Gut Sondermühlen
- Landkreis
- Osnabrück
- Samtgemeinde
- Melle, Stadt
- Gemeinde
- Handarpe-Melle
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Sondermühlen
- Objekttyp
- Gutshof
- Denkmalstatus
- Gruppe baulicher Anlagen (gemäß §3 Abs. 3 S. 1 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Künstlerische Bedeutung, Wissenschaftliche Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 78a3462d-7147-4061-893a-a1261aaacb2e
- System-ID
- #61533864
- ADABweb-ID
- 35528207
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Im Südosten der Gemarkung gelegene, ehemalige Wasserburganlage mit umfriedeter Hausinsel, auf der sich das Herrenhaus als Vierständerbau, ein Wirtschaftsgebäude und das sogenannte Torhaus befinden. Die ehemalige Doppelwassermühle von 1705 liegt östlich der Hausinsel. Anlage mit Gärten, einer Allee im Norden und umfangreichem Gewässersystem mit Graft und Mühlengraben sowie mehrere Brücken. Das Herrenhaus im Inneren mit bäuerlich genutzter Diele und Wohnbereich, unterkellertem Kammerfach sowie spätgotischem Kamin. Das Wirtschaftsgebäude, womöglich einst eine Remise oder ein Stall, ist heute zu Wohnzwecken umgebaut. Der heutige Gebäudebestand auf der ehemaligen Burginsel entstand zwischen der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.
- Denkmalbegründung
- Die ehemalige Wasserburg Sondermühlen wurde wahrscheinlich durch Ebbeke von Vincke, der bereits im Jahr 1479 als Gutsbesitzer überliefert ist, durch Zusammenlegung von geerbtem Grundbesitz mit Hauptburg und nordöstlich vorgelagerter Vorburg angelegt. Der Name der Burg bezieht sich ursprünglich auf die Tatsache, dass sich hier eine bereits 1350 erwähnte Mühle befand. Das Anwesen befindet sich wenige Kilometer südlich der Stadt Melle im Tal des Violenbachs. Von 1558 bis 1778 befand sich die Wasserburg im Besitz der Familie von Nehem. Einige Besitzerwechsel folgten, 1796 ging das Gut an das Domkapitel Osnabrück und nach der Säkularisation an das Land Hannover. Zwischen 1816 und 1819 pachtete der Dichter Friedrich Leopold Graf zu Stolberg das Gut, hier versammelte er bedeutende Persönlichkeiten der romantischen Strömung und schuf einige seiner späten, bedeutenden Werke. Die nach ihm benannte Allee, die auf das Gut zuläuft, erinnert an ihn. Die wechselvolle Geschichte der Gutsanlage schlägt sich noch heute baulich nieder. Die Anlage wurde auf einer unregelmäßigen Hausinsel angelegt, die von einer knapp 15 Meter breiten Graft umschlossen wird, die sich nach Osten hin fast teichartig erweitert. Das alte Herrenhaus aus dem 16. Jahrhundert im Südwesten der Hausinsel zeigt sich als mächtiges, wie ein bäuerlicher Vierständerbau wirkendes Gebäude. Nach innen zur Hausinsel hin zeigt sich das Herrenhaus als Fachwerkbau, dessen aus einer Erweiterung des Gebäudes um 1619 stammenden Giebel mit Fächerrosetten, gekehlten Knaggen und Zahnschnittmotiven verziert ist. Der südliche und westliche, zur Graft hin liegende Teil des Hauses ist mit massiven Außenwänden aus Bruchstein errichtet. Im Süden mit einem einfachen steinernen Renaissancegiebel, im Westen mit Erkerausbau. Im Inneren ist das Gebäude in die ursprünglich bäuerlich genutzte Diele und den Wohnbereich unterteilt. Der im Wohnbereich erhaltene Sandsteinkamin im ebenerdigen Saal mit dem Wappen Vincke/Nehem belegen eine Bautätigkeit um 1560 und dokumentieren so eine Wohnform des Landadels zur beginnenden Neuzeit. Den hinteren Abschluss über der Gräfte bildet ein unterkellertes Kammerfach, das die Aufgabe des Steinwerkes und der Kemenate übernahm. Nach wie vor wird am Herrenhaus die spätmittelalterliche Verbindung von Adelshof und bäuerlichem Betrieb anschaulich verdeutlicht, hier lebten Patron, Familie, Gesinde und Vieh unter einem Dach zusammen. Ab 1678 hatte sich diese alte Ordnung auf dem Gut Sondermühlen geändert, es wurde ein neueres Herrenhaus auf der Ostseite der Hausinsel erbaut, an welches später ein zweiter Trakt rechtwinklig dazu angesetzt wurde. Nach Zeichnungen von E. A. Müller, die er vor 1841 angefertigt hatte, handelte es sich um ein massives, zweistöckiges Gebäude mit Steilgiebel. Dort ist im Nordosten der Hausinsel zudem eine umgräftete, rechteckige Garteninsel verzeichnet. Um 1841/42 ist das jüngere Herrenhaus wahrscheinlich aufgrund seiner Baufälligkeit abgebrochen worden. Das Torhaus mit südwestlich anschließendem Back- und Braugebäude wurde im Nordwesten der Insel errichtet und beherbergte bis 1869 auch die kleine St. Marien-Kapelle. Direkt hinter der Tordurchfahrt schließt eine Brücke mit eingelassener Bank und Schmuckelementen an, sie führt über die Graft mit vorgelagerten Mauern zur Auffahrtsituation. Sandsteinmauern mit Gartentoren führen zum westlich gelegenen Küchengarten und zum von der Graft gefassten Garten im Osten. Zwischen dem Brau- und Backhaus und dem alten Herrenhaus befindet sich ein wohl 1581 errichtetes Nebengebäude, das ursprünglich wohl als Remise oder Stall und später zu Wohnzwecken genutzt wurde. Die drei Gebäude aus dem 16. und 17. Jahrhundert bilden bis heute eine geschlossene Bebauung mit massiven Außenwänden entlang der Westseite der Insel aus, gemeinsam mit der breiten Graft bezeugen sie noch heute die ursprüngliche Wehrhaftigkeit der Anlage. Der Gutsanlage kommt geschichtliche Bedeutung für die Orts-, Siedlungs- und Wirtschaftsgeschichte sowie für die Bau- und Kunstgeschichte zu. Die Gutsanlage besitzt Zeugnis- und Schauwerte durch ihre beispielhafte Ausprägung, ihre künstlerischen Gestaltwerte sind im heutigen Bestand erfahrbar. Durch den prägenden Einfluss der Gutsanlage auf das sie umgebende Landschaftsbild begründet sich ihre städtebauliche Bedeutung. Zudem besteht eine wissenschaftliche Bedeutung aufgrund des Seltenheitswertes. Aus diesen Gründen besteht an der Erhaltung der Gutsanlage ein öffentliches Interesse.
- Untergeordnete Objekte (ID | Typ | Adresse)
- 61534048 | Torhaus | Nordenfelder Weg 45
61534149 | Allee | Graf-Stolberg-Allee 45
61749756 | Garten | Melle, Stadt - Handarpe-Melle
61749757 | Kanalanlage | Melle, Stadt - Handarpe-Melle
61534049 | Remise | Nordenfelder Weg 45
61534080 | Wassermühle | Nordenfelder Weg 37
61534081 | Wassermühle | Nordenfelder Weg 41 o.Nr. (östlich von Nr. 37)
61534079 | Wohn-/Wirtschaftsgebäude | Nordenfelder Weg 45
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro

