Wohn-/Wirtschaftsgebäude
- Landkreis
- Lüchow-Dannenberg
- Samtgemeinde
- Lüchow
- Gemeinde
- Wustrow (Wendland), Stadt
- Gemarkung
- Lensian
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Schreyahn
- Adresse
- Rundling 3
- Objekttyp
- Wohn-/Wirtschaftsgebäude
- Baujahr
- 1807 - 1909
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 3c86f8bb-7614-4830-9b2d-80442219d167
- System-ID
- #61310959
- ADABweb-ID
- 30886239
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Die Hofstelle geht auf eine Halbhufnerstelle im Amt Lüchow zurück, der bis 1817 in Erbpacht durch die Familie Eggers bewirtschaftet wurde. 1817 heiratete Joachim Christoph Schorling aus Satemin die einzige Hoferbin, Anne Katharina Eggers. Ihr Vater (?), Jürgen Christoph Eggers (1749-1808), hatte den Hof mit der alten Ass.Nr. 7 ab 1795 mit vier Gebäuden, dem Wohnhaus (Haupthaus), der Scheune und zwei Nebengebäuden versichert. Der eigentliche Hofplatz, der mit dem Hofwald bis zur Naudener Straße reichte (die Hofweisen lagen nicht unmittelbar anschließend östlich der Straße), wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jhs. mehrfach geteilt. Die Scheune im Hofwald von 1845 (i) wurde in jüngerer Zeit als Wohnhaus unter der heutigen Adresse, Naudener Straße 1, umgenutzt (siehe dort). Das Backhaus mit Ankerbalkenzimmerung, unter Naudener Straße 2, im Jahr 2014 abgebrochen (siehe unten). Ein weiteres, jüngeres, stark überformtes Nebengebäude zwischen dem Standort des ehemaligen Backhauses und der Scheune wurde als Wochenendhaus unter Rundling Nr.4 umgenutzt (siehe unten). Ein möglicherweise als Flachsdarre genutztes kleines Nebengebäude im Hofwald ist allein im preußischen Urkataster von 1874 verzeichnet. Haupthaus: Das ehemalige Vierständer-Hallenhaus steht unmittelbar am Dorfplatz auf der nordwestlichen Grundstücksgrenze zu Hofstelle Rundling Nr.6. An der Längsseite nach Südosten verbleibt eine Hofzufahrt vom Dorfplatz. Der Kernbau mit 11 Gebinden und weiten Gebindeabständen von 2,1 m könnte um 1815-19 durch Umbau entstanden sein, als die Versicherungssumme für das Haupthaus nach Heirat der Hoferbin und der damit verbundenen Übergabe des Hofes an die nachrückende Generation 1815 und 1819 moderat angehoben wurde. Nach Hans Schulz trug der 1909 entfernte Torsturz folgende Inschrift mit den Namen der Bauherren: „Jürgen Christoph Eggers Trilot Thielber Anno 1807“. „Trilot“ ist demnach eine Abkürzung für „Catharina Charlotte“. Eine erneute und deutliche Erhöhung der Versicherungssumme 1861 von 1.200 auf 1.700 Taler könnte in Zusammenhang mit dem Anbau einer Altenteilerwohnung in Firstverlängerung nach Nordosten stehen. Allerdings wurde diese Erweiterung nach Hans Schulz erst 1870 errichtet. Der Kernbau von 1807 wurde um 6 Gebinde bzw. eine Stubentiefe in Eichenfachwerk verlängert. Da die Verlängerung zwar ohne Inschriften aber bautypologisch entsprechend der Bauweise des alten Wohnteiles und in Eichenfachwerk mit Ziegelausfachung erfolgte, spricht alles für eine Bauzeit um 1860-70. Heute präsentiert sich das Haupthaus im Zustand eines Umbaus von 1909, als der Wirtschaftsteil vom 1. bis 7. Gebinde in eine reine Wohnnutzung überführt wurde. Der Giebel nach Südwesten zum Dorfplatz erhielt eine Abwalmung, die Längsdiele mit Dielentor wurde auf eine zweiflügelige Haustür mit Oberlicht und einem nachfolgenden Längskorridor reduziert, um die Seitenschiffe für eine Wohnnutzung zu erweitern. Der alte Seiteneingang in den Wirtschaftsteil von der Hofzufahrt unmittelbar neben dem Halbkeller mit Kellerboden wurde durch einen repräsentativen Haupteingang vom Dorfplatz ergänzt. Der Halbkeller liegt noch im ehemaligen Wirtschaftsteil des Kernbaus. Erst nordöstlich davon schließt vom 7. bis 11. Gebinde der alte Wohnteil des Kernbaus an, der gut anhand seiner Inschrift auf dem Schwellholz über den drei Stubenfenstern zu erkennen ist: „Es wolle Gott uns gnädig seyn und seinen Segen geben Sein Antlitz uns mit hellem Schein“. Der Liedtext mit Nummer 280 im Evangelischen Gesangsbuch geht zurück auf Martin Luther (1524). Die erste Strophe dürfte auf dem vom Anbau verdeckten Giebel fort- und zu Ende geführt sein: „…erleucht zum ewigen Leben, dass wir erkennen seine Werk und was ihm lieb auf Erden, und Jesus Christus, Heil und Stärk, bekannt den Heiden werden und sie zu Gott bekehren“. Von der großen Eckstube mit einer Butze führte ein Treppenaufgang zum Kellerboden. Auf einer historischen Aufnahme um 1910 bei Hans Schulz ist der neue Wohngiebel zum Dorfplatz unverputzt aber licht monochrom abgebildet, während die dunkel-farbig abgesetzten Fenster und Fensterbekleidungen den Giebel akzentuierten. Auf dem Giebel nach Südosten sind die Inschriften auf der Kehlbalken- und Dachbalkenebene erhalten geblieben: „Ich werf all meine Sorg auf dich mein Gott und Vater. Sorg für mich und mach es mit mir wohl. So lob ich dich…“ (nach Wendland-Archiv, 581285, aus einer Sammlung älterer und neuerer Gesänge, Lied Nr. 574: „für Witwen und Waisen“). Die Inschrift auf dem Hauptbalken ist aus Vers 4 von Lied Nr.1015 „eines Ackermanns“ (Lüneburgisches Gesangbuch) entnommen: „Ach segne mich mein Gott Und alles was ich habe Denn alles dieses ist Ja Deine gute gabe Gesegnet sey die Frucht Gesegnet sey das Vieh gesegnet haus und hof. Von dir so spät als früh. Laß mich zufrieden seyn Mit dem was dein“. Da Dorfbrände, Unwetterkatastrophen oder Kriegsereignisse für Schreyahn im 19. Jh. nicht überbeliefert sind, ist die Textauswahl auch entsprechend neutral der bäuerlichen Lebenswelt entnommen. Der Innenausbau mit dem Längskorridor entspricht zusammen mit dem Fensterbestand weitgehend der tiefgreifenden Umbauphase von 1909. Obschon auch die Türblätter aus dem frühen 19. Jh. erhalten blieben, wurde der Längskorridor mit Terrazzo, Türen, Türbekleidungen und Wandbemalung einheitlich durchgestaltet. In jeweils vier Medaillons sind über den Türen Landschaftsszenerien dargestellt. Die Türen und Bekleidungen mit dekorativen Schlüsselschildern und Abschlüssen sind mit einer Holzimitationsmalerei versehen. Zusammen mit der Haustür sind deutliche Anklänge an den Jugendstil der Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg festzustellen. In dieser wirtschaftlich prosperierenden Zeit nach Aufnahme des Betriebs der Schachtanlage entstanden in Schreyahn etliche aufwendige Neuausstattungen in den Bauernhäusern. Erstmals wurde entsprechend der städtischen Bauweise das Wohnen wieder an den Dorfplatz gelegt. Auch im Dach entstanden am gut zu belichtenden Giebel zusätzliche Wohnräume. Hierzu wurden die weiten Gebindeabstände durch zusätzliche Felderbalken verkürzt und ein doppelt stehender Stuhl mit vier Stuhlsäulen eingefügt. Zusammen mit der Verstärkung und dem Ausbau erfolgte vermutlich auch eine Neueindeckung mit den seinerzeit weit verbreiteten Doppelmuldenfalzziegeln bzw. –dachsteinen, wie sie noch auf der Dokumentation von 1978 zu erkennen sind. Zwischenzeitlich erfolgte in jüngerer Zeit eine erneute Umdeckung mit einer naturroten Flachpfanne mit Falz. Auch bei dieser Umdeckung blieb die Radwinde mit der Ladeluke zwischen dem 6. und 7. Gebinde von Südwesten erhalten. Das Lindenspalier vor dem Giebel gehört nach der historischen Fotografie zur Umgestaltung von 1909, nicht aber die Zaunanlage. Einige bemerkenswerte historische Befunde ergeben sich im Anbau nach Nordosten. Während der neue Giebel mit einer Außenverbretterung versehen ist, war das weitmaschige Gitterfachwerk im rückwärtigen Giebeldreieck des Kernbaus nach der letzten umfassenden Erneuerung um 1815-19 mit einer erhaltenen Lehmstakung ausgefüllt. Das Besondere ist die Ziegelimitationsmalerei auf der Außenseite. Dabei wurde der Lehmfeinputz mit einer witterungsbeständigen, roten Kalkfarbe vollflächig gestrichen und mit einem abschließenden, weißen Fugennetz überzogen. Im Dachwerk des Kernbaus sind u.a. auch alte landwirtschaftliche Geräte abgestellt, u.a. eine sogenannte „Windfege“ zur Saatgutreinigung über diverse Siebeinrichtungen, wie sie heute noch verwendet werden. Auf der Außenseite ist eine Gebrauchsanweisung des Herstellers auf Papier aufgeklebt: „Röbers Windfege Triumph mit Siebeinrichtung Deutsches Reichspatent 142836“. Die Firma der Gebrüder Röber aus Wutha in Thüringen gehörte seit ihrer Gründung 1852 zu den führenden Herstellern von Saatgutreinigungsmaschinen in Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlagerte die Familie Röber die Produktion nach Minden. Die Maschine in Schreyahn dürfte aus den zwanziger Jahren des 20. Jhs. stammen. Die Firma produziert seit 1995 unter dem neuen Namen „SAMATEC Saatguttechnik & Maschinenbau“. Denkmalbegründung: Das im Kern von 1807 stammende Haupthaus der Hofanlage ist zusammen mit der Verlängerung aus der Zeit um 1860-70 und dem Umbau als Wohnhaus von 1909 ein Baudenkmal nach § 3(2) und § 3(3) NDSchG aufgrund seiner geschichtlichen und städtebaulichen Bedeutung. Primär sind die siedlungsgeschichtliche Bedeutung für die Spätphase der Rundlingsdörfer im 19. Jh. und die baugeschichtliche Bedeutung für die Umbauphase als Wohnhaus im frühen 20. Jh.. Die Spalierlinden im Vorgarten, der Grundriss mit Längskorridor, die baufeste Ausstattung, die dekorative Innenausmalung im Längskorridor, der Krüppelwalm, die Fenster- und Türen mit ihren Bekleidungen gehören zu dieser letzten, erhaltenswerten Umbauschicht des Hauses. Die rückwärtigen Anbauten auf der Grundstücksgrenze zu Rundling Nr.6, die ab 1860 angefügt und mehrfach verlängert und verändert wurden, gehören bis auf den zusätzlichen Halbkeller mit Kellerboden von 1875 nicht dazu. Stallgebäude: Das langgezogene Stallgebäude in Fachwerk mit Satteldach steht auf der südöstlichen Grundstücksgrenze zu Hof Rundling Nr.2. Es wurde in jüngster Zeit unter hohem Substanzaustausch runderneuert. Bereits auf der Verkoppelungskarte von 1831/32 ist der nach Süden verlängerte Stall verzeichnet. Im südlichen, der Hofzufahrt und dem Dorfplatz zugewandten Giebel ist in der Dachbalkenebene eine Inschrift erhalten: „Gott ist der das Vermögen schafft, was Gutes zu vollbringen, Er giebt uns Segen, Muth und Kraft und:“ (…lässt sie uns gelingen; ist er mit uns und sein Gedeihn, so muß der Zug gesegnet sein, daß wir die Fülle haben). Es handelt sich um den am Ende abgeschnittenen Vers 2 aus Lied 280 aus dem Lüneburgischen Gesangsbuch (Wendland-Archiv 581286). Das Haus ist kein Baudenkmal, gehört aber zur sonstigen, besonders erhaltenswerten Bausubstanz. Backhaus: Das zuletzt als Stall genutzte Wirtschaftsgebäude, zuletzt Rundling Nr.4, auf der Grundstücksgrenze zu Rundling Nr.6 wurde 2014 wegen Baufälligkeit abgebrochen. Es handelte sich um ein typischen Backhaus, wie es heute noch auf Hof Rundling Nr. 17 steht. Das Gebäude wurde spätestens 1853 gebaut, als es als Backhaus im Brandkassenbuch mit 200 Talern versichert wurde. Der Fachwerkbau mit Ankerbalkenzimmerung verfügte über fünf Gebinde mit weiten Gebindeabständen von mehr als 2,0 m. Die zweifache Verriegelung wurde daher durch Zwischenpfosten unterstützt. Das Haus war mit Ziegelsteinen ausgefacht. Der Schornsteinkopf trat mittig über First aus dem Dach. Der Giebel nach Südwesten war mit Inschriften versehen. Das Dach war zuletzt mit wenig haltbaren Bitumen-Wellplatten eingedeckt. Aus der Erfassung von 1978 sind zwei Gesamtaufnahmen des Gebäudes vorhanden. Scheune: siehe unter Naudener Straße 1
- Denkmalbegründung
- Das im Kern von 1807 stammende Haupthaus der Hofanlage ist zusammen mit der Verlängerung aus der Zeit um 1860-70 und dem Umbau als Wohnhaus von 1909 ein Baudenkmal nach § 3(2) und § 3(3) NDSchG aufgrund seiner geschichtlichen und städtebaulichen Bedeutung. Primär sind die siedlungsgeschichtliche Bedeutung für die Spätphase der Rundlingsdörfer im 19. Jh. und die baugeschichtliche Bedeutung für die Umbauphase als Wohnhaus im frühen 20. Jh.. Die Spalierlinden im Vorgarten, der Grundriss mit Längskorridor, die baufeste Ausstattung, die dekorative Innenausmalung im Längskorridor, der Krüppelwalm, die Fenster- und Türen mit ihren Bekleidungen gehören zu dieser letzten, erhaltenswerten Umbauschicht des Hauses. Die rückwärtigen Anbauten auf der Grundstücksgrenze zu Rundling Nr.6, die ab 1860 angefügt und mehrfach verlängert und verändert wurden, gehören bis auf den zusätzlichen Halbkeller mit Kellerboden von 1875 nicht dazu.
- Übergeordnete Objekte (ID | Typ)
- 61296446 | Rundlingsdorf
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
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