Schulgebäude
- Landkreis
- Stadt Emden (kreisfrei)
- Samtgemeinde
- Emden, Stadt
- Gemeinde
- Emden
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Emden
- Adresse
- Am Herrentor 20
- Objekttyp
- Schulgebäude
- Baujahr
- 1926-1930
- Personen
- Haasis, Reinhold Friedrich
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Künstlerische Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 76f74f4a-bbe4-4e67-8181-151fc29e44c6
- System-ID
- #61601033
- ADABweb-ID
- 36373674
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Die Herrentorschule wurde 1926-1930 nach Entwurf von Stadtbaurat Reinhold Haasis unter Mitarbeit von Walter Luckau errichtet. Es handelt sich um eine Zweiflügelanlage mit einem Hauptflügel, in dem die Klassenräume untergebracht sind, und einem Seitenflügel, der sich aus der Turnhalle, Umkleidegebäuden und einer Arkade aus Spitzbögen zusammensetzt. Der langgestreckte dreigeschossige Hauptflügel mit hohem Sockelgeschoss unter Flachdach ist im Nordostteil viergeschossig ausgebildet. Unterhalb des profilierten Traufgesims befindet sich ein flaches Relief aus Dreiecken und Halbkreisen, das sich wie eine Bordüre um die Baukuben zieht. Die Nordostfassade ist mit einem dreiachsigen Treppenerker versehen, der oberhalb der Traufe von einem übereckgestellten Uhrturm bekrönt wird. Die langgestreckten Hof- bzw. Straßenfassaden sind jeweils durch 26 Fensterachsen streng symmetrisch gegliedert, einziger Schmuck sind die spitzbogigen Verdachungen des ersten Obergeschosses. Die fünfte und sechste Achse sowie die 21. und 22. Achse im Erdgeschoss nehmen die Hauptportale mit einem hohen spitzwinkeligen, verglasten Dreiecksgiebel ein; die vorgelegten Freitreppen führen jeweils zu einer vierflügeligen mit Dreieckssprossen bestehenden Eingangstür, diese Türen (wie alle Außentüren) sind wie die eisernen Geländer mit den Voluten an den schräggestellten Antrittspfosten blau gefasst. Die schmale Südwestfassade hat durch drei schmale Fensterbänder mit Dreieckssprossen eine vertikale Betonung. Drei Fensterbänder befinden sich auch an der Hofseite des Treppenhauses an der Südostecke, das die Höhe der Traufe einnimmt, aber kein Baudekor in Form des Musterreliefs hat. Der Hauptzugang erfolgt durch die Eingangsportale, vom Windfang aus führt eine Treppe in das Erdgeschoss, das wie die übrigen Geschosse durch einen breiten Längsflur erschlossen wird. Die Wände des Windfangs sind ziegelsichtig mit aufgeputzten verschiedenfarbigen Bändern – horizontal oder als Zickzackmotive. Die Flure haben ziegelsichtige, paneelartige Wandzonen, die mit einem Zackenfries abschließen. Besondere Akzente setzen die Klassenzimmertüren, die sich pro Geschoss in der Farbigkeit unterscheiden. Die Wandgestaltung setzt sich in den beiden seitlichen Treppenhäusern fort. Die konischen Arkadenpfeiler am Seitenflügel mit ihren Ziegelbändern wiederholen sich hier bei den Antrittspfosten. Die Treppengeländer sind gemauert, in regelmäßigen Abständen angebrachte Eisengitter verhindern eine Rutschbahn. Die seitlichen Handläufe haben eine Holzauflage. An den Treppenabsätzen befinden sich verglaste Wandschränke für Lehrmittel. Der im rechten Winkel zum Hauptgebäude angefügte Seitenflügel setzt sich aus drei Gebäuden mit Flachdächern zusammen. Direkt am Hauptflügel schließt das eingeschossige Umkleidegebäude mit 13 Achsen an. Umfasst wird es an zwei Seiten von einer Arkade aus spitzbogigen Öffnungen und sich nach unten verjüngenden Pfeilern mit Ziegelbändern; diese Arkade ist an der nordwestlichen Achse offen und bildet einen Durchgang zur Hamhuser Straße. Dominiert wird der Seitentrakt durch die Turnhalle, die in der Höhe des ersten Obergeschosses vom Hauptflügel endet. Sie besitzt eine strenge vertikale Gliederung durch übereckgestellte Lisenen, die von der Rollschicht an der Traufe verkröpft sind und so bildet sich quasi ein Kapitell. Zwischen den Lisenen über den Fensterbahnen liegen Schmuckelemente aus Klinkern, hier wird das Motiv aus Spitzbogen und Halbkreis der Fensterverdachungen des Hauptflügels wiederholt. Hinter der hohen Attika verbirgt sich ein Sportplatz. Den östlichen Abschluss des Seitenflügels bildet ein weiteres Umkleidegebäude, eingeschossig und zur Hofseite dreiachsig. Die Turnhalle, als Doppelturnhalle angelegt, besitzt eine Bühne und auf der Südseite eine Zuschauergalerie, hier wiederholt sich die Gestaltung der Arkaden, an der Brüstung finden sich halbkreisförmige Ziegelornamente.
- Denkmalbegründung
- Die Planung für den Neubau zweier Volksschulen im Herrentorviertel lag in den Händen des Emder Stadtbauamts. Die Entwürfe stammen von dem Stadtbaurat Reinhold Haasis und seines Mitarbeiters Walter Luckau. Haasis verbindet wie Walter Heim bei der AOK in Emden additiv Kuben des Neuen Bauens mit Elementen des Backsteinexpressionismus. Die Wandgliederungen, vor allem an der Turnhalle die Kolossallisenen, betonen den Vertikalismus. Die Herrentorschule gehört zu den baugeschichtlich bedeutenden Bauten, die zwischen 1925 und 1930 im Stil des Backsteinexpressionismus in Emden errichtet wurden. Charakteristisch für diese Gebäude ist die Mischung aus Elementen des Neuen Bauens in der Kubatur mit den typischen Schmuckelementen in scharfkantigen, kristallinen Formen des Expressionismus. Besonders hervorzuheben ist die künstlerische Bedeutung durch die nicht alltägliche Gestaltung der Fassaden und vor allem der Innenausstattung mit den sehr aufwändig gestalteten Fluren und Treppenhäusern, der auch ein eigenes Farbkonzept zugrundeliegt. Innen wie außen finden sich kunsthandwerklich gestaltete Details wie die Treppengeländer. Die Herrentorschule gehört zu den sog. Reformschulen, wie sie vielerorts in der Weimarer Republik errichtet wurden. Sie sind bauliche Zeugnisse für die Reformpädagogik, bei der kindgerechtes Lernen und ein breitgefächertes Unterrichtsprogramm im Vordergrund stand. Dieses erforderte einen erhöhten Raumbedarf; benötigt wurden nun viele Spezialräume wie Physiksäle oder Hauswirtschaftsräume mit Lehrküche, die sich auch in der Herrentorschule finden. Bei den Schulbauten der Zeit wurde zudem ein Hauptaugenmerk auf die Gesundheits- und Wohlfahrtsfürsorge gelegt. Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglichten die Wandbrunnen, es gab auch Badestuben im Kellergeschoss. Städtebaulich ist die Herrrentorschule das Zentrum der Siedlung Herrentor im Südosten der Stadt Emden und prägt das Stadtviertel maßgeblich. Die ersten Pläne für die Stadterweiterung vor dem Herrentor stammen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. 1921 fertigte der überregional agierende Stadtplaner Hermann Jansen einen Generalbebauungsplan, die Bebauung mit eingeschossigen Wohnhäusern in Backstein – teilweise mit expressionistischem Dekor – erfolgte 1924/25 vor allem im Bereich der Danziger und Memeler Straße, die zweite Bauphase setzte 1930 ein, nun überwiegend in Form von Doppelhäusern. Die auch als Aula genutzte Turnhalle mit ihrer Bühne wurde nach dem Zweiten Weltkrieg ein wichtiger Veranstaltungsort im zerstörten Emden, so fanden hier beispielsweise bis zur Wiedereröffnung des Apollo-Theaters Filmvorführungen statt. Die Herrentorschule spielte damit auch eine zentrale Rolle im Gesellschaftsleben der Stadt. Aus den aufgeführten bau-, stadt- und sozialgeschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen besteht ein hohes öffentliches Erhaltungsinteresse.
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro

