Puddingpulverfabrik A. J. Polak
- Landkreis
- Leer
- Samtgemeinde
- Weener, Stadt
- Gemeinde
- Weener
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Weener
- Adresse
- Bahnhofstraße 15
- Objekttyp
- Fabrikgebäude
- Baujahr
- 1918 - 1950
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 84906a2e-a094-43a0-b3f8-30adb5210207
- System-ID
- #61711854
- ADABweb-ID
- 44151191
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Gebäudekomplex der ehem. Puddingpulverfabrik A. J. Polak. Ursprünglich zweigeschossiges, nach Aufstockung dreigeschossiges Fabrikgebäude mit Walmdach, zur Bahnhofstraße achtachsige Putzfassade, im Erdgeschoss in der 2./3. Achse Durchfahrt, in der 5. Achse Hauseingang, das Erd- und 1. Obergeschoss durch Lisenen zwischen den Fensterachsen zusammengefasst, das aufgestockte 2. Obergeschoss höher und ohne Lisenen, der weite Dachüberstand mit Traufkasten auf Konsolen, die südliche, zwölfachsige Fassade zur Bahnstrecke in entsprechender Gestaltung mit Laderampe, die nördliche Fassade durch Anbauten verdeckt, der rückseitige Ostgiebel auf der Südhälfte für die Fahrstuhlanlage im Inneren turmartig erhöht mit abschließendem Fensterband und Flachdach, die Lage des Treppenhauses durch geschossübergreifendes Fenster erkennbar, das Dach mit roten Tonziegeln eingedeckt, zur Bahnhofstraße mittig Flachdachgaube, auf der Süd- und Nordseite je eine langgezogene Flachdachgaube, darüber kleinen Einzelgauben, im Inneren Stahlbetonkonstruktion mit im Raster angeordneten Stützen, weitgehend freie Fabriketagen, Treppenhäuser, Fahrstuhlanlage und einzelne Einbauten erhalten. Nach Osten das Kesselhaus angebaut, eingeschossiger ziegelsichtiger Bau mit Satteldach, am östlichen Giebel der hoch aufragende, ziegelsichtige Schornstein, dieser auf achteckiger Grundfläche, ab Firsthöhe des Kesselhauses rund. Nach Norden über Verbindungsbau angefügtes Wohnhaus, dreigeschossiger Putzbau mit Walmdach, durch geringere Geschosshöhe deutlich niedriger als der Fabrikbau, vierachsige Straßenfassade mit zweigeschossigen Erkervorbau in der 3./4. Achse, Hauseingang im Verbindungsbau, wie im Fabrikgebäude historischer Bestand an Holzsprossenfenstern. Errichtet 1916-18, Umbau und Aufstockung wohl in den 1930er Jahren.
- Denkmalbegründung
- Südwestlich der Altstadt von Weener in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof und angrenzend zur 1876 eröffneten Bahnstrecke liegt das Areal der ehemaligen Puddingpulverfabrik A. J. Polak. Polak war der bedeutendste Puddingpulverproduzent in den Niederlanden, der seit 1899 mit dem „A. J. P.´s Amandeltjes pudding“ am Markt war und seit den 1920er Jahren erfolgreich in Deutschland expandierte. Der jüdische Unternehmer Moritz Polak, der 1903 mit seinem Bruder Eduard von seinem Vater Abraham Joseph Polak die „Fa. A. J. Polak in koloniale waren“ in Groningen übernommen hatte, gründete im Jahr 1912 eine Zweigstelle in der Süderstraße in Weener. 1914 wurde ein Gebäude an der Risiusstraße erworben, und die Produktion konnte ausgebaut werden. In den Jahren 1916-18 wurde schließlich am heutigen Standort an der Bahnhofstraße ein neues Fabrikgebäude errichtet. Dieses ursprünglich zweigeschossige Gebäude nahm bereits die heutige Grundfläche des historischen Altbaus ein und lässt die bestehende Fassadengliederung erkennen. Bereits im Jahr 1920 gab Moritz Polak die Geschäftsführung in Weener auf und übertrug diese an Wiard Popkes und seinen Schwager Samuel de Vries. Ein weiterer Ausbau der Puddingpulverfabrik am Standort Weener mit der Aufstockung des Fabrikgebäudes und dem einhergehenden Umbau des nördlichen Wohnhauses und Verbindungsgebäudes erfolgte wohl in den 1930er Jahren. 1937 erfolgte die Umschreibung der A. J. Polak Aktiengesellschaft in eine Kommanditgesellschaft. Im Zuge der „Arisierung“, der zwangsweisen Enteignung von jüdischem Eigentum unter den Nationalsozialisten, sind an die Stelle der jüdische Aktionäre, die gleichzeitig Inhaber der Polak-Fabrik in Groningen waren, der nichtjüdische Kaufmann Wiard Popkes als Komplementär der Kommanditgesellschaft und Angehörige seiner Familie als Kommanditisten getreten. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte 1948-50 der Wiederaufbau der Fabrik und bis in die 1990er Jahre wurde am Standort in Weener Puddingpulver der Fa. Polak produziert. Der heutige Baubestand an der Bahnhofstraße dokumentiert die Entwicklungsgeschichte der Puddingpulverfabrik A. J. Polak in Weener. Der Ursprungsbau von 1916-18 ist in dem heutigen Baubestand integriert und in den Grundzügen noch erkennbar. In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgten Anbauten, der historische Gebäudekomplex hat sich dabei jedoch weitgehend im Zustand der 1930er Jahre erhalten. Die Puddingpulverfabrik A. J. Polak als einer der damals größten Arbeitgeber der Stadt dokumentiert einen Teil der industrielle Entwicklung Weeners nach dem Anschluss an das überregionale Bahnnetz und ist damit ein bauliches Zeugnis der Orts- und regionalen Wirtschaftsgeschichte. Mit dem gut erhaltenen Bauzustand der 1930er Jahre und den noch erkennbaren räumlich-funktionalen Zusammenhängen zwischen Fabrikgebäude, Kesselhaus mit Schornstein und angebautem Wohnhaus ist der Gebäudekomplex aufgrund des Zeugnis- und Schauwertes durch die beispielhafte Ausprägung einer kleinen Fabrikanlage der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts im kleinstädtischen Kontext von geschichtlicher Bedeutung. Durch die repräsentativ gestalteten Ansichten zur Bahnhofstraße und Bahnstrecke, den turmartigen Aufbau an der Südostecke des Gebäudes und den hohen Schornstein des Kesselhauses ist der Gebäudekomplex prägend für das Ortsbild im Umfeld des Bahnhofes und damit von städtebaulicher Bedeutung. Aus diesen Gründen besteht ein öffentliches Erhaltungsinteresse.
- Literatur
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro

