Landarbeiterhäuser
- Landkreis
- Aurich
- Samtgemeinde
- Krummhörn
- Gemeinde
- Loquard
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Loquard
- Objekttyp
- Häusergruppe
- Denkmalstatus
- Gruppe baulicher Anlagen (gemäß §3 Abs. 3 S. 1 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 347c1b37-dbf0-4b9e-8e01-7d7aa405bad0
- System-ID
- #61768822
- ADABweb-ID
- 53716564
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Gruppe aus drei Landarbeiterhäusern an Buurwegslohne und Amtsweg gelegen. Traufständige, eingeschossige Backsteinbauten mit Satteldächern, vermutlich aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Bebauung der Parzellen urkundlich bereits im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts belegt.
- Denkmalbegründung
- Etwa elf Kilometer westnordwestlich der Seehafenstadt Emden im Süden der Krummhörn liegt das Wurtendorf Loquard, das im 10. Jahrhundert erstmals urkundlich Erwähnung fand. Viele der mittelalterlichen Dorfwurten in der Krummhörn sind vermutlich auf einem Vorgänger aus der sogenannten ersten oder auch kaiserzeitlichen Wurtenphase angelegt worden. Mit Absinken des Meeresspiegels um Christi Geburt waren Siedler in die Seemarschgebiete gezogen. Als aber Mitte des ersten Jahrhunderts n. Chr. eine Überflutungsphase einsetzte, verließen die Menschen ihre Siedlungen im Gegensatz zur vorangegangenen Überflutungsphase (ca. 400-300 v. Chr.) nicht mehr. Stattdessen erhöhten die Menschen der ersten Wurtenphase ihre Plätze zu Wohnhügeln. Gebäude dieser Zeitstellung mussten in der Regel alle 30 bis 50 Jahre erneuert werden, was jedes Mal mit einer Aufhöhung der Wurt einherging. Im Laufe der Zeit wuchsen so die anfänglichen Einzelwurten zu großen Dorfwurten zusammen. Wurten der ersten Phase finden sich in Ostfriesland, insbesondere in der Krummhörn, in großer Zahl. Die Mehrzahl dieser kaiserzeitlichen Wurten soll im 4./5. Jahrhundert im Zuge der Völkerwanderung verlassen worden sein, archäologische Befunde legen jedoch nahe, dass die Besiedlung einzelner Wurten ohne Unterbrechung fortdauerte. Als während der späten Kaiserzeit der Meeresspiegel erneut absank und die ostfriesischen Seemarschgebiete weitestgehend sturmflutfrei waren, wurden im 7. Jahrhundert n. Chr. die kaiserzeitlichen Wurten von den Friesen wiederbesiedelt. Archäologische Funde aus dem 8./9. Jahrhundert belegen auch eine Besiedlung der Loquarder Wurt während dieser zweiten, mittelalterlichen Wurtenphase, die erst mit Schließung der Deichlinie im 13. Jahrhundert endete. Erschlossen wird die Dorfwurt Loquard durch ein spinnennetzartiges Wegesystem aus konzentrischen Ringstraßen um die gotische Saalkirche und den Kirchhof und radial verlaufenden, kleinen Gassen, den sogenannten Lohnen. Während sich am Warftfuß vor allem die großen Hofstellen aneinanderreihen, befinden sich weiter oben mittelgroße Höfe sowie ehemalige Handwerker- und Arbeiterwohnhäuser. Bei letztgenannten handelt es sich um gedrungene, eingeschossige und überwiegend traufständige Satteldachhäuser, die bis ins 20. Jahrhundert von Landarbeitern oder Kleinhandwerkern bewohnt wurden. Die häufig mit einfachen Mitteln und altem Baumaterial errichteten Häuser verfügten in der Regel über nicht mehr als einen Raum zum Wohnen und Schlafen gleichermaßen sowie einen Schweine- oder Schafstall, der vom Flur aus bewirtschaftet werden konnte. Dieser Grundtyp konnte je nach Lage und Einkommen des Arbeiters bzw. Handwerkers variieren und darüber hinaus beispielsweise eine separate Küche, eine zusätzliche Kammer oder einen größeren Stallanbau aufweisen. Die Häuser befanden sich entweder im Eigentum der Arbeiter oder wurden von den Bauern an verheiratete Bedienstete und Arbeiter vermietet. In ihrer quartiersweisen Häufung sind sie von prägendem Einfluss auf das Ortsbild der Wurtendörfer der Krummhörn. Ausweislich des Urflurbuchs von 1874 konzentrierten sich die Landarbeiterhäuser in Loquard im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts insbesondere an zwei Stellen der Wurt; im Westen entlang der Lohnen Fischerweg, Buurwegslohne und Amtsweg, im Süden und Osten innerhalb eines von den Straßen Rechter Weg, Apothekerlohne, Krumme Straße, Stellmacherweg, Osterweg, Siebrand- und Brunger Straße umschlossenen Quartiers. Mit den ehemaligen Landarbeiterhäusern Buurwegslohne 7, Amtsweg 1 und Amtsweg 3 hat sich diese Situation im Westen der Dorfwurt besonders anschaulich erhalten. Die ehemaligen Landarbeiterhäuser sind aufgrund des Zeugnis- und Schauwertes durch die beispielhafte Ausprägung eines Gebäudetypus sowie für die Sozialgeschichte Ostfrieslands geschichtlich von Bedeutung. Im Gegenüber mit den großen, repräsentativen Gulfhöfen – stellvertretend seien hier die denkmalgeschützten Hofstellen Am Runden Graben 9 und 11 sowie Brunger Straße 10 genannt – veranschaulichen die kleinen Landarbeiterhäuser Buurwegslohne 7 sowie Amtsweg 1 und 3 das seit dem 17. Jahrhundert währende Sozialgefüge in den ostfriesischen Marschgebieten. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts löste sich das wirtschaftliche Abhängigkeitsverhältnis zwischen besitzenden Bauern einerseits und bediensteten Knechten, Mägden und Tagelöhnern andererseits auf. Durch ihre quartiersweise Häufung sind die auf kleinen Grundstücken stehenden, niedrigen Backsteingebäude außerdem von prägendem Einfluss auf das Ortsbild des Wurtendorfes Loquard. Am Erhalt der vorgenannten Arbeiterhäuser besteht aufgrund ihrer Beispielhaftigkeit für den Bautyp der Landarbeiterhäuser des 18. und 19. Jahrhunderts in den Wurtendörfern der Seemarschgebiete Ostfrieslands außerdem ein öffentliches Interesse.
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
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