Lichtenbergs Gartenhaus
Ansicht von Osten (2020)
Ansicht von Südosten (2020)
Gartenhaus am alten Standort , vor 1907 (Straßenseite) (1907)
Ansicht von 'Lichtenbergs Gartenhaus' am alten Standort (Gartenseite) (1920)
Ansicht von Nordosten (2020)
Ansicht von Südosten (1982)
Ansicht von Norden (2020)
2020 (2020)
Ansicht von Südwesten (2020)
152012.00180_001_NDK.jpg (1978)
Straßenansicht am ursprünglichen Standort (1907)
Gartenhaus am alten Standort um 1885 (Gartenseite)
Gartenhaus am neuen Standort, um 1908 (Postkarte) (1908)
- Landkreis
- Göttingen
- Samtgemeinde
- Göttingen, Stadt
- Gemeinde
- Göttingen
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Göttingen
- Adresse
- Brauweg 34
- Objekttyp
- Wohnhaus
- Baujahr
- um 1765 (Erbauung am ersten Standort)
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 4a295dd0-4285-4a17-ae5d-b94bd859b5d2
- System-ID
- #61555267
- ADABweb-ID
- 35862488
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Lichtenbergs Gartenhaus, errichtet 1907-08 als Wohnhaus unter Wiederverwendung von Bauteilen des berühmten Barock-Gartenhauses von Georg Christoph Lichtenberg. Zweigeschossiges Fachwerkhaus auf hohem Kellersockel unter Kurzwalmdach in zurückgesetzter Lage, mit westlichem Anbau der Erbauungszeit 1907-08. Die nach Osten zur Straße ausgerichtete Fassade ist entsprechend dem Ursprungsbau symmetrisch gestaltetet und weist elegante segmentbogenförmige Fensteröffnungen auf.
- Denkmalbegründung
- „Lichtenbergs Gartenhaus“ ist ein Denkmal der Stadt- und Universitätsgeschichte Göttingens sowie der Denkmalpflege-Geschichte dieser Stadt. Ursprünglich war das kleine Fachwerkaus um 1765 von J. D. Eberlein weit nördlich vor den Toren der Stadt an der Weender Chaussee errichtet worden, an der Stelle, wo heute die Güterbahnhofstraße abzweigt (Weender Landstraße 37), damals in Sichtweite des Bartholomäusfriedhofs. Bedeutung erlangte das Gebäude ab 1787 durch Anmietung von Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799), den bedeutenden Göttinger Universitätsprofessor; es war sein zweites Gartenhaus. Kränkelnd lebte er hier abseits seines Stadthauses bis zum Lebensende sommers viele Wochen, betrieb Studien und brachte auf dem Dach seinen berühmten experimentellen Blitzableiter an. Das Gartenhaus wird in Lichtenbergs Briefen oft erwähnt (etwa 1790: „Ich wohne auf einem sehr angenehmen Garten in einem herrlichen Zimmer, das rund herum den vortrefflichsten Prospekt hat“). Bevor das schon längst nicht mehr freiliegende Grundstück 1908 mit einem großen Mietshaus neu bebaut wurde, rettete der geschichtsinteressierte Postbeamte und spätere Senator Heinrich Susebach das zum Abriss vorgesehene Gartenhaus des in der Erinnerung immer noch populären Professors Lichtenberg. 1907 erwarb er den Fachwerkbau und ließ ihn 1907-08 etwa 2 km südlich des alten Standorts in freier Lage auf dem Grundstück Brauweg 12 (heute 34) neben der Trasse der damals noch vorhandenen Gartetalbahn wiedererrichten. Die Bauantragsplanung wurde von einem August Graf vorgelegt; die Bauausführung besorgte das Baugeschäft Gebr. Frankenberg aus Northeim. Susebach betrieb keine originalgetreue Rekonstruktion von „Lichtenbergs Gartenhaus“, sondern schuf quasi eine Erinnerungsarchitektur als Wohnhaus für sich und seine fünfköpfige Familie, das er eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen anpasste, womit erhebliche Veränderungen gegenüber dem Vorzustand einhergingen: Der ursprünglich kleine Fachwerkbau entstand als neues Massivgebäude mit vorgeblendeter Fachwerkfassade und erhielt einen rückseitigen (westlichen) zweigeschossigen Anbau, der die Nutzflächen erheblich vergrößerte. Zudem streckten sich die äußeren Proportionen durch den untergeschobenen Vollkeller, der einen hohen Steinsockel entstehen ließ. Das zuvor verbretterte bzw. monochrom geschlämmte Fassadenfachwerk blieb nach dem Wiederaufbau freigelegt und seines Giebelgesimses beraubt. Der Hauseingang kam an die Seite, während der alte Mittel- und Haupteingang nun zur Terrassentür wurde. Das Innere wurde entsprechend den erweiterten Grundrissen neu eingeteilt. Gleichwohl blieb der veränderte Neubau von „Lichtenbergs Gartenhaus“ an der Hauptfront für jedermann wiedererkennbar und wurde populärer Gegenstand von Ansichtskarten. 2013 stellte die Stadt vorm Haus eine Lichtenberg-Erinnerungstafel auf. Die Erhaltung von „Lichtenbergs Gartenhaus“ am Brauweg in der von Bauherr Heinrich Susebach 1908 geschaffenen Form liegt aus geschichtlichen Gründen im öffentlichen Interesse. Die geschichtliche Bedeutung im Rahmen der Göttinger Ortsgeschichte besteht aufgrund des Zeugnis- und Schauwertes für die Baugeschichte des frühen 20. Jahrhunderts und hier speziell der frühen nicht hoheitlichen Erinnerungs- und Denkmalpflegegeschichte, zu der Translozierungen sowie zeittypische freie und schöpferischen Konzepte gehörten. Das Gartenhaus ist auch ein Zeugnis der Erinnerungskultur und Rezeptionsgeschichte für den berühmten und populären Göttinger Universitätsprofessor Georg Christoph Lichtenberg als ersten deutschen Professor für Experimentalphysik im Zeitalter der Aufklärung und Begründer des deutschsprachigen Aphorismus.
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS
Ansicht von Osten (2020)
Ansicht von Südosten (2020)
Gartenhaus am alten Standort , vor 1907 (Straßenseite) (1907)
Ansicht von 'Lichtenbergs Gartenhaus' am alten Standort (Gartenseite) (1920)
Ansicht von Nordosten (2020)
Ansicht von Südosten (1982)
Ansicht von Norden (2020)
2020 (2020)
Ansicht von Südwesten (2020)
152012.00180_001_NDK.jpg (1978)
Straßenansicht am ursprünglichen Standort (1907)
Gartenhaus am alten Standort um 1885 (Gartenseite)
Gartenhaus am neuen Standort, um 1908 (Postkarte) (1908)

