Historische Gebäude der Staats- und Universitätsbibliothek
Die Historischen Gebäude der Göttinger Unibibliothek (2022)
Die Historischen Gebäude der Göttinger Unibibliothek (2022)
Platzfläche an der Paulinerstraße (2021)
Ehem. Kreuzgang-Innenhof (2023)
Nordwestlicher Bibliotheks-Innenhof (2021)
Lichtenberghof am Papendiek (2021)
- Landkreis
- Göttingen
- Samtgemeinde
- Göttingen, Stadt
- Objekttyp
- Hochschulanlage
- Denkmalstatus
- Gruppe baulicher Anlagen (gemäß §3 Abs. 3 S. 1 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 39c38811-105d-411f-aa9a-001bc819e7ce
- System-ID
- #61780734
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Denkmalthema
- Universitaeten-in-Niedersachsen
- Beschreibung
- Der Komplex der sogenannten Historischen Gebäude der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen nimmt mehr als ein halbes Altstadtquartier zwischen Prinzenstraße, Papendiek sowie Paulinerstraße ein und besteht neben der im Kern mittelalterlichen Paulinerkirche vor allem aus barocken und gründerzeitlichen, zwei- bis dreigeschossigen, repräsentativen Massivbauten durchweg unter Walmdächern, die sich in mehreren Flügeln nördlich und östlich an den ehemaligen Kirchenbau anschließen. Innerhalb der von der gemeinsam Bibliotheksnutzung historisch und funktional geprägten Gruppe nehmen zwei Bauten des frühen 20. Jahrhunderts Sonderrollen ein: Östlich angeschlossen entstand ein monumentaler siebengeschossiger Magazinbau (Johannisstraße 19, 20, 21), dessen Fassaden in Formen des Reformstils gestaltet sind. Höhenmäßig ins Gegenteil abweichend ist der niedrige Westflügel Papendiek 15, der nach einem Planwechsel zunächst kurz als Sitz des Geographischen Seminars diente. Zur Bibliotheksgruppe gehören mehrere Freiflächen, so die drei Innenhöfe und der Lichtenberghof genannte westliche Eingangsvorhof am Papendiek, ebenso wie die Freifläche südlich der Kirche an der Johannisstraße. Letztere war der im 17. Jahrhundert geschlossene frühere Friedhof (Pauliner-Kirchhof), der 2020 nach einer archäologischen Teilausgrabung neu gestaltet wurde.
- Denkmalbegründung
- Die historischen Gebäude der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen bilden einen umfangreichen Gebäudekomplex, der auf ein 1294 gegründetes, 1331 geweihtes und 1531 aufgehobenes Dominikanerkloster (in Göttingen: Paulinerkloster) zurückgeht. Nach der Säkularisation folgte ab 1586 eine Weiternutzung von Kirche, Konventgebäuden und Kreuzhof als städtisches Pädagogium (Gymnasium). Dieser Komplex wurde zur baulichen Keimzelle der 1737 eröffneten staatlichen Georg-August-Universität, wobei die wiederhergerichtete Kirche bis 1807 zunächst als Universitätskirche diente. Das nördlich angelehnte Geviert der Klostergebäude wurde für die Universität 1734-37 nach Plänen von Universitätsbaumeister Joseph Schädeler als Kollegiengebäude erneuert, wobei man Grundriss, Kreuzhof und Geschosszahlen aufgriff und gotische Gew��lbekeller erhalten blieben. Der neue Mehrfunktionsbau mit Verwaltung und Hörsälen enthielt im Obergeschoss einen großen Bibliothekssaal, dessen Nutzung und Räumlichkeiten sich in den folgenden Jahrzehnten bis Ende des 19. Jahrhunderts immer weiter ausdehnten und schließlich alle anderen Universitätsnutzungen verdrängten. Die berühmte Universitätsbibliothek Göttingen verwirklichte weltweit erstmals das Konzept einer modernen Forschungsbibliothek und erlangte mit ihren Beständen und Katalogen bereits im 18. Jahrhundert nationalen wie internationalen Rang. Prägend für die Ausdehnungen waren in vier Hauptbauphasen 1.) barocke Anbauten der 1780er Jahre im Osten bis an die Paulinerstraße, 2.) 1808-12 die Umnutzung der seither zweigeschossigen Kirche durch eine eingezogene Decke nach Entwürfen von Justus Heinrich Müller (nach Vorentwurf von Friedrich Weinbrenner) und 3.) der 1878-1883 nach Entwurf eines „Landbauinspektors Kühn“ von den Baubeamten Hermann Cuno und Albert Kortüm errichtete Neorenaissance-Erweiterungsbau an der Prinzenstraße, der zugleich mit einer bibliothekarischen Neustrukturierung und baulichen Überformung aller bis dahin entstandenen Gebäude einherging. Die vierte und letzte wesentliche bauliche Erweiterung war der 1914-1916 nach Plänen eines „Regierungsbaumeisters Rieken“ östlich der Kirche auf Garten- und Hofflächen des ehemaligen Walkenrieder Hofs entstandene monumentale Magazinbau. Nach Kriegszerstörungen beim Luftangriff vom 24.11.1944 sind die Bauten bis 1953 unter Leitung von Universitätsbaumeister Werner Seidel wiederaufgebaut worden, wobei u.a. das Innere der Bibliothekskirche und die Obergeschosse des Kollegiengebäudes gestalterisch vereinfacht wurden. Die vorerst letzte große Modernisierung fand 1999-2005 statt, nachdem 1992 der Hauptbetrieb in den modernen Zentralbibliotheks-Neubau am Campus außerhalb der Innenstadt umzogen war. Seitdem dient die nunmehr in „Historisches Gebäude“ umbenannte Bibliothek für die alten Buch- und Kartenbestände, Spezialsammlungen, das Universitätsarchiv, die Restaurierungswerkstatt und in den Sälen für Veranstaltungen. Die Erhaltung der Gruppe des sogenannten Historischen Gebäudes der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen liegt wegen ihrer geschichtlichen und städtebaulichen Bedeutung im öffentlichen Interesse. Die geschichtliche Bedeutung beruht in der orts- und landesgeschichtlichen Bedeutung aufgrund des Zeugnis- und Schauwertes für die Gründungsgeschichte der Göttinger Universität sowie die Architektur- und Baugeschichte des 14. bis 20. Jahrhunderts, die mit markanten baulichen Zeugnissen der mittelalterlichen, barocken, gründerzeitlichen und modernen Epochen aufwarten, die sich seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert schließlich alle in den Dienst der Bibliotheksnutzung stellten. Der große Um- und Erweiterungsbau Ende des 19. Jahrhunderts fand Eingang in die allgemeine Fachliteratur zur Bibliotheksarchitektur. Im Hinblick auf den wissenschaftsgeschichtlichen Rang der Göttinger Universitätsbibliothek als moderne Forschungsbibliothek im 18. und 19. Jahrhundert besteht nationalgeschichtliche Bedeutung. Die städtebauliche Bedeutung besteht wegen des prägenden Einflusses des mehr als ein halbes Stadtquartier einnehmenden größten Baukomplexes der Altstadt auf das Ortsbild sowie auf die umgebenden Straßen- und Platzbilder, womit sie als wichtiges Element von hohem Identifikationswert im räumlichen Gefüge des Göttinger Altstadtensembles wirkt. Zu den prägenden, städtebaulich wirksamen Freiflächen der Gruppe gehören nicht nur der südlich der Kirche gelegene ehemalige Pauliner-Kirchhof, sondern auch die Innen- und Vorhöfe der mehrflügeligen Anlage.
- Übergeordnete Objekte (ID | Typ)
- 61700542 | Altstadt (Baukomplex)
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS
Die Historischen Gebäude der Göttinger Unibibliothek (2022)
Die Historischen Gebäude der Göttinger Unibibliothek (2022)
Platzfläche an der Paulinerstraße (2021)
Ehem. Kreuzgang-Innenhof (2023)
Nordwestlicher Bibliotheks-Innenhof (2021)
Lichtenberghof am Papendiek (2021)

