Wohn-/Wirtschaftsgebäude
(2022)
Nordfassade 1978 (1978)
Inschrift im Torsturz der Nordfassade 1978 (1978)
Südfassade 1978 (1978)
(1978)
(2022)
(2022)
Rundling 19 Haupthaus (rechts ) und Stall (links) (2022)
Rundling 19 Haupthaus (links) und Stall (rechts) (2022)
- Landkreis
- Lüchow-Dannenberg
- Samtgemeinde
- Lüchow
- Gemeinde
- Wustrow (Wendland), Stadt
- Gemarkung
- Güstritz
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Güstritz
- Adresse
- Im Rundling 19
- Objekttyp
- Wohn-/Wirtschaftsgebäude
- Baujahr
- 1716
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 84ae6dd4-e67e-428d-9dfb-8edb85aaaa75
- System-ID
- #61310976
- ADABweb-ID
- 30886635
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Denkmalthema
- Siedlungslandschaft_Rundlinge_Wendland_1 Siedlungslandschaft_Rundlinge_Wendland_2
- Beschreibung
- Die kleine Kötner- bzw. Kossaterstelle liegt rundlingstypisch an der historischen Zufahrt zum Dorf und schnürt diese zusammen mit der gegenüberliegenden Hofstelle Nr. 1 ein. An der Südseite begrenzt die „Landstraße“, nach Osten das Kriegerehrenmal des Dorfes und nach Westen die einstige nach 1828 an die Landstraße ausgelagerte Hofstelle Nr. 18. Das kleine Grundstück ist lediglich mit einem Dreiständer-Hallenhaus an der Dorfzufahrt als Haupthaus, einem parallel unmittelbar westlich errichteten Nebengebäude, dem Brunnen am Ende der Hofzufahrt zwischen den beiden Bauten und einem erst 1911 entstandenen Geräteschuppen mit Holzschauer an der Landstraße bebaut. Wie bei den meisten Kötnerstellen gab es nie eine Scheune. Die ersten, nachweisbaren Betreiber der Hofstelle waren zugleich auch die Bauherren des Haupthauses, wie aus einer Inschrift am Wirtschaftsgiebel hervorgeht: „Johann Joachim Bethke“ (gest. 1755) und „Anna Zibilla Röhffen“ (gest. 1775). Nach dem Kirchenbuch und dem Eintrag Ihrer Trauung am 21. Sonntag nach Trinitatis (Tag der heiligen Dreifaltigkeit am Sonntag nach Pfingsten) stammen beide nicht aus Güstritz sondern aus Klennow und Dolgow. Demnach könnte die Hofstelle bis zu diesem Zeitpunkt wüst gelegen haben, wie es für viele Kötnerstellen nach dem Dreißigjährigen Krieg bis in das 18. Jahrhundert überliefert ist. Bis kurz vor 1911 als Heinrich Tiedtke die Hofstelle übernahm, wurde sie fast 200 Jahre durch die Familie Bätje bewirtschaftet. Die frühzeitige Umwandlung in einen Nebenwohnsitz ohne landwirtschaftliche Nutzung führte zum Erhalt der Hofanlage. Sie wird einfühlsam beschrieben in dem Dokumentarfilm von Till Lehmann „Die runden Dörfer im Wendland“, der im Herbst 2015 gedreht und im Dezember 2015 im NDR ausgestrahlt wurde. Haupthaus: Der im Kern nach Inschrift im Torsturz am 1. Dezember 1716 gerichtete Bau, ein Dreiständer-Hallenhaus mit Kübbung auf der Westseite steht unmittelbar auf der Grundstücksgrenze zu Nr. 16. Auf einer Grundfläche von nur 9,95 m in der Breite und 13,10 m in der Länge ist das übliche Raumprogramm der Haupthäuser auf den Vollbauernstellen weitgehend enthalten. Da nur wenige vergleichbar alte Häuser erhalten sind, ist ein direkter Vergleich allerdings nur eingeschränkt möglich. Aufgrund von zwei aufeinander aufbauenden bauhistorischen Untersuchungen von Juli 2013 von Knut Hose, Burghard Kulow und Dirk Wübbenhorst sowie von Juli 2019 von Dirk Wübbenhorst, können die wesentlichen Bau- und Umbauphasen des Hauses im Bestand abgelesen werden. Weitgehend unverändert ist der dekorative Wirtschaftsgiebel mit den Inschriften an der Zufahrt des Dorfes nach Nordosten, an den sich mit weiten Abständen fünf Gebinde in Dreiständer-Bauweise anschließen. Einseitig nach Westen zur Wetterseite schließt sich eine Kübbung oder Abseite an mit Nebenräumen, die im Grundriss zu einer Dreischiffigkeit führte. Die breite Wirtschaftsdiele im westlichen Hauptschiff reichte ursprünglich vom ersten bis zum vierten Gebinde. Dann folgte vom vierten bis fünften Gebinde der Wohnteil, der aus einer großen Kammer oder Stube am Ende der Wirtschaftsdiele und eine kleine Kammer mit anschließender hoher Küchenstube an der Südostecke des Hauses in Verlängerung des östlichen Seitenschiffes bestand. Die Küchenstube ragte über das schmale östliche Seitenschiff hinaus, sodass sie einen direkten Zugang am westlichen Ende der Wirtschaftsdiele erhielt. Zwischen dem Wohnteil und den Stallungen lag an der Ostseite mit der Hofzufahrt auch ein kleiner Querflur auf die Diele, wie er bis weit ins 19. Jahrhundert im Wendland üblich war. Die schornsteinlose Küchenstube, die die Hälfte der Hausbreite einnahm, ragte mit einem ebenfalls dekorativen Giebel mit Rautenfachwerk und Inschriften einhüftig und erkerartig nach Westen vor. Beide Giebeldreiecke, das Große nach Nordosten und das Kleine der Küchenstube nach Südwesten waren bzw. sind mit Fuß- und Kopfstreben aufwendig verstrebt. Bis zur Dachbalkenlage besteht das komplette Fachwerk aus Eichenholz, das Dachwerk aus Nadelholz. Die im 19. Jahrhundert übliche Erhöhung des Wohnteil durch das sogenannte Pomös mit einem Zwischengeschoss bei durchlaufender First- und Traufzone war in diesem Haus ursprünglich nicht vorhanden. Allerdings verfügte bereits der Kernbau über eine Vorstufe in Form einer entsprechenden Erhöhung des Luftraums über dem Herdraum in das Dachwerk und um rund einen Meter. Diese Konstruktion diente der Ableitung des Rauchs aus Küche und Stube in den Dachraum. Zwischen dem dritten und vierten Gebinde öffnete sich die Diele ursprünglich zur Kübbung über einen sogenannten Luchtbalken. Eine frühzeitige Erweiterung des Wohnteils nach Westen erfolgte nach einer inschriftlichen Datierung im Lehmputz im Jahr „1736“. Dabei wurden der einhüftige Vorbau mit der großen Küchenstube und die große Kammer durch Anbauten in Firstverlängerung so erweitert, dass nunmehr ein gerader Abschluss am Giebel nach Südwesten entstand. An die Küchenstube schloss sich nun an der Südostecke eine Kammer und an die große Kammer an der Südwestecke eine zusätzliche Stube an. Der alte Steilgiebel mit der Inschrift verschwand dabei im Dachraum der Hauserweiterung. Im 19. Jahrhundert wurde das Haus mehr und mehr den übrigen, modernen Haupthäusern der Zeit angepasst. Nach den vorliegenden Einwohnerlisten lebten in der Mitte des 19. Jahrhunderts neun Menschen aus drei Generationen in dem Haus. Im Gegensatz zu den Vollbauernstellen gab es kein zweites Wohnhaus auf der Hofstelle. Zu den beiden Ehepaaren im Haus gehörte vermutlich auch im 18. Jahrhundert zumindest zeitweise immer ein Altenteil mit den weichenden Bauern. Je nach Gesundheit konnte eine Generation den Hof 15 bis 30 Jahre bewirtschaften. Eine zweite Stube war spätestens im 19. Jahrhundert auch in den bäuerlichen Schichten der Kötner erforderlich. Mit dem Einbau eines über Dach geführten Schornsteins konnte nun der hohe Luftraum in der Küchenstube mit einer Zwischendecke abgetrennt und als Lagerboden verwendet werden. Diese Nutzung wurde über den gesamten Wohnteil erweitert. Die Diele wurde zugunsten der Wohnteils um ein Gebinde mittels einer Scherwand auf die heutige Größe verkleinert. Auch die Trennung zwischen Küche und Stube konnte mit dem ersten Schornstein eingeführt werden. Entsprechend den Gewohnheiten in der Region wurde die Stube an die Ostseite mit der Hofzufahrt verlegt und die Küche nach Westen in die alte Stube. Der Brunnen mit einem Ausgang von der neuen Küche am Südgiebel verblieb an seinem alten Standort an der Südostecke des Hauses. Für eine moderne Befensterung wurden zusätzliche Ständer eingefügt. Im frühen 20. Jahrhundert wurde auch die Kübbung bis an den Südgiebel verlängert. Die vierte und letzte Umbauphase setzte mit Aufgabe der bäuerlichen Nutzung und Verkauf um 1978 ein. Die Fotos aus der erstmaligen Erfassung von 1978 zeigen diesen Zustand, bevor das Haus zum Sommerhaus für Städter umgenutzt wurde. An einen ersten Innenausbau 1978-80 schloss sich ab Mitte der neunziger Jahre eine Fachwerksanierung an, bevor 2020 die Haustechnik und Innensanierung erneut ertüchtigt wurde. Im Zuge der Dachsanierung 2019 erfolgte auch eine Dachdämmung und ein Dachausbau zu Wohnzwecken über dem ehemaligen Wirtschaftsteil. Die Dächer des Haupthauses und des benachbarten Stallgebäudes wurden mit modernen Zementfaserrauten eingedeckt. Mit den neuen Sanitäranlagen in der Kübbung entstand 2020 auch eine neue Kleinkläranlage auf dem Grundstück. Inschriften (siehe auch Wendland-Archiv, Archiv-ID: 580442 sowie Bauaufmaß und Befundbericht Wübbenhorst Juli 2019) Wirtschaftsgiebel: Kehlbalkenebene: „DIE ARBEITEN HÖREN NIMMER AUF SIE WÄHREN UNSER DASEIN“ (Antiqua) Dachbalkenebene: „Unsren außgang segne Gott unsren Eingang gleichermassen. Segne unser täglich brot segne unser Thun und lassen“ (Fraktur, aus: „Dresdnisches Gesangbuch“, Lied Nr. 434, Vers 3) Torsturz: „DEN 1. DECEMBRIS ANNO 1716“ „Johann Joachim bethcke – Anna Zibilla Röhffen“ Alter Wohngiebel (heute im Dachwerk): Unter der Dachbalkenebene: „LASS DICH HERR JESU CHRIST DURCH MEIN GEBET BEWEGEN KOM IN MEIN HAUS“ Denkmalbedeutung: Das Dreiständer-Hallenhaus von 1716 gehört zum ältesten Baubestand in den Dörfern des Niederen Drawehn. Es vermag über einen Zeitraum von rund 250 Jahren ausgehend vom Rauchhaus mit Stubenküche die Entwicklung im Hausbau zu veranschaulichen. Das Haus ist aus baugeschichtlichen und –typologischen Gründen ein Baudenkmal nach § 3(2) NDSchG. Als ehemaliges Haupthaus einer Kötnerstelle ist es zudem aufgrund seiner siedlungsgeschichtlichen und städtebaulichen Bedeutung mit rundlingstypischer Anordnung ein Baudenkmal nach § 3(3) NDSchG innerhalb des Ensembles „Rundlingsdorf Güstritz“. Stallgebäude: Das kleine Stallgebäude in Fachwerk steht firstparallel zum Haupthaus nur getrennt durch die Hofzufahrt an dessen Ostseite. Ebenso wie beim Haupthaus befindet sich auch der Nordgiebel des Stallgebäudes unmittelbar auf der Grenze zur ursprünglich einzigen Zufahrt in das Rundlingsdorf. Die fünf Gebinde des kleinen Wandständerbaus sind im Querverband mit einer altertümlichen Ankerbalkenzimmerung ausgestattet, wie sie im Wendland noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts zur Anwendung kam. Die durchgehälste Ankerbalkenkonstruktion ermöglichte eine Hochrähmzimmerung mit einem offenen Bergeraum bis in den Dachraum. Das zweifach verriegelte Nebengebäude diente über einen längeren Zeitraum als Schweinestall. Die Gebindeabstände von gut zwei Metern lassen ursprünglich wie beim Haupthaus eine Langstroheindeckung vermuten. 2021 erfolgte eine Grundsanierung von Fachwerk und Außenhaut. Anstelle der großformatigen Zementfaser-Wellplatten aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die Dachflächen wie beim Haupthaus mit Betonrauten eingedeckt. Das südliche Giebeldreieck erhielt eine Vertikalverbretterung in Lärche. Denkmalbedeutung: Das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstandene Wirtschaftsgebäude bildete bis in das frühe 20. Jahrhundert das alleinige Nebengebäude der kleinen Hofstelle. Als Stallscheune wurde es multifunktional verwendet. Das mit seinem Giebel die Dorfzufahrt prägende Gebäude ist aus städtebaulichen Gründen als Baudenkmal nach § 3(3) NDSchG ausgewiesen. Nebengebäude: Das kleine auf der südlichen Grundstücksgrenze stehende Nebengebäude wurde im Kern 1911 als Geräteraum, Holzschauer und Abort errichtet. Das zeitweise auch als Pferdestall genutzte Gebäude wurde 1992 durchgreifend saniert.
- Denkmalbegründung
- Das Dreiständer-Hallenhaus von 1716 gehört zum ältesten Baubestand in den Dörfern des Niederen Drawehn. Es vermag über einen Zeitraum von rund 250 Jahren ausgehend vom Rauchhaus mit Stubenküche die Entwicklung im Hausbau zu veranschaulichen. Das Haus ist aus baugeschichtlichen und –typologischen Gründen ein Baudenkmal nach § 3(2) NDSchG. Als ehemaliges Haupthaus einer Kötnerstelle ist es zudem aufgrund seiner siedlungsgeschichtlichen und städtebaulichen Bedeutung mit rundlingstypischer Anordnung ein Baudenkmal nach § 3(3) NDSchG innerhalb des Ensembles „Rundlingsdorf Güstritz“.
- Übergeordnete Objekte (ID | Typ)
- 61296441 | Rundlingsdorf
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS
(2022)
Nordfassade 1978 (1978)
Inschrift im Torsturz der Nordfassade 1978 (1978)
Südfassade 1978 (1978)
(1978)
(2022)
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Rundling 19 Haupthaus (rechts ) und Stall (links) (2022)
Rundling 19 Haupthaus (links) und Stall (rechts) (2022)

