Jüdischer Friedhof Norden
Grabplatte auf dem älteren Teil des Friedhofs
Blick über den mittleren Teilbereich des Friedhofs (Teil 3) nach Westen (2009)
Blick über den jüngsten Teilbereich des Friedhofs (Teil 4) nach Süden (2009)
Mahnmal für die ermordeten Mitglieder der Norder Synagogengemeinde, Ansicht West (2009)
Grabplatte auf dem älteren Teil des Friedhofs (2009)
Lindenallee mit Grabplatten, Blick nach Nordosten (2009)
Lindenallee mit Eingangstor, Blick nach Nordosten (2009)
Stele auf älterem Teil des Friedhofs, Ansicht Ost (2009)
Stele auf älterem Teil des Friedhofs, Ansicht Ost (2009)
Blick vom kommunalen Friedhof zum jüdischen Friedhof (2009)
Blick nach Westen auf den 3. und 4. Teilabschnitt des Friedhofs (2009)
Stakettenzaun (2009)
- Landkreis
- Aurich
- Gemeinde
- Norden, Stadt
- Gemarkung
- Norden
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Norden
- Adresse
- Am Zingel
- Objekttyp
- Friedhof
- Baujahr
- um 1569
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- geschichtlich, wissenschaftlich, städtebaulich
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 34343121
- Objekt-Nr.
- 239
- Fachbereich
- Bau und Kunst
- Jüdische Topographie Geschichte Aus einem Schreiben des Hofjuden Meyer Calmans, das er als Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Norden am 22. August 1669 an die Fürstin Christine Charlotte von Ostfriesland richtete, geht hervor, dass die Juden in Norden bereits „vor hundert Jahren“ (1569) ein Stück Land vom Vorstand der lutherischen Gasthauses (Armenhauses) gepachtet hatten, das sie als Begräbnisplatz nutzten. In dem Brief beklagte Calmans die „Entzweischlagung von Sargsteinen“ (Anklam 1927, S. 203) und das Fehlverhalten der Bewohner des Armenhauses, die den jüdischen Friedhof als Weidefläche nutzten. Die Fürstin erteilte die Erlaubnis, den Friedhof einzuzäunen und drohte hohe Strafen an, sollte die Ruhe des Ortes nochmals gestört werden. (Gödeken 2000, S. 73; Fraenkel 2005, S. 1123) Mit dem Vorstand des Gasthauses wurde 1669 ein neuer Pachtvertrag aufgesetzt, in dem nun auch das Recht auf eine Einfriedung festgeschrieben wurde. (Gödeken 2000, S. 73) 1738 wurde der Begräbnisplatz erweitert und in Erbpacht genommen, 1770 kaufte die Gemeinde ein angrenzendes Grundstück dazu. 1894 folgte der Kauf eines weiteren Bereiches, des sog. „neuen“ Friedhofs, der bereits 1883 eingeweiht und belegt wurde. (Gödeken 2000, S. 73/74) Mit dem Kauf erhielten die Gemeindemitglieder nun auch die Möglichkeit, Doppelgräber für Ehepaare oder Geschwister zu erwerben. (Gödeken 2000, S. 75) Durch die Einrichtung des neuen Friedhofs war der Transport der Toten erheblich erschwert. Die Mitglieder der Beerdigungsbruderschaft mussten weite Strecken zu Fuß zurücklegen und ältere, eingesunkene Grabstellen übersteigen. Deshalb richtete die Begräbnis-Bruderschaft 1889 und 1893 Gesuche an die Friedhofskommission des benachbarten städtischen Friedhofs, in der sie darum baten, mit dem Leichenwagen den Weg über den christlichen Friedhof mit seinen befestigten Wegen nehmen zu dürfen. Das Gesuch wurde abgelehnt. Auch die Intervention des Landesrabbiners Dr. Löb beim Regierungspräsidenten scheiterte. (Gödeken 2000, S. 80-83) Schließlich entschied man sich, einen Weg vom alten zum neuen Teil des Friedhofes anzulegen. Die alten, gut erhaltenen Grabplatten wurden auf die Nordseite des Weges versetzt und in Doppelreihen angeordnet. (Gödeken 2000, S. 85) 1924 wurde der Friedhof zum ersten Mal geschändet. (Alemmania Judaica) In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Grabsteine umgestoßen und zum Teil zerschlagen. (Reyer; Tielke 1988, S. 62) 1940 bot Adolf Weinberg als Liquidator der jüdischen Kultusvereinigung der Stadt Norden den Friedhof zum Kauf an. Die Verkaufsverhandlungen verzögerten sich, da die Liegefrist für die Grabstellen auf 30 Jahre festgeschrieben waren. 1944 wurde schließlich ein Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und der Stadt Norden aufgesetzt, der einen Verkauf des Friedhofs an die Stadt Norden mitsamt den Anrechten auf die Grabdenkmäler für 520 Reichsmark vorsah. Da das Deutsche Reich jedoch noch nicht „grundbuchlicher Eigentümer“ war, kam der Verkauf vor Kriegsende nicht zustande. (Gödeken 2000, S. 92-94) Nach dem Krieg ordnete die Militärregierung an, alle jüdischen Friedhöfe in Ostfriesland wieder instand zu setzen. Bereits im November 1945 konnten die Arbeiten in Norden abgeschlossen werden. (Gödeken 2000, S. 94/95) Ergebnislos verlief hingegen die Fahndung nach den Tätern, die an der Zerstörungen des Friedhofs in NS-Zeit beteiligt waren. 1947 wurde das Verfahren gegen sie eingestellt. (Reyer; Tielke 1988, S. 63) 1977, 1978 und 1981 kam es wiederum zu Schändungen des Friedhofs. (Diamant 1982a, S. 138; Diamant 1982b, S. 29; Fraenkel 2005, S. 1138) 1986 legten Schüler der Berufsbildenden Schule zusammen mit ihrem Lehrer Helmut Renners die mit Gras überwachsenen liegenden Grabplatten an der Allee frei, 1993 folgte die Restaurierung der beschädigten Grabplatten. (Gödeken 2000, S. 85) Im Jahr 2000 waren auf dem Friedhof nach Lina Gödeken noch 321 Grabsteine vorhanden, der älteste stammte von 1659, der jüngste von 1938. (Gödeken 2000, S. 85, 92) Auf Initiative der ökumenischen Arbeitsgruppe Synagogenweg Norden wurde 1990 ein „Sammel“-Grabstein“ für neun zwischen 1938 und 1940 verstorbene Juden, die keinen Grabstein mehr erhalten hatten, errichtet (Gödeken 2000, S. 92) sowie 2005 ein Mahnmal für die ermordeten Männer, Frauen und Kinder der Norder Synagogengemeinde eingeweiht. (Alemannia Judaica) Beschreibung Das Friedhofsareal liegt heute eingebettet zwischen dem Städtischen Parkfriedhof Am Zingel und einem Altenzentrum. Über die Straße Am Zingel/Ecke Eselspfad gelangt man auf den älteren Teil des Friedhofs. Dieser liegt auf einem Wall, der ursprünglich das Kloster Marienthal umgab. Das schmale, lange Grundstück erstreckt sich in nordöstliche Richtung in einem leichtem Rechtsbogen. Die Erschließung erfolgt über eine Lindenallee. Nördlich des Weges befinden sich die 1986 freigelegten Grabplatten bzw. Grabstelen. Am Ende des Grundstücks schließen in nordwestlicher Richtung die im 18. und 19. Jahrhundert angelegten, mit Bäumen bestandenen Bereiche an. Die Grabsteine stehen in Reihen, auf dem älteren Abschnitt lockerer gruppiert und teilweise „auf Lücke“, auf dem neuen Friedhof in einem strengeren Ordnungssystem. Erhalten haben sich 321 Grabsteine aus der Zeit zwischen 1659 und 1938. Auf der Westseite des neuen Friedhofs steht das 2005 eingeweihte Mahnmal für die ermordeten Männer, Frauen und Kinder der Norder Synagogengemeinde, eine Gemeinschaftsarbeit des Künstlers Ricardo Fuhrmann und des Architekten Reinhard Schneider. Literatur Manuskript Handbuch jüdischer Ritualbauten Niedersachsen | Bet Tfila – Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa, TU Braunschweig Anklam 1927 Anklam, K.: Die Judengemeinde in Aurich. In: Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, 71. Jg., 1927, H. 4, S. 194-206. Diamant 1982a Diamant, Adolf: Jüdische Friedhöfe in Deutschland – eine Bestandsaufnahme. Frankfurt am Main 1982; zum jüdischen Friedhof: S. 138. Diamant 1982b Diamant, Adolf: Geschändete jüdische Friedhöfe in Deutschland 1945-1980. Anlage zur Dokumentation Jüdische Friedhöfe in Deutschland – eine Bestandsaufnahme. Frankfurt am Main 1982; zum jüdischen Friedhof: S. 29. Fraenkel 2005 Fraenkel, Daniel: Norden / Norderney. In: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen, hg. von Herbert Obenaus in Zusammenarbeit mit David Bankier und Daniel Fraenkel. Bd. 1. Göttingen 2005, S. 1122-1139; zum jüdischen Friedhof: S. 1123/1124, 1128, 1138. Gödeken 1991 Gödeken, Lina: Die Frühzeit der Norder Juden (ca. 1550-1602). In: Reyer, Herbert; Tielke, Martin (Hg.): Frisia Judaica. Beiträge zur Geschichte der Juden in Ostfriesland (Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands; Bd. 67). Aurich 3. erw. Aufl. 1991, S. 59-76; zum jüdischen Friedhof: S. 63/64. Gödeken 2000 Gödeken, Lina: Rund um die Synagoge in Norden. Die Geschichte der Synagogengemeinde seit 1866. Aurich 2000; Kapitel „Der jüdische Friedhof, S. 72-95; Grabsteine: S. 116/117, 192-195, 408/409, 548-567 (Taf. I-XII); Pläne, S. 568-571. Reyer; Tielke 1988 Reyer, Herbert; Tielke, Martin: Das Ende der Juden in Ostfriesland. Ausstellung der Ostfriesischen Landschaft aus Anlaß des 50. Jahrestags der Kristallnacht. (Einzelschriften / Ostfriesische Landschaft; Bd. 30). Aurich 1988; Kapitel Norden, S. 60-63; zum jüdischen Friedhof, S. 62/63. Internet Alemannia Judaica http://www.alemannia-judaica.de/norden_friedhof.htm (Stand: 07.03.2021)
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Grabplatte auf dem älteren Teil des Friedhofs
Blick über den mittleren Teilbereich des Friedhofs (Teil 3) nach Westen (2009)
Blick über den jüngsten Teilbereich des Friedhofs (Teil 4) nach Süden (2009)
Mahnmal für die ermordeten Mitglieder der Norder Synagogengemeinde, Ansicht West (2009)
Grabplatte auf dem älteren Teil des Friedhofs (2009)
Lindenallee mit Grabplatten, Blick nach Nordosten (2009)
Lindenallee mit Eingangstor, Blick nach Nordosten (2009)
Stele auf älterem Teil des Friedhofs, Ansicht Ost (2009)
Stele auf älterem Teil des Friedhofs, Ansicht Ost (2009)
Blick vom kommunalen Friedhof zum jüdischen Friedhof (2009)
Blick nach Westen auf den 3. und 4. Teilabschnitt des Friedhofs (2009)
Stakettenzaun (2009)

