Evangelisch-lutherische Lutherkirche
- Landkreis
- Leer
- Samtgemeinde
- Leer (Ostfriesland), Stadt
- Gemeinde
- Leer
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Leer
- Adresse
- Patersgang 1
- Objekttyp
- Kirche
- Baujahr
- 1675 (Erbauung)
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Künstlerische Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 871e78b1-e323-496a-907a-5dc857db01e6
- System-ID
- #61540558
- ADABweb-ID
- 35657228
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Denkmalthema
- Leer_Altstadt
- Beschreibung
- Evangelisch-lutherische Lutherkirche, Backsteinbau auf kreuzförmiger Grundfläche mit diagonal gestellten Annexbauten zwischen den Kreuzarmen und niedrigeren Anbauten mit den Zugängen zum Kirchenraum. Die Satteldächer der Bauteile mit Schiefer in Rechteck-Doppeldeckung (Englische Deckung) gedeckt, im Westen auf dem Kirchschiff aufsetzend ein gestufter Glockenturm mit offener Laterne und geschweifter Haube. Im Kern einschiffiger Backsteinbau unter Satteldach in Ost-West-Ausrichtung, die gedrungenen, spitzbogigen Fenster mit Putzfaschen, errichtet 1675. Erweiterung nach Westen 1706-1710, Westfassade zum Lutherischen Schulgang im unteren Teil mit Eckquaderung aus Sandstein, das rundbogige Barockportal mit Sandsteineinfassung, Verdachung, Wappen und Inschrift „UNTER DER REGIERUNG HERRN GEORG ALBRECHTS FÜRSTN ZU OST=FRIESZLAND HERRN ZU ES[ENS] STEDESD[ORF] UND WITTM[UND] IST DIESES NEUE WERCK ERBAUET WORDEN AO MDCCX“. Dem Kernbau gestalterisch angepasster Anbau des nördlichen Kreuzarmes 1738, der Nordgiebel mit zwei hochliegenden Rundbogenfenstern, Beitelmauerwerk und eingemauertem Wappenstein in der Giebelspitze. Der 32 Meter hohe Glockenturm 1764-66 über der Westerweiterung von 1710 aufgebaut, auf Traufhöhe setzt der quadratische, verschieferte Turmunterbau an, nur auf der Westseite zwei kleine Fensteröffnungen, oberhalb des Kirchenschifffirstes Galerie und eingerückt ein oktogonaler Turm mit Eckpilastern, Gesimsen, Schallarkaden und kleinen Fensteröffnungen, die gegenüber den verschieferten Wandflächen mit heller Fassung abgesetzt sind, abschließend geschwungene Turmhaube mit Laterne aus hell gefasster Holzkonstruktion, die Haube mit Kupfer eingedeckt und anschließend von vergoldeter Kugel und Schwan als Wetterfahne bekrönt. Gestalterisch angepasste Verlängerung des Kirchenschiffes nach Osten 1793, der Ostgiebel unmittelbar am Patersgang stehend mit zwei Fensteröffnungen, dazwischen Schrifttafel aus Sandstein, das Giebeldreieck mit Rundfenster und Beitelmauerwerk. 1882 als Pendant zum nördlichen Kreuzarm ein Anbau nach Süden in neugotischer Backsteinarchitektur, im Südgiebel zwei Spitzbogenfenster mit filigranem, gusseisernem Maßwerk durch gemeinsame Spitzbogenblende zusammengefasst, darüber Rundfenster, das Giebeldreieck mit kleinen Fialen, ansteigendem Spitzbogenfries am Ortgang und abschließender Kreuzblume, nach Osten und Westen Vorbauten mit den Zugängen zur Kirche und Empore. An der Nordostecke des Nordflügels ein weiterer neugotischer Eingangsvorbau, im Schildgiebel des sehr flachen Satteldaches rautenförmige Sandsteintafel mit Darstellung eines Schwans. 1910 nördlich am Kirchturm kleiner, polygonaler Treppenturmanbau mit geschweifter, verschieferter Haube angefügt. Der Innenraum mit Holztonnen in Ost-West-Längsausrichtung, durch je drei weite Arkadenbögen nach Norden und Süden zu den Kreuzarmen und Annexbauten geöffnet. Im Altarbereich ein aus Esens stammender Kanzelkorb aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts mit Faltwerk und Wappen in den Füllungen, gegenüber der Fürstenstuhl vom Ende des 17. Jahrhunderts mit Aufsatz und Wappen von 1732, im Osten hinter dem Altar Empore mit Orgelprospekt von 1795 (Orgel von 2002), das Kruzifix auf dem Altarblock und die hölzerne Lambris von 1910, ebenso die Ausmalung des Kircheninnenraumes durch Reinhard Ebeling (Hannover) im Stil des Neobarock.
- Denkmalbegründung
- Die lutherischen Bewohner der reformierten Stadt Leer besuchten den Gottesdienst in den umliegenden Gemeinden und gehörten seit 1639 der Pfarrei in Logabirum an. Da die Anzahl der Lutheraner in Leer wuchs und der Weg nach Logabirum beschwerlich war, erteilte die lutherische Fürstin Christine Charlotte, die nach dem Tod ihres Mannes 1665-1690 Ostfriesland regierte, im Jahr 1673 den Lutheranern die freie Religionsausübung und Erlaubnis zur Gründung einer evangelisch-lutherischen Gemeinde in Leer, wogegen die Reformierten mit Bezug auf die Emder Konkordate von 1599 erfolglos protestierten. Christine Charlotte schenkte der neuen Gemeinde Backsteine des aufgelösten Klosters Thedinga als Baumaterial und gewährte zudem finanzielle Unterstützung, so dass der Grundstein am 2. Juni 1675 gelegt und die Lutherkirche nach zügigem Baufortschritt bereits am 24. September 1675 in Anwesenheit der Fürstin sowie des Auricher Hofes eingeweiht werden konnte. Aufgrund des stetigen Wachstums der lutherischen Gemeinde wurde die Lutherkirche in den Jahren 1710 durch einen Anbau nach Westen, 1738 mit dem nördlichen Kreuzarm, 1793 durch den Anbau nach Osten sowie 1882 mit dem südlichen Kreuzarm sukzessive erweitert. Trotz der stetigen Baumaßnahmen ist ein einheitlich wirkender Backsteinbau mit schiefergedeckten Satteldächern entstanden, der durch die angebauten Kreuzarme und diagonalgestellten Annexbauten die Tendenz zum Zentralbau zeigt. Der bereits Anfang des 18. Jahrhunderts projektierte Glockenturm konnte zunächst aufgrund des Widerstandes der reformierten Gemeinde nicht realisiert werden. Erst mit der Genehmigung durch den preußischen König Friedrich II. im März 1764 erfolgte bis 1766 der Aufbau des Glockenturmes, der mit einer Höhe von 32 Metern, geschwungener Turmhaube und offener Laterne über das Kirchenschiff und aus den Baumkronen hervorragt. Das Innere der Kirche wurde im Zuge einer Gesamtinstandsetzung 1910 mit einer einheitlichen, neobarocken Raumfassung gestaltet, wobei ältere Ausstattungsstücke erhalten blieben. Zur weiteren Erschließung der Emporen wurde im Nordwesten ein kleiner Treppenturm mit geschwungener, verschieferter Haube angebaut. Die evangelisch-lutherische Lutherkirche am Patersgang in Leer ist von geschichtlicher Bedeutung im Rahmen der Orts-, Stadtbau- und Siedlungsgeschichte sowie der örtlichen Religionsgeschichte. Ferner ist der Kirchenbau von bau- und kunstgeschichtlicher Bedeutung aufgrund des Anschauungswertes als beispielhafter lutherischer Kirchenbau, der in mehreren Bauphasen vom 17. Jahrhundert bis ins frühe 20. Jahrhundert errichtet wurde. Mit dem Innenraum in der neobarocken Fassung von 1910 und der teils älteren Ausstattung kommt der Lutherkirche zudem eine künstlerische Bedeutung zu. Der Kirchenbau prägt das Straßen- und Stadtbild und ist mit dem 32 Meter hohen Glockenturm ein wesentlicher Bestandteil der Stadtsilhouette, so dass insgesamt ein öffentliches Erhaltungsinteresse besteht.
- Literatur
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro

