Höhere Mädchenschule (jetzt Hainberg-Gymnasium)
- Landkreis
- Göttingen
- Gemeinde
- Göttingen, Stadt
- Gemarkung
- Göttingen
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Göttingen
- Adresse
- Friedländer Weg 19
- Objekttyp
- Schule
- Baujahr
- 1911
- bis
- 1954
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- geschichtlich, städtebaulich
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 49552248
- Objekt-Nr.
- 2219
- Fachbereich
- Bau und Kunst
- Beschreibung
- Der ab 1911 errichtete Schulneubau orientiert sich städtebaulich an dem vorgegebenen, schiefwinkeligen Grundstück zwischen dem älteren Friedländer Weg und der 1902 neu angelegten Lohbergstraße. Der von der Straße weit zurückgesetzte westliche Hauptbaukörper lässt vorne einen großen eingefriedeten Schulhof entstehen, während auf der östlichen Rückseite ein kleinerer, offener Schulhof von den Gebäudeflügeln und der Turnhalle gerahmt wird. Die zeitgleich errichtete alte Turnhalle stand mit dem Rücken ehemals direkt an der Lohbergstraße und schloss das Schulgelände nach Osten ab. Die heutige Situation der frei auf dem größeren Schulgelände stehenden alten Turnhalle entstand erst 1990 nach Zukauf des östlich benachbarten Gärtnereigeländes mit Schließung der Lohbergstraße. Der Schulbau ist ein stattliches, zwei- bis viergeschossiges Massivgebäude mit Putzfassaden sowie hohen Walm- und Mansarddächern, deren Anlage als asymmetrische, nach Osten geöffnete Dreiflügelanlage erscheint. Die Gebäudeflügel folgen den inneren Funktionen: Während im Westflügel vor allem Klassenräume (sowie Verwaltungsräume und die Wärterwohnung) untergebracht waren, liegen in den rückwärtigen Gebäudeflügeln die Fachräume und die große Aula. An den Nordflügel schließt in schiefem Winkel die ursprünglich nur eingeschossige Turnhalle an. Die gediegene und monumental wirkende Fassadengestaltung greift offenbar Architekturmotive süddeutscher Barockschlösser und -klöster des 18. Jahrhunderts auf. Die nur leicht vortretenden Fassadengliederungen zeigen ein klassisches Sockelgeschoss mit Bänderrustika und darüber zwei von einem Lisenenrahmengestell zusammengefasste Hauptgeschosse. Die beiden auf dem Westflügel außen sitzenden, turmartig wirkenden dritten Obergeschosse sind durch einen umlaufenden Brustwalm in Höhe der übrigen Dachtraufe abgesetzt. Blickfang der Westfassade ist der mächtige, etwas vortretende, viergeschossige ‚Nordturm‘ mit Walmdach, der von einem Dachreiter bekrönt wird. In dessen siebenachsiger Westfassade ist in der ausgestellten Mittelachse der Haupteingang angeordnet, der durch einen sandsteinernen Säulenportikus mit Freitreppe und darüber angeordnetem Zierbalkon ausgezeichnet ist. Die zweiflügelige Originalholztür mit Zieroberlicht greift in den geschnitzten Zierformen spätbarocke Motive auf. Die barocken Gestaltungsformen der Fassaden werden bis in die Details der von Faschen gerahmten Kreuzstockfenster mit Wulstprofilen fortgesetzt. Im Inneren sind die historischen Grundrissstrukturen und Treppenhäuser mit eisernen Jugendstil-Schmuckgeländern sowie durchweg alle alten Innentüren (Rahmenfüllungstüren mit Kassettierungen) erhalten. Die ursprünglichen Oberflächen der Böden, Wände und Decken sind überformt. Der Versammlungsmittelpunkt der Schule ist im Nordflügel die hohe Aula, deren repräsentativer Anspruch auch am Vorraum, den drei Portalen, der Kassettendecke und den hohen Fenstern erkennbar ist. Vom ursprünglichen Farbschmuck des Aulainnenraums zeugen erhaltene drei Glasmalereifenster. Sie zeigen drei antike Frauengestalten mit eindrucksvoll androgynen Gesichtszügen, die wohl die lehrenden Musen für Literatur, Bildkünste und Geschichte darstellen sollen. Die Aula-Empore zur „Singklasse“ ist nachträglich verschlossen worden. Das Gebäude wurde als Höhere Mädchenschule 1911-13 erbaut nach Plänen des Stadtbauamtsleiters Otto Frey, nachdem die Göttinger Töchterschule 1908 offiziell anerkannt und 1909 zum städtischen Lyzeum erhoben worden war. Der Vorgängerbau stand an der Nikolaistraße 1a. Nachdem dieser schnell zu klein geworden war, beschloss der Magistrat einen Neubau für 400 Schülerinnen. Das innenstadtnahe Grundstück östlich der Ausfallstraße des Friedländer Wegs war schon 1907 erworben worden. Die Planung übernahm das Stadtbauamt unter Otto Frey (1877-1952, ab 1926 Senator und Stadtbaurat). Der Bauantrag mit ausgearbeiteten Plänen datiert vom 21.03.1911; die Baugenehmigung folgte schon am 28.03.1911. Die Baukosten betrugen 540.000 Mark, einschließlich Ausstattung. Nach gut zwei Jahren fand am 19.05.1913 die Einweihung der Schule mitsamt Turnhalle in der neuen Aula bei einer Feier mit Oberbürgermeister Georg Calsow und Schuldirektor Max Heinrich statt, bei der man das „prächtige würdige Gebäude“ (Heinrich) feierte, zu dessen ursprünglichem Raumprogramm 18 Klassenräume (Westflügel), Fachräume für Biologie, Physik und Chemie (Nordflügel) sowie Handarbeitszimmer, Bibliothek und Zeichensaal (Südflügel) gehörten. Im Laufe der Zeit erfuhr die Schule mehrfach Umbenennungen, die nicht nur geänderte Schulformen, sondern auch die wachsende Anerkennung der Mädchenausbildung und schließlich die Gleichstellung von Mädchen und Jungen widerspiegeln: 1924 „Oberlyzeum“, 1937 „Oberschule für Mädchen“ und 1956 „Gymnasium für Mädchen“. Im Jahre 1971 wurde die Geschlechtertrennung beendet und die Koedukation eingeführt, wobei die Schule den neutralen Namen „Hainberg-Gymnasium“ erhiehlt, der sich auf den naheliegenden Göttinger Hausberg bezieht. Zunehmende Schüler- und Klassenzahlen verlangten bauliche Erweiterungen: 1936 wurde der Westflügel nach Süden zunächst um einen Keller- und Erdgeschossanbau für die Schulküche erweitert; darauf kamen 1953-54 drei Stockwerke mit fünf zusätzlichen Klassenräumen. Der damit entstandene, für die Gesamtwirkung wichtige turmartige Südanbau in stilangepassten äußeren Formen folgte den bereits 1911 vorbereiteten Plänen und vollendete nach mehr als 40 Jahren Otto Freys Gebäudeentwurf.
- Denkmalbegründung
- Die Erhaltung der ehemaligen Höheren Mädchenschule mit Turnhalle und den Anbauten bis 1954 liegt wegen der geschichtlichen und städtebaulichen Bedeutung im öffentlichen Interesse. Die geschichtliche Bedeutung im Rahmen der Ortsgeschichte beruht sowohl auf dem Zeugnis- und Schauwert für die Baugeschichte als auch auf der beispielhaften Ausprägung des historistischen Baustils und des Bautyps Schule. Der stattliche Schulbau in neubarocken Bauformen steht einzig für den Göttinger Schulbau zwischen den älteren Neurenaissance-Bauten der Ära des Stadtbaurats Gerber aus den 1870er bis 1890er Jahren und den schon modernen Schulbauten ab den 1920er Jahren wie dem Gymnasium an der Böttingerstraße (heute Felix-Klein-Gymnasium, gebaut 1926-28). Vergleichbare öffentliche Bauten im Neubarock-Stil in Göttingen aus der Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg sind das Seminargebäude (Nikolausberger Weg 15, gebaut 1910-14) und die Heil- und Erziehungsanstalt (Rosdorfer Weg 76, gebaut 1911). Baugeschichtlich bedeutsam sind auch die seltenen, stilangepassten Erweiterungsbauten über 40 Jahre hinweg bis Mitte der 1950er Jahre. Schließlich ist die Schule von städtebaulicher Bedeutung wegen ihres prägenden Einflusses auf das Ortsbild sowie das Straßenbild von Friedländer Weg und Lohbergstraße. Zum Schutzumfang zählt der Schulbau mit Turnhalle, mit allen Fassaden und Dächern, einschließlich der stilangepassten Erweiterungen an der Südseite bis 1954 sowie im Inneren die historischen Grundrisse und die erhaltene wandfeste Ausstattung der Erbauungszeit (Treppen, Aula-Decke, Glasmalereien usw.).
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ADABweb
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