Kontorhaus
- Landkreis
- Stadt Braunschweig (kreisfrei)
- Samtgemeinde
- Braunschweig, Stadt
- Gemeinde
- Wilhelmitor
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Wilhelmitor
- Adresse
- Kontorhausweg 1
- Objekttyp
- Verwaltungsgebäude
- Baujahr
- 1899
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 7562df7f-1f85-4a52-93c8-ea4eda70a25e
- System-ID
- #61776877
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Eingeschossiges Bauwerk über querrechteckigem Grundriss mit vorgelagerter Veranda in Holzkonstruktion und unter steilem Walmdach: Als sogenanntes „Comptorgebäude für den Herrn Friedrich Brachvogel am Westbahnhof“ wurde dieses Bauwerk im Jahr 1899 nach den Plänen des Maurermeisters F. Schönemann aus der Braunschweiger Firma C. Braun/ F. Schönemann erbaut. Der eingeschossige Bau misst 4,7 mal 7,85 Meter, die Veranda erstreckt sich entlang der gesamten östlichen Gebäudebreite bei einer Tiefe von 2 Metern. Es gibt ein Souterraingeschoss, für welches die künstliche Anhöhe entstand; durch den angeschütteten Boden konnte der Kellerraum konstruiert werden und an der Ostseite entlang des Hanges die zur Veranda führende Freitreppe entstehen. Historisierende Details wie Wasserspeier in Form eines (wohl chinesischen) Drachens auf dem Dachfirst schmückten zur Entstehungszeit das Bauwerk. Die heutige Firstbekrönung mit Drachen und Jahreszahl 1899 ist eine Nachbildung. Die Haupterschließung erfolgt, von Osten kommend, über die Veranda, in den Keller führt eine schmale Außentür im Sockelbereich an der nördlichen Traufseite. Das größte Fenster ist auf das Bassin des Jödebrunnens hin nach Norden ausgerichtet. Im Inneren ist ein Kamin an der Westseite sowie eine Lambris in vertikaler Anbringung erhalten, die Wandzone darüber war ursprünglich mit Malerei versehen. Den Kamin flankieren zwei weibliche Allegorien, mittig am Kamin findet sich ein Schiff mit den initialen CB auf den Segeln. Auf der Konsole des Kamins liest sich der Sinnspruch: „Kämpfe, strebe aber lebe. Schaffe, ringe, aber singe.“
- Denkmalbegründung
- Aufgrund seiner stadtgeschichtlichen Bedeutung im Zusammenhang mit der Firma Brachvogel und deren Expansion im ausgehenden 19. Jahrhundert sowie der geschichtlichen Zeugniswerte für die planmäßige Stadterweiterung im Bereich außerhalb der Ringgebietes ist der pavillonartige Bau ein prägendes historisches bauliches Zeugnis. Die Firma Brachvogel war ein in Braunschweig ansässiges Unternehmen, das sich auf den Handel mit Hölzern, genauer auf den Import von Holz aus Nordeuropa, Russland und Amerika spezialisiert hatte. Die Verlagerung des Firmensitzes erfolgte im Jahr 1886 von der Braunschweiger Innenstadt (Beckenwerkerstraße) in das damals noch brachliegende, großzügige Areal des Westbahnhofes. Um diese Zeit bediente die Firma Friedrich Brachvogel zwei Geschäftszweige, den Holzhandel einerseits und das Lagerlogistikgeschäft andererseits. 1932 umfasste das Firmengelände rund 40.000 Quadratmeter, darunter ein stetig anwachsender Gebäudebestand. Das weitläufige Areal lag unmittelbar an der Eisenbahntrasse der ehemaligen Ringbahn und war mit vier eigenen Gleisanschlüssen ausgestattet. Mit Errichtung des sog. Comptorgebäudes erhielt das im Welthandel tätige Unternehmen ein exklusives, ausgelagertes Vorstandsbüro. Das Kontorhaus gehört zu einer Objekttypgruppe, welche nur noch selten erhalten ist und deren bau- und sozialgeschichtlicher Zeugniswert dafür umso größer ist. Zum einen wird dem Bauwerk mit für die Epoche beispielhaften baugeschichtlichen Schauwerten und der damit verbundenen historischen Aussagekraft für ein Kleinbauwerk mit repräsentativem Anspruch innerhalb eines ehemals auch gartenkünstlerisch gestalteten Freiraumes eine besondere geschichtliche Bedeutung zuteil. Zum anderen zeugt es auch exemplarisch von der Firmengeschichte eines erfolgreichen mittelständischen Unternehmens aus Braunschweig, das sich im Zuge der Betriebserweiterung und einer beginnenden Intensivierung internationaler Handelskontakte im außerkernstädtischen Bereich niederließ und die neu aufgebaute Infrastruktur in direkter Nähe des Westbahnhofes zu nutzten wusste, und hat daher wirtschafts- und sozialgeschichtliche Schauwerte. Im Zusammenhang mit dem Areal des Jödebrunnens wird dem Pavillon auch eine kulturgeschichtliche Bedeutung zuteil. Bis 1864 war dieser Teil der Wasserversorgung Braunschweigs. Vor den Toren Stadt errichtet, erstmals nachweislich Mitte des 14. Jahrhundert erwähnt, bestand seine Funktion sowohl in der Wasserverteilung als auch in der Wassergewinnung. Man fing dort in einem Auffangbecken das Schichtenwasser ein und leitete es über zwei Kilometer in der sogenannten Pipenleitung in Eichenholz-Rohren bis zum Marienbrunnen im Westen der Braunschweiger Kernstadt. Die Brunnenanlage ist ein wichtiges Kulturdenkmal, welches die Geschichte der Wasserversorgung in der mittelalterlichen Stadt erfahrbar macht. An diese räumliche Nähe knüpft das derzeitige Nutzungskonzept des Kontorhauses an. Es hat u.a. die Vermittlung dieser besonderen historischen Bedeutung des Areals zum Ziel. Die Wiederinstandsetzung des Kontorhauses und seine Umnutzung stehen nicht nur beispielhaft für den ressourcenschonenden Umgang mit einem Bauwerk, das wesentliche Schauwerte über die Geschichte der Industrialisierung Braunschweigs preisgibt, vielmehr steht es auch in einem engen stadträumlichen Zusammenhang in dem Versuch, Gewerbebrachen zu revitalisieren und einer nachhaltigen Nutzungsperspektive zuzuführen. Die Erhaltung des ehemaligen Kontorhauses liegt somit aus geschichtlichen Gründen im öffentlichen Interesse.
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro

