Logierhäuser Damenpfad
- Landkreis
- Aurich
- Samtgemeinde
- Norderney, Stadt
- Gemeinde
- Norderney
- Adresse
- Damenpfad 37, 38, 39, 40
- Objekttyp
- Häuserzeile (Baukomplex)
- Denkmalstatus
- Gruppe baulicher Anlagen (gemäß §3 Abs. 3 S. 1 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 76473d1a-c6d3-44eb-8b7a-e36413d4c0e5
- System-ID
- #61495290
- ADABweb-ID
- 34634302
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Vier am westlichen Damenpfad gelegene dreigeschossige Logierhäuser des ausgehenden 19. Jahrhunderts mit straßenbildprägenden Verandavorbauten.
- Denkmalbegründung
- Am 3. Oktober 1797 bereits konnte die erste Seebadeanstalt auf Norderney eröffnet werden. Die offizielle Eröffnung Norderneys als erstes deutsches Nordseebad folgte drei Jahre später am 1. Mai 1800. Während der von 1806 bis 1813 dauernden französischen Besatzung aber kam der noch junge Bäderbetrieb vorübergehend vollständig zum Erliegen. Nach 1815 fiel Norderney als Ergebnis des Wiener Kongresses an das neu gegründete Königreich Hannover, das nach 1819 auch für die Verwaltung des Seebades zuständig war. Die Königlich Hannoversche Landesregierung veranlasste neben dem Neubau des Großen Logierhauses 1837/38, das dem Kronprinzen und späteren König von Hannover Georg V. und seiner Familie sowie seinen Gästen als Sommerresidenz dienen sollte, auch die notwendige Instandsetzung und den Ausbau der Badeeinrichtungen, so auch den Ausbau des Conversationshauses oder 1858 den Bau des ebenfalls am Kurplatz gelegenen Bazargebäudes. Nach Ende des Deutschen Krieges im Jahr 1866 wurde Norderney unter preußischer Regierung zur Königlich-Preußischen Seebadeanstalt. Unter der neuen Regierung wurde die Ortslage planmäßig erweitert und eine Bebauung der Parzellen mit Wohn- und Logierhäusern mittels Bauprämien und Zuschüssen gefördert. Parallel dazu wurde im Jahr 1883 die Ostfriesische Küstenbahn von Emden über Georgsheil nach Norden und weiter nach Esens bis zur Landesgrenze in Asel mit einem Abzweig in Georgsheil nach Aurich fertiggestellt. Die Strecke stellte eine Verlängerung der 1856 eingeweihten Hannoverschen Westbahn von Rheine nach Emden dar und band schließlich auch das nördliche Ostfriesland an den Zugverkehr an. An Bedeutung gewann die Zuganbindung Nordens mit dem Bau der Mole im Jahr 1891 und der Fertigstellung der Zweigstrecke Norden-Norddeich im darauffolgenden Jahr. Die Dampfschiffe, die ab 1872 zwischen Norddeich und den Inseln Juist und Norderney verkehrten, konnten Norderney nun tideunabhängig erreichen. Die Strecke ab Norden bis zum Fähranleger in Norddeich musste nicht mehr auf Kutschen und Fuhrwerken zurückgelegt werden, infolgedessen der Bäderverkehr über Norddeich einen großen Aufschwung erlebte. Im Stadtplan von 1866 ist der Damenpfad als Straße bereits angelegt und an seiner östlichen Seite zwischen der Strandstraße im Süden und dem „Weg nach dem Herrenstrande“ im Norden – hier verläuft im Plan von 1884 die Friedrichstraße – beinahe lückenlos mit Logierhäusern bebaut. Im Plan von 1884 ist auch die westliche Bebauung des Damenpfades zwischen dem heutigen Lüttje Damenpfad – der historischen Zuwegung zum Badestrand der Damen im Westen der Insel – und der Friedrichstraße nachweisbar. Den auf dem letztgenannten Straßenabschnitt gelegenen Logierhäusern Damenpfad 37, 38, 39, und 40 kommt im Rahmen der Ortsgeschichte sowie aufgrund ihres Zeugnis- und Schauwertes durch die beispielhafte Ausprägung eines Stils und Gebäudetypus eine geschichtliche Bedeutung zu. Die zwei- bis dreigeschossigen traufständigen Putzbauten aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts sind bauliches Zeugnis einer in diesem Zeitraum sprunghaft verlaufenden städtebaulichen Entwicklung, deren Motor zum einen der allgemeine wirtschaftliche Aufschwung im deutschen Reich nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und zum anderen die etwa zeitgleich einsetzende staatliche Förderung des Fremdenverkehrs auf Norderney war. Anstelle der noch bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts üblichen, in eingeschossiger Bauweise errichteten Insulanerhäuser, deren Bewohner in der Regel ihre Stuben während der Badesaison an Kurgäste vermieteten, entstanden gegen Ende des 19. Jahrhunderts überwiegend zwei- oder dreigeschossige Logierhäuser, die eigens zum Zweck der Beherbergung von Kurgästen errichtet wurden. Anhand des zeittypischen Fassadenstucks in Form von Putznutungen, Pilastergliederungen, Eckbossierungen, Zahnschnitt- oder Konsolkranzgesimsen, etc., sind die westlich am Damenpfad gelegenen Logierhäuser stilistisch dem Historismus zuzuordnen. Den Fassaden vorgelagert sind ein- bis zweigeschossige Veranden in Holz-Glaskonstruktion. Schon im 19. Jahrhundert dienten Veranden, die nachträglich häufig zu geschlossenen Wintergärten umgebaut wurden, den Badegästen als Witterungsschutz. Bis heute prägen sie als offene Holzveranda oder Wintergarten das Orts- und Straßenbild Norderneys, worauf die städtebauliche Bedeutung der Gruppe fußt.
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro

