkung auf das Straßenbild sowie als Element des räumlichen Gefüges einer Straße ein öffentliches Interesse. Aus den vorgenannten Gründen handelt es sich bei dem Villenanwesen Moltkestraße 5 in Varel um ein Baudenkmal gem. § 3 Abs. 3 NDSchG.
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
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