Königlich Hannoversches Obergericht
- Landkreis
- Göttingen
- Gemeinde
- Göttingen, Stadt
- Gemarkung
- Göttingen
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Göttingen
- Adresse
- Waageplatz 7
- Objekttyp
- Gerichtsgebäude
- Baujahr
- 1854
- bis
- 1856
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- geschichtlich, künstlerisch, städtebaulich
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 35859262
- Objekt-Nr.
- 804
- Fachbereich
- Bau und Kunst
- Beschreibung
- Das 1854–1856 als Königlich Hannoversches Obergericht Göttingen erbaute Gerichtsgebäude ist eine dreigeschossige Dreiflügelanlage unter flachen Walmdächern, das sich mit ungleichen, westlichen Seitenflügeln rückwärtig an das ältere Gefängnis (Obere-Masch-Straße 9) anschließt und dort mit schlichteren Putzfassaden einen gemeinsamen Innenhof bildet. Die nach außen gerichteten Sandsteinquader-Fassaden sind repräsentativ im Hannoverschen Rundbogenstil gestaltet und bilden eine vollkommen symmetrische Hauptfront nach Osten zum Platz, mit Seitenrisaliten und einer zusammengezogenen dreiachsigen Mitte. Über dem Gurtgesims des Sockelgeschosses erheben sich die beiden von Kantenlisenen eingefassten Hauptgeschosse, die oben mit einem Rundbogenfries und zusätzlich einem Vierpassfries abschließen, auf dem ein klassisches Kranzgesims mit aufliegender Dachrinne sitzt. Die Erdgeschossfassaden weisen mehrere Portale mit originalen Türblätter und Zierformen auf. Besonders aufwändig gestaltet sind die beiden Mittelportale, deren eingestellte Dreiviertelsäulen in den Kapitellen Personifikationen der Gerichtsbarkeit zeigen. In den Fassaden sind ungewöhnlich zahlreiche (ehemals dunkel gefasste) historische Fenster der Erbauungszeit erhalten. Im Innern sind die originalen Grundrissstrukturen überkommen, ebenso wie die Nebentreppenhäuser und das Dachwerk.
- Denkmalbegründung
- Der heutige (Stand Juni 2024) Sitz der Staatsanwaltschaft Göttingen wurde 1854–1856 als Königlich Hannoversches Obergericht Göttingen nach Plänen des Landbaumeisters Otto Praël unter Mitwirkung des jungen Landbaukondukteurs Friedrich Doeltz errichtet; ausführender Bauunternehmer war Christian Friedrich Andreas Rohns. Der Bau lehnt sich mit seiner Rückseite an die Ostseite des rund 20 Jahre älteren Gefängnisgebäudes (Obere-Masch-Straße 9), das ebenfalls nach Entwürfen von Praël entstanden war und ursprünglich frei stand. Der Waageplatz vor der Ostfassade des Gerichtsgebäudes entstand in seiner heutigen Weiträumigkeit erst nach dem Abriss des gegenüber am Leinekanal stehenden großen städtischen Brauhauses. Das Gerichtsgebäude mit seinen repräsentativen Natursteinfassaden ist neben dem fast zeitgleich entstandenen Bahnhof Göttingen (Bahnhofsplatz 1) und dem fast 10 Jahre jüngeren und von Doeltz entworfenen Auditoriengebäude der Universität (Weender Landstraße 2) der größte und bedeutendste Vertreter des hannoverschen Rundbogenstils in Südniedersachsen aus der Zeit des Königreichs Hannover. - Die Erhaltung des Gerichtsgebäudes Waageplatz 7 liegt aus geschichtlichen, baukünstlerischen und städtebaulichen Gründen im öffentlichen Interesse. Die schutzbegründenden Bedeutungen im Einzelnen: Geschichtliche Bedeutung besteht im Rahmen der Orts- und Regionalgeschichte Göttingens aufgrund des Zeugnis- und Schauwertes für die Baugeschichte und die Rechtsgeschichte der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts während des Königreichs Hannover und durch die beispielhafte Ausprägung des Gebäudetyps ‚Gerichtsgebäude‘ sowie des hannoverschen Rundbogenstils, der hier in einer interessanten Kombination aus neuromanischen und neugotischen Elementen gebildet ist. Architekturgeschichtliche Bedeutung besteht auch als Werk der überregional bekannten Architekten Praël und Doeltz sowie des ebenso bekannten Bauunternehmers Rohns. Die künstlerische Bedeutung liegt in den überregional nicht alltäglichen künstlerischen Gestaltwerten der Fassaden begründet. Die städtebauliche Denkmalbedeutung besteht im prägenden Einfluss auf die umgebenden Straßenbilder (Waageplatz, Reitstallstraße, Am Leinekanal), auch als bedeutendes Element im räumlichen Gefüge des geschützten Altstadt-Ensembles mit hohem Identifikationswert.
- Gruppen (ID | Typ | Beschreibung)
- 42026123 | Altstadt (Baukomplex) | Baukulturensemble Innenstadt Göttingen
- Literatur
- Weiterführende Links
- Denkmaltopographie Stadt Göttingen: Objektbeschreibung
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ADABweb
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